Nach Brand in Dudenhofen

Aufräumen nimmt kein Ende

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Das Feuer brach im Oktober neben dem Wintergarten im Carport aus. Kleines Foto: So sieht es dort heute aus.

Dudenhofen - Aus der Decke im Wohnzimmer hängen Kabel herunter. Die Küche hat noch keine Tür. Überall im Haus riecht es nach frischer Farbe. Im Wintergarten verhüllen Planen notdürftig die geborstenen Scheiben. Im Garten liegen noch ein verkohlter Kabelschacht und Scherben. Von Bernhard Pelka

Dieter Kurz und seine Frau Anna haben nach dem Feuer in ihrem Wohnhaus das Schlimmste zwar hinter sich. Aber ihr Heim ist immer noch eine Baustelle. „Das wünsche ich keinem“, beschreibt Dieter Kurz seine Gefühle. Der unfreiwillige Stresstest beginnt am Ende seiner Nachtschicht am 30. Oktober vergangenen Jahres. Der Baumaschinenmechaniker kommt gegen 8 Uhr von der Arbeit in Dreieich mit dem Auto nachhause. Dann der Schock. Beim Einparken im Rückspiegel sieht er, dass der Carport neben seinem Haus brennt. Die Holzkonstruktion bietet den Flammen reichlich Nahrung. Das Feuer kriecht ins Dach und breitet sich rasend schnell an der Außenwand Richtung Küche aus. Die Hitze bringt das Küchenfenster zum Bersten. Jetzt sind Flammen und beißender Qualm auch im Haus.

Zu diesem Zeitpunkt haben seine Frau und die Nachbarn längst die Feuerwehr gerufen. „Meine Frau hat an diesem Morgen schon früh in ihrem Zimmer gearbeitet. Sie hörte ein Geräusch und dachte, ich komme nach Hause. Dann hat sie vom Wintergarten aus die Flammen gesehen.“ Brandermittler werden später feststellen, dass ein Kühlschrank in der Garage das Unglück verursacht hat. Ein technischer Defekt mit fatalen Folgen. Die Feuerwehr greift zwar schnell und gezielt ein. Trotzdem ist der Bungalow an der Uhlandstraße hinterher unbewohnbar. Der Schaden beträgt rund 200.000 Euro. Verletzt wird zum Glück niemand.

Nachdem ein Gutachter der Versicherung das Ausmaß der Zerstörung aktenkundig gemacht hat, beginnt für Dieter Kurz und seine Frau die Lauferei. Sie müssen Angebote von Handwerkern einholen. Und zwar mindestens zwei pro Auftrag. Das Dachgebälk muss teils ausgetauscht, das Dach dann komplett neu eingedeckt werden. Auch die Dämmung hat gelitten. Alle Holzdecken im Haus sind hin. Die Küche ist komplett zerstört. Sämtliche Wände müssen von Ruß befreit und neu gestrichen werden. Das gilt auch für die Fassade, die teils einen neuen Putz bekommt. Auch die Fußböden und Türen innen haben gelitten. „Der Qualm ist ja giftig.“ Spezialfirmen holen deshalb alle Möbel und Kleidungsstücke ab, um sie zu reinigen.

Brand in einem Einfamilienhaus in Dudenhofen

Brand in einem Einfamilienhaus in Dudenhofen

Das alles will koordiniert sein. Wie gut, dass ein Architekt dem Ehepaar hilft. Noch besser, dass nebenan Schwägerin und Schwiegermutter wohnen. Sie bieten den abgebrannten Eheleuten während der quälend langen Sanierungswochen Quartier und Heimat. Rund 200 Stunden Organisation sind für die Eheleute bisher zusammengekommen, damit ihr 1996/97 gebautes 130-Quadratmeter-Häuschen wieder einigermaßen gut da steht. Unter den vielen Dingen auf der Arbeitsliste sind auch Punkte, an die man zunächst nicht im Entferntesten denkt: „Zum Beispiel ist unsere Zisterne für Regenwasser im Garten jetzt verunreinigt. Sie war über Kupferfallrohre ans Dach angeschlossen. Irgendwie sind dann Ruß und Dreck in die Zisterne gelangt. Alle Zuleitungen und die Zisterne müssen komplett gereinigt werden.“

Haarig wird auch die Reparatur des Wintergartens. Der ist zwar nur an einer Stelle verkohlt. Aber werden die neuen Scheiben halten? Wie sehr hat die enorme Hitze der Holzkonstruktion zugesetzt? Springen bei den noch anstehenden Arbeiten vielleicht weitere Scheiben? Es bleibt also anstrengend und spannend. Bis zum Wieder-Einzug wird es wohl sechs bis acht Wochen dauern. 1000 Kleinigkeiten sind noch zu erledigen. „Das Ganze ist nicht gut für die Seele und die Nerven“, sagt der 53-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Und findet an der Ausnahmesituation trotzdem etwas Gutes: „Immerhin wird das ganze Haus renoviert.“ Ein Kompliment macht er den Handwerkern, „die uns zwischen andere Aufträge reingeschoben haben. Schließlich war ja zwischendurch auch noch Weihnachten“. Dankbar ist Dieter Kurz aber auch seiner Firma. Dort sei ihm viel Verständnis entgegengebracht worden. Nicht zu vergessen die Schwägerin. Sie hilft den Brandopfern nicht nur mit einem Dach über dem Kopf, sondern auch mit Seelenmassage. „Viel Glück im schön renovierten Heim“, hat sie aufs Schlüsselbrett im Hausflur geschrieben. Dem schließt man sich doch gerne an.

Haus in Dudenhofen in Flammen

Quelle: op-online.de

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