Bernd-Michael Land präsentiert sein Werk „Meeresgrund“

Wenn Plastiktüten rascheln

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Im Tonstudio seines Hauses in Hainhausen entsteht die Musik von Bernd-Michael Land. Kostproben gibt es am kommenden Sonntag beim Tag der Umwelt.

Hainhausen - Bis auf den Meeresgrund abtauchen, um zu träumen, hört sich im ersten Moment verlockend an. Wenn nicht dort Mengen von Kunststoffabfällen liegen würden. Von Simone Weil

Der Musiker Bernd-Michael Land hat mit seinem jüngsten Werk „Meeresgrund“ eine Hommage an die Erde geschaffen, in dem er sich mit der Vermüllung der Ozeane auseinandersetzt. Land, der sich seit Anfang der 70er Jahre der elektronischen Musik verschrieben hat, schafft Klänge aus raschelnden Plastiktüten, aus Öldosen und anderen Plastikabfällen. Dazwischen erklingen sphärische Töne, die an Wal- und Delfingesänge oder an das sanfte Plätschern der Wellen erinnern. Produziert werden diese fantastischen Klangwelten mit Hilfe unzähliger Synthesizer, Effektgeräte und Mischpulte. Ein besonderes Instrument dabei ist das Haken Continuum Fingerboard, das extrem druckempfindlich reagiert, sehr ausdrucksstark ist und sehr räumlich wirkt.

Der aus Offenbach stammende Komponist und Musiker sagt: „Ich bin kein Ökofreak, aber ich habe kein Verständnis dafür, dass Abfall einfach im Wald oder im Meer landet.“ Deswegen müssten die Strafen für Umweltsünder deutlich erhöht werden, findet der gelernte Schlossermeister und Schweißfachmann, der viele Jahre lang ein eigenes Unternehmen für Sicherheitstechnik betrieben hat. Um endlich mehr Zeit fürs Kreative zu haben, hat der 61-Jährige seine Firma aufgegeben und widmet sich seit drei Jahren ausschließlich der Musik. Seit 2013 ist er mit Haus und Tonstudio in Hainhausen sesshaft geworden: „Ich hätte nie gedacht, dass es hier so schön ist“, findet der Wahl-Rodgauer. Bei der Rodgau-Art hat er seine Klangkunst bereits präsentiert und nun stellt er seine Arbeit beim Aktionstag am Sonntag, 5. Juni, in den Dienst der Umwelt: Land wird auf der Freiluftbühne im Jügesheimer Rodaupark sein Werk „Meeresgrund“ aufführen. Zwischen 10 und 17 Uhr sind mehrere Konzerte vorgesehen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Land spielte in diversen Bands Synthesizer, ist aktives Mitglied des Live-Ambient-Projekts „EK-Lounge“ und gründete mit dem Fuldaer Musiker Frank Tischer (Spencer Davis Group, Ritchie Blackmore) das Elektronikduo „Thau“. Mehrfach wurde er mit dem „Deutschen Schallwelle-Musikpreis“ für elektronische Musik als bester Künstler und für das beste Album ausgezeichnet. Der Musiker hat gute Erfahrungen damit gemacht, seine Werke bei Ausstellungen, Kunst-Festivals und ähnlichen Veranstaltungen vorzustellen: „Dann erreiche ich Leute, die sonst keine elektronische Musik hören würden.“ Außerdem sei die Atmosphäre meist relativ entspannt – das kommt seinen meditativen Klängen entgegen. Die Sphärenklänge verdienen nach Meinung ihres Schöpfers übrigens die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers: also hinsetzen, lauschen und träumen.

Der Komponist ist immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Orten für seine Aufnahmen. So plant er in nächster Zeit ein Konzert im Kühlturm des Staudinger-Kraftwerks in Großkrotzenburg. Er ist jetzt schon fasziniert, wenn er an den 128 Meter hohen Turm mit einem Durchmesser von 85 Metern denkt und hofft auf einen besonders ausgefallenen Klang.

Quelle: op-online.de

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