Brötchenweg in Hainhausen

Schneller zum Bäcker

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Frühstück im Freien: Anja Turk und Ralf Kunert am gedeckten Tisch auf dem Brötchenweg.

Hainhausen - Eine Abkürzung, die keine sein darf: Der Brötchenweg macht Hainhausen im Fernsehen bekannt. Von Ekkehard Wolf

Der Brötchenweg macht Medienkarriere. Knapp acht Jahre nach seiner Sperrung im März 2007 haben Fernsehteams den 110 Meter langen Feldweg von Hainhausen-West zur Südtrasse entdeckt. Am 26. November berichtete Stern-TV über „Die Straße, die zu schmal geraten ist“. Das Magazin stellte den Brötchenweg als Beispiel für Steuerverschwendung dar: „Was bringt ein fast 70.000 Euro teurer Weg, der nicht genutzt werden darf?“ Regionalprogramme von RTL und Sat 1 zogen nach. Ein Sender mietete sogar einen Planwagen und fuhr damit zum Bäcker - denn landwirtschaftlicher Verkehr ist ja erlaubt. Ein anderes Fernsehteam ließ eine putzige Fußspur aus Brötchen über den Asphalt laufen.

Auch unsere Zeitung beteiligt sich gern am Wettlauf um das originellste Bild. Anja Turk (CDU) und Ralf Kunert (SPD) setzten sich gestern fürs Foto trotz Eiseskälte im Freien an den Frühstückstisch. Als hätten sie’s geahnt, verzichteten die Hainhäuser just in dieser Viertelstunde auf ihre Einkaufsfahrten. Machen wir uns nichts vor: Der Weg ist nach wie vor eine beliebte Abkürzung - Verbot hin oder her. Daran können auch Kontrollen nichts ändern. Sind die 70 .000 Euro also doch nicht verschenkt?

Der Brötchenweg war der Versuch, eine lästige Folge des S-Bahn-Baus zu lindern. Die Bahnstrecke trennt den Stadtteil in Ost und West. Die einzigen Einkaufsmöglichkeiten befinden sich im Osten. Früher gab es einen Bahnübergang in der Ortsmitte. Jetzt ist dort eine Unterführung für Fußgänger und Fahrradfahrer. Seit die Bahnschranken am 18. November 2002 zum letzten Mal geschlossen wurden, müssen Autofahrer den Umweg über die Südtrasse fahren.

Woher der Brötchenweg seinen Namen hat, weiß nicht mal der langjährige ehemalige Ortsvorsteher Ewald Simon (CDU). Aber die Baugeschichte kann er eindrucksvoll erzählen. Aus der Union kam der Vorschlag, für die Bewohner im Westen eine Abkürzung zu schaffen. Alfred Rautenberg vertrat die Idee, einen vorhandenen Feldweg zu asphaltieren. Er überzeugte sowohl den damaligen Bürgermeister Alois Schwab als auch die Parlamentarier im Ortsbeirat und in der Stadtverordnetenversammlung. Alle stimmten zu.

Doch die Politiker hatten die Rechnung ohne die Anwohner gemacht. Nicht alle waren glücklich über den zusätzlichen Verkehr vor ihrer Haustür. Ein Rechtsanwalt erwirkte die Schließung des Brötchenwegs: Das Ordnungsamt musste ihn sperren, weil er zu schmal für Gegenverkehr ist.

Aber ist das nach acht Jahren wirklich noch ein Aufreger, der die ganze Stadt entzweit? Wohl kaum. Dennoch will keiner der Beteiligten den Spaß als politische Stellungnahme verstanden wissen. In ein, zwei Jahren ist das Thema eh gegessen: Sobald das Wohngebiet H 17 bebaut wird, erhält es eine offizielle Zufahrt zur Südtrasse, allerdings ein paar Meter weiter.

Bis dahin gilt: Wer sich über den Umweg ärgert, sollte einfach mal das Auto stehen lassen. Von der Ecke Zum Wingertsgrund / Johann-Strauß-Straße sind es via Brötchenweg rund 1,6 Kilometer bis zur Bäckerei. Zu Fuß geht man nur 330 Meter.

Quelle: op-online.de

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