Familie Özer hat das Bahnhofsgebäude liebevoll saniert

Café im neuen Schmuckstück in Jügesheim 

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Auch von außen ist das alte Bahnhofsgebäude ein Schmuckstück. An die Stelle des abgebrannten Güterschuppens hat die Familie Özer ein Kühllager für Fleisch und Wurstwaren angebaut.

Jügesheim - Aus einem vergammelten Backsteinbau, dessen bessere Tage längst vergangen sind, haben die Özers ein Kleinod gemacht: Das historische Bahnhofsgebäude in Jügesheim aus dem Jahr 1896 ist in liebevoller Kleinarbeit restauriert und in ein Café verwandelt worden. Von Simone Weil 

Eröffnet wird der Gastronomiebetrieb am Freitag, 15. Juli, um 16 Uhr. Hülya Özer freut sich, dass endlich zu erkennen ist, wie schön das Innere des Baudenkmals geworden ist: Im Foyer ist der alte Steinboden freigelegt und rausgeputzt worden. Wo ehemals der Fahrkartenschalter war, zeugt noch die Fensterklappe von der früheren Funktion des Raumes. Jetzt stehen dort Stehtische, Getränkeautomaten und die Kühltruhe für Eis. Wände und Türen sind in Anthrazit und Weiß gehalten. Auffallend sind in allen drei Räumen die prachtvollen Kronleuchter, die die Hausherrin mit modernen, schlichten Lampen kombiniert hat. Fotos vom früheren Zustand des Gebäudes und Aufnahmen während der Bauarbeiten lassen erahnen, wie schlimm es im früheren Bahnhof ausgesehen hat. Der ehemalige Stellwerksbau war ein schlimmer Schandfleck mit verrammelten Fenstern und Schmierereien.

Hülya Özer eröffnet morgen ihr Café im Bahnhof Jügesheim. Die Einrichtung verbindet Alt und Neu, wie hier in der ehemaligen Wartehalle.

Im Verkaufsraum mit Theke, Kaffeemaschine und Vitrinen blinkt ein neuer Boden, während im Gastraum mit 25 Sitzplätzen der alte Dielenboden freigelegt und behandelt wurde. Neue Fenster und große Flügeltüren bringen zusätzliches Licht in die hohen Räume. Der Clou aber ist die hölzerne Sitzbank der Wartehalle: Unzählige Farbschichten wurden dort abgeschliffen, um Namen und Herzchen freizulegen, die die neuen Besitzer belassen haben. „Nur unanständige Schmierereien haben wir entfernt“, verrät die Geschäftsfrau. Generationen von Schülern verewigten sich beim Warten auf den Rodgau-Express auf der Bank. Auch Hülya Özer hat dort Spuren hinterlassen, konnte ihre Signatur aber bislang nicht finden. „Ich bin Rodgauerin“, sagt sie stolz – auch wenn sie in Bochum zur Welt kam.

Ganz bewusst wollte sie Farbreste auf der alten Holzbank belassen: „Vintage“ heißt dieser Möbeltrend, der im neuen Café gut zum alten Boden und den Fotos passt. Überhaupt schätzt die neue Inhaberin die Atmosphäre, die das betagte Gebäude mit sich bringt: die hohen Decken, die alten Türen, das schöne Treppenhaus, das zu den zwei vermieteten Dreizimmerwohnungen führt. Kaffee zum Mitnehmen, belegte Brötchen und mehr: Hülya Özer glaubt fest, dass vor allem die Pendler sich über das neue Angebot freuen werden. „Die Lage ist perfekt“, meint sie. Kuchen, Torten und Snacks will die 41-Jährige in ihrem Lokal und dem Biergarten von morgens bis 22 Uhr anbieten. Auch zwei oder drei türkische Kleinigkeiten sollen zu haben sein.

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Beim Umbau hat die ganze Familie mitangepackt, eine Baufirma sprang zwischenzeitlich ab – deswegen hat alles so lange gedauert. Dafür ist jetzt aber alles picobello. Das Haus verfügt nun über neue Elektroleitungen und sanitäre Einrichtungen. Außerdem ist ein Anbau hinzugekommen, in dem Kemal Özer für seinen „Aladin-Großhandel“ ein Kühllager eingerichtet hat. Der Unternehmer beliefert Abnehmer im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus mit Fleisch und Wurstwaren.

Der Bahnhof Jügesheim ist das vierte und letzte Bahnhofsgebäude in Rodgau, das einer neuen Nutzung entgegensieht. Alle wurden beim Bau der Bahnstrecke Offenbach-Reinheim um 1896 nach einem einheitlichen Typ errichtet. In Jügesheim war das Erdgeschoss des Gebäudes bis Ende 2013 an die Deutsche Bahn vermietet. Im Februar 2014 hatten die Özers den ehemaligen Bahnhof gekauft.

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Quelle: op-online.de

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