Winzer und Veranstalter bedauern das Unglück sehr

Blitzschlag auf Weinfest gibt Rätsel auf

+
So unbeschwert hätte das 20. Weinfest auf dem Puiseauxplatz in Nieder-Roden zu jeder Stunde sein müssen: In Ruhe einen guten Tropfen am Stand aussuchen und dann genießen.

Nieder-Roden - Der Blitzeinschlag auf dem Weinfest war natürlich auch gestern beim Abbau der Stände auf dem Puiseauxplatz Thema Nummer eins. Das Unglück bleibt ein Fall mit vielen Unbekannten. Es gibt keine Brandspuren.

Der Blitzeinschlag vom vergangenen Samstagabend bleibt rätselhaft. Ohren- und Augenzeugen können nicht einmal lokalisieren, an welcher Stelle genau auf dem Festplatz der Blitz sich gegen 19.45 Uhr entladen hat. Manche sagen, es geschah neben der Bühne, andere wollen den Blitz zwischen Weinständen gesehen haben. „Es gibt keine Spuren“, bestätigten gestern Organisatorin Gabi Staak und Andreas Spott vom Veranstalter, der Partnerschaftsvereinigung Nieder-Roden/Puiseaux. „Das ist gespenstisch.“ Dass keine Spuren vorhanden sind, überrascht den Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach, Gerhard Lux, nicht. „Das ist nicht zwingend. Nur wenn es trocken ist. Dann kann man Schmauchspuren an einem Baum oder an einer weißen Hauswand oder am Kamin finden.“ Während des Unglücks regnete es in Nieder-Roden aber wie aus Kannen.

Die Leitstelle der Feuerwehr bestätigte gestern nochmals die Zahl von 29 Verletzten, von denen 17 in Krankenhäuser gebracht worden seien. Wie es ihnen inzwischen geht, war aus Datenschutzgründen nicht in Erfahrung zu bringen. Zwei Notärzte und die Besatzungen von sechs Rettungswagen und des Betreuungsbusses der Kreisfeuerwehr nahmen sich der Patienten an. Viele klagten über ein Kribbeln in den Gliedmaßen. Es soll auch dem Verdacht auf Herzrhythmusstörungen nachgegangen worden sein.

Organisatorin Gabi Staak war während des Vorfalls zwar nicht auf dem Festplatz, sondern im schützenden Sozialzentrum. Aus den Schilderungen Betroffener schließt sie aber, dass es sich um „ein oder zwei Kugelblitze“ gehandelt haben muss. Der enorme Kriechstrom am Boden führte dann zu den Verletzungen. „Einer hat an seiner Spülmaschine im Weinstand einen Schlag bekommen, ein anderer Gast von einer Metallbrüstung.“ Eine Frau sei zusammengesackt. Die Verletzung an ihrem Auge habe aber eine andere Ursache gehabt. Ohrenzeuge Gregor Wade genoss an einem Stand gerade zusammen mit seinem Sohn Markus eine Bratwurst und ein Fischbrötchen. „Wir waren etwa 20, 30 Meter von der Stelle weg. Der Knall war Wahnsinn, das ging durch Mark und Bein“, schildert der Rödermärker Kulturhallen-Chef die Situation. „Alle haben erschrocken aufgeschaut und sich umgesehen.“ An einen Anschlag habe er nicht gedacht.

Andreas Spott vom Veranstalter ist betroffen wegen der Verletzten und bedauert das Geschehen sehr. „Aber was hätten wir machen sollen?“ Lokale Gewitter „und solche Ad-hoc-Naturgewalten“ könne leider nicht einmal der Deutsche Wetterdienst exakt vorhersagen. „Wie hätten wir das verhindern können ohne die genauen Informationen zu haben?

Generell sind die Winzer mit dem 20. Weinfest zufrieden. Abgesehen natürlich vom Blitzeinschlag und den bösen Folgen. „Wir sind erst das dritte Mal dabei und vertreten das Weingut Lauth und Sohn aus Großfischlingen in der Pfalz, weil die Winzer selbst einfach keine Zeit für ein solches Weinfest finden. Im ersten Jahr war es ein bisschen schwierig für uns, weil wir neu waren und auch etwas abseits vom Platz stehen. Mittlerweile kommen aber auch viele Stammgäste gerne hoch zu uns“, berichtete Gerd Schönstein, der mit seiner Frau Bettina den jüngsten Winzer auf dem Nieder-Röder Weinfest vertrat. Die Rolle des Neulings könne man aber auch nach drei Jahren nicht so wirklich hinter sich lassen, wenn man bedenke, dass alle anderen schon seit 20 Jahren zusammen kämen. Als beliebtesten Wein ihres Standes gaben die Schönsteins einen grauen Burgunder des Jahrgangs 2015 an.

Bilder: Weinfest in Nieder-Roden

Auch Winzermeister Heribert Kastell aus Bingen am Rhein konnte sich in Sachen Verkaufsschlager dem nur anschließen. Auch an seinem Stand sei es ein grauer Burgunder gewesen, der sich besonderer Aufmerksamkeit der Besucher erfreut hätte.

Auch für Rita Stein, die seit drei Jahren das Weinfest mit den Schönsteins an deren Stand verbringt, war jeder Tag dieses Festes ein besonderes Erlebnis. „Ich wohne seit 18 Jahren wieder in Nieder-Roden – direkt neben dem Puiseauxplatz. Da bleibt mir nur eins übrig: mit feiern.“ Gut angenommen wurde das Fest auch von der Jugend. Besucher Felix Reißmann: „Ich bin vier Mal auf dem Weinfest gewesen. Im Großen und Ganzen war es eigentlich immer super.“ (bp/sjs)

Quelle: op-online.de

Kommentare