Vier Bands und an die 1000 Besucher

Beste Stimmung im Regencape beim Strandbadfestival

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Von „Jam Delay“ ließen sich die Besucher bereitwillig zum Mitmachen animieren. Nach drei Stunden Regencape waren am Abend warme Jacken gefragt.

Nieder-Roden - Nicht jammern, sondern feiern hieß die Devise beim Strandbadfestival am Samstag. Rockbands und Besucher trotzten dem Regen. Als sich nach drei Stunden ein riesiger Regenbogen über der Bühne wölbte, strömten mehr Gäste aufs Gelände. Von Ekkehard Wolf

Prost auf besseres Wetter: In den letzten Strahlen der Abendsonne ließen es sich die Gäste gut gehen.

Die Besucherzahlen der vergangenen Jahre wurden aber nicht erreicht. „Scheiß auf den Regen, Hauptsache die Musik ist gut“, lacht ein Mann beim Auftritt der „Purple Snake Heroes“. Egal ob die Haare nass werden: Er groovt mit, singt ein paar Refrains und ist guter Dinge. Am Horizont über dem Kieswerk zeigt sich ein heller Schein. Das Schlimmste ist zu dieser Zeit schon vorbei. Ein Wetter, bei dem man Depressionen kriegen kann. Zwei Gäste ziehen sich am Kassenhäuschen die Regencapes über. „Wenn wir unter dem großen Schirm stehen, brauchen wir sie vielleicht gar nicht“, meint der eine hoffnungsvoll. Der andere: „Aber da stehen alle anderen auch.“ Stimmt: Beim Auftritt der ersten Band drängen sich die Zuhörer unter dem Schattenpilz. Es sind knapp 50 Leute. Mehr sind nicht da. Die Musiker von „Last Jeton“ lassen sich davon nicht stören. Sie rocken ab, als hätten sie nicht nur ein Häuflein Zuhörer, sondern einen Rasen voller Fans vor sich. Drei Frauen lassen sich anstecken. Sie tanzen auf der Wiese - wie bei „Singing in the Rain“.

„Manchmal fällt’s ins Wasser und manchmal macht man eben das Beste draus“, sagt Last-Jeton-Sängerin Saskia Hedzet nach einer Stunde Power-Rock. Respekt bezeugt sie den „vakuumverpackten“ Zuhörern: „Ich frag’ mal die Stadt Rodgau, ob sie auch ein Laminiergerät dafür haben.“ Auch die „Purple Snake Heroes“ rocken gegen den Regen an. Die Gruppe um Schlagzeuger Rudi Hagenau interpretiert die Songs von Deep Purple und Whitesnake „fast besser als das Original“, wie Moderator Frank Rebel lobt. Pünktlich zur Zugabe hört der Regen auf. Die untergehende Sonne malt einen riesigen Regenbogen über die Bühne und den Strandbadpavillon. Sogar für eine zweite Zugabe bleibt noch Zeit. Einen Tag nach dem 71. Geburtstag des Deep-Purple-Sängers Ian Gillan wählt die Band dessen epische Antikriegshymne „Child in Time“, die von Keyboarderin Brigitte Volkert und Gitarrist Holger Münker noch einmal volle Virtuosität fordert.

„Jam Delay“ heizt die Stimmung weiter an. Das ist Party pur mit einem Mix aus Reggae, Hip-Hop, Funk und Soul im glitzernden Disko-Stil. Die zehn Musiker bieten eine ausgefeilte Show. Frontmann Damian Steuer animiert sein Publikum zum Mitmachen. Die Zuhörer lassen sich nicht lange bitten. Sie vollführen Luftsprünge, wedeln mit Tüchern oder Jacken und „frieren“ auf Kommando in komischen Verrenkungen ein. Und das alles getreu dem Liedtext: „Schmeißt die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum Dancen“.

Bei „Alex im Westerland“ sind die Fans völlig aus dem Häuschen. Die Reihen haben sich gelichtet, viele Leute sind wegen der Kälte nach Hause gegangen. Diejenigen, die geblieben sind, erleben eine Punkrock-Show mit den besten Songs der „Ärzte“ und der „Toten Hosen“. Manche grölen mit, bis sie heiser sind. Den glänzenden Schlusspunkt setzt ein Feuerwerk, das in zwölf Minuten viele Ah- und Oh-Rufe hervorruft. Punkt 23.55 Uhr ist Schluss.

Strandbadfestival am Badesee Nieder-Roden: Fotos

Auch im Regen hatten diese drei Fans vor der Bühne ihren Spaß.

Am nächsten Morgen erinnert nur ein kleiner Stapel an Material für den Getränkelieferanten an das Festival. Die Bühne, die Zäune, die Stände - alles weg. „Wir haben bis viertel nach vier gearbeitet“, sagt Frank Redemann vom Impuls-Kulturverein. Er ist einer von zehn, elf Aktiven, die seit Donnerstag auf den Beinen sind: „Jedes Wochenende kann man so etwas nicht machen. Das hält man nicht durch.“ Im Rückblick ist er zufrieden: Ein friedliches Rockfest mit familiärer Atmosphäre - genauso wünsche sich das der Verein. „Stimmungsmäßig war es toll. Das ist auch das Verdienst der Bands.“ Von der ersten bis zur letzten Band seien alle große Klasse. Die Reihenfolge der Auftritte stelle keine Wertung dar: „Wir gucken natürlich, dass eine gewisse Steigerung drin ist. Tote Hosen hört man nicht am Anfang. Wenn die Leute ein Bier getrunken haben, singen sie eher mit.“

„An die 1000 Gäste“ waren laut Redemann da: „400 oder 500 Leute mehr wären gut gewesen. Das tut schon weh. Aber das ist das Risiko eines Open-Air.“

Quelle: op-online.de

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