Betreutes Wohnen in Nieder-Roden

Johanniter bauen für Ältere

Hier sollen die Neubauten hin: Die Johanniter-Vorstände Sven Korsch, Dr. Bernhard Knaf und Dr. Karsten Falk (von links) mit einem Plan des Bauvorhabens am Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses Nieder-Roden. J Foto: Wolf

Nieder-Roden - Barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen will die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) am alten Friedhof errichten. Die Johanniter wollen das Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses bebauen. Das Vorhaben steht am 9. Februar in der Stadtverordnetenversammlung zur Debatte. Von Ekkehard Wolf 

 Die Zeichen stehen auf Zustimmung: Alle drei Fachausschüsse und der Ortsbeirat haben bereits einstimmig ihr Jawort gegeben. Die Johanniter und die Stadt sprechen schon seit etwa drei Jahren über das Projekt. Der Architektenentwurf wurde seit Sommer 2014 an einigen Stellen verändert. So sind nun begrünte Flachdächer anstelle der Pultdächer geplant, damit die Häuser etwas niedriger wirken.

Die Seniorenwohnanlage soll aus zwei Gebäuden bestehen – einem L-förmigen Block auf dem ehemaligen Feuerwehrplatz und einem kleineren Haus auf dem bisherigen Parkplatz am alten Friedhof. Beide Bauwerke haben dreieinhalb Stockwerke: Erdgeschoss, zwei Obergeschosse und ein zurückgesetztes Dachgeschoss.

„Die Baukörper gruppieren sich um einen kleinen Quartiersplatz“, beschreibt Architekt Wagner (Hanau). Der Ahornweg, bisher eine Straße, soll künftig als Geh- und Radweg die Anlage durchqueren. Der Fußgängerverkehr werde „durchaus begrüßt“ - als belebendes Element, das die Wohnanlage mit dem Alltag verbindet.

Die 48 Wohnungen sind barrierefrei und per Aufzug erreichbar. Bei den meisten handelt es sich um Zwei-Zimmer-Wohnungen zwischen 55 und 63 Quadratmetern. Jede Wohnung hat einen Balkon (Loggia). Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss und ein kleines Erholungsbad im Keller.

„Vollwertige Wohnungen“

Wer in eine solche Seniorenwohnanlage einzieht, will selbstbestimmt leben, so lange das möglich ist. Das wollen auch die Johanniter. „Das sind vollwertige Wohnungen“, sagt Dr. Karsten Falk, hauptamtlicher Vorstand des JUH-Regionalverbandes Hanau/Main-Kinzig. „Die Menschen, die dort einziehen, können die Tür hinter sich zumachen.“ Wer Hilfe brauche, könne sie jederzeit in Anspruch nehmen.

So sollen die beiden Gebäude von der Friedensstraße her aussehen. Das linke Haus soll auf dem Parkplatz des alten Friedhofs stehen, das rechte auf dem Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses. Der Ahornweg dazwischen wird laut Planung künftig für Autos gesperrt und dient als öffentlicher Geh- und Radweg. Die Zeichnung in der Großansicht.

„Betreutes Wohnen“ heißt für die Johanniter: Ein Ansprechpartner vor Ort bietet Rat und Hilfe und organisiert Gemeinschaftsangebote vom Kochen bis zum Spieleabend. Bei Bedarf vermittelt er Hilfen vom Fahrdienst über Essen auf Rädern bis zur ambulanten Pflege. Die Mieter sind nicht auf einen bestimmten Pflegedienst festgelegt: Jeder entscheidet selbst, welchen Anbieter er in Anspruch nimmt. Die Johanniter kalkulieren mit einer monatlichen Miete von 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen noch anteilige Kosten dafür, dass täglich ein Ansprechpartner im Haus erreichbar ist. Zudem ist jede Wohnung an einen kostenpflichtigen Hausnotrufdienst angeschlossen. „Das ist für uns ein Qualitätsmerkmal“, betont Dr. Karsten Falk.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe betreibt bundesweit erst zwei derartige Wohnanlagen für Senioren in Potsdam und Hannover. Nach deren Erfahrungen rechnet Falk damit, dass die meisten Bewohner älter als 80 Jahre sein werden. Architekt Wagner bestätigt: „Das Durchschnittsalter in diesen Anlagen ist für viele überraschend hoch. Die Menschen entscheiden sich sehr spät, ihre angestammten vier Wände aufzugeben.“

Bauherr und Architekten sind sich deshalb auch sicher, dass sie mit 29 Auto-Stellplätzen für 48 Wohnungen gut hinkommen. Laut Stellplatzsatzung würden sogar 24 Parkplätze (0,5 pro Wohnung) ausreichen. Elf Autoplätze an der Friedensstraße sollen auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Johanniter-Chef Falk: „Wenn ein Besucher der Sandbar dort parken will, kann er das tun, wenn ein Platz frei ist.“ Im Alter verzichteten viele Menschen vernünftigerweise auf ein eigenes Auto, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler. Dies zeige sich auch in der städtischen Wohnanlage Ludwigstraße 58 bis 60 in Jügesheim: Die Mieter der 20 Wohnungen besäßen insgesamt nur acht Autos.

Das ändert sich durch die Pflegereform

Das ändert sich durch die Pflegereform

Die Seniorenwohnanlage der Johanniter eröffnet die Möglichkeit, das erste der drei Grundstücke zu bebauen, die durch den Abriss der alten Feuerwehrhäuser im Jahr 2010 frei geworden sind. Und das zu einem marktgerechten Preis, wie der Erste Stadtrat betont. Es handele sich um „kein Subventionsgeschäft“. Die Johanniter seien von Anfang an bereit gewesen, den Bodenrichtwert zu bezahlen. Das sind 350 Euro pro Quadratmeter. Fast 2600 Quadratmeter kann die Stadt zu diesem Preis veräußern. Gehwege und kleinere Flächen sind preiswerter, weil sie weiterhin öffentlich nutzbar sind. Der Grundstücksverkauf soll 918 825,13 Euro in die Stadtkasse bringen. Nach dem Ende der Bauarbeiten gäben die Johanniter den Ahornweg wieder an die Stadt zurück, so Schüßler.

Wenn das Stadtparlament dem Vorhaben zustimmt, muss die JUH einen speziellen Bebauungsplan aufstellen und mit der Stadt einen Durchführungsvertrag schließen. Das Grundstücksgeschäft wird erst wirksam, wenn der Kreis Offenbach die Baugenehmigung erteilt hat. Bürgermeister Jürgen Hoffmann rechnet, dass bis dahin etwa ein Jahr ins Land gehen könne – je nachdem, ob Einwände im Bebauungsplanverfahren erhoben werden.

Die Johanniter sind noch optimistischer. Hanaus JUH-Regionalvorstand Karsten Falk meint, im günstigsten Fall könne der Bau vielleicht schon Ende 2016 fertig werden. Die JUH will dafür acht Millionen Euro ausgeben. 400 Meter Luftlinie entfernt sollen weitere barrierefreie Wohnungen entstehen. Die Dietzenbacher Werkmann-Gruppe plant an der Unteren Marktstraße 19 Eigentumswohnungen für Senioren.

Quelle: op-online.de

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