Wie bekommen Flüchtlinge eine Arbeit?

Deutsch ist unverzichtbar

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Fast wie beim Friseur: Die Sommerheide wird gestutzt. Auch dafür sucht die Gärtnerei Helfer.

Rodgau - Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist nicht nur eine große Aufgabe, sondern sie eröffnet auch Chancen für die Betriebe. Von Ekkehard Wolf 

Eine Podiumsdiskussion der städtischen Wirtschaftsförderung machte am Donnerstag deutlich, wo ehrenamtliche Helfer an ihre Grenzen stoßen - und wie die Hauptamtlichen zusammenarbeiten. Beim lockeren Ausklang im Rathausfoyer wurden sogar einige Jobs vermittelt. Deutschkenntnisse wünschen sich Arbeitgeber als Erstes, wenn es um die Einstellung von Flüchtlingen geht. Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsförderung in den letzten vier Wochen. Dieses Ergebnis ist allerdings nicht repräsentativ. Nur 20 der 500 angeschriebenen Betriebe füllten den Fragebogen aus. „Ja, es gibt einen Arbeitsmarkt für Geflüchtete hier in Rhein-Main“, betonte Thomas Pätzold von der Arbeitsagentur in Rodgau. Trotz einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent bestehe eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Gesucht würden Altenpfleger, Fahrer und Service-Mitarbeiter - auf der anderen Seite seien viele Kaufleute arbeitslos.

Fürs Umsetzen der vielen Heidepflanzen auf Abstand sucht die Gärtnerei Wolf Verstärkung aus den Reihen der Flüchtlinge.

Zurzeit gebe es mehr Praktikums- und Stellenangebote für Flüchtlinge als geeignete Bewerber, sagte Jana Maria Kühnl von der IHK Offenbach. Viele Interessenten seien noch nicht anerkannt oder verfügten noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse. Als Vermittlungsstelle bietet sich das Arbeitsmarktbüro in Dietzenbach an, das von der Arbeitsagentur und „Pro Arbeit“ getragen wird. Flüchtlingsberater Petar Jovicic will Arbeitgebern die Furcht vor bürokratischen Hürden nehmen: „Die einzige Besonderheit ist, dass die Ausländerbehörde verständigt werden muss, wenn Sie jemanden einstellen möchten, dessen Asylverfahren noch läuft. Dabei helfen wir Ihnen.“

Vor jeder Einstellung eines Ausländers muss laut Gesetz geprüft werden, ob es einen geeigneten einheimischen Bewerber für die Stelle gibt. Die Arbeitsagentur erledigt das laut Thomas Pätzold innerhalb von 48 Stunden. Viel Zeit erfordert hingegen das Deutschlernen. Gerade für Auszubildende sei die Sprache wichtig, sagte Uwe Czupalla von der Kreishandwerkerschaft: „Wir gehen davon aus, dass es zwölf bis 18 Monate dauert, bis jemand ein Sprachniveau oberhalb von B 1 hat, so dass er dem Unterricht folgen kann und nicht zum Hemmschuh der Klasse wird.“

Deutschnationale Töne auf AfD-Parteitag

Dass es Berufsschulen gibt, müssen indes die meisten Neuankömmlinge erst lernen. „Zu uns kommen Menschen, die kennen nur Arbeit und Studium. Dass es noch ganz viel dazwischen gibt, wissen sie nicht“, sagte Jana Maria Kühnl von der IHK. Das bestätigt auch Elske Ostermann vom Flüchtlingsnetzwerk Rodgau. Immer wieder höre sie den Wunsch zu studieren. Auf Nachfrage gehe es meist um Berufe, die man hier in der dualen Ausbildung lernt.

Sibylle Wolf von der gleichnamigen Traditionsgärtnerei in Dudenhofen nutzte die Veranstaltung zu einer spontanen Aktion. Ohne Umschweife sprach sie ihr aktuelles Arbeitskräfteproblem an. Zum Beispiel brauche sie Hilfen fürs Umsetzen der Pflanzen auf dem weitläufigen Betriebsgelände. Ihr Aufruf am Ende der Veranstaltung bewirkte, dass sich noch an diesem Abend eine Lösung fand. Auf Vermittlung der Podiumsgäste stellte sich in der Gärtnerei gestern ein pakistanischer Flüchtling vor. Und für Montag hat sich ein Mann aus Eritrea angekündigt.

Quelle: op-online.de

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