Guido Scheller komponiert Stück

Spott-Lied über die Bahn

+
Guido Scheller beim Komponieren.

Dudenhofen - Über die Stromverschwendung bei der Deutschen Bahn ärgern sich viele Bürger: Das Unternehmen legt Langmut an den Tag, wenn es wegen defekter Module um rund um die Uhr beleuchtete S-Bahnhöfe geht. Von Simone Weil 

Jetzt hat der Wahl-Dudenhöfer Guido Scheller ein Spottlied komponiert, das er über Youtube verbreitet. „Macht das Licht am Tag doch aus, ihr blast das Geld zum Himmel naus“, hat Guido Scheller gedichtet. Oft genug hat er sich über die Dauerbeleuchtung an den S-Bahnhöfen Weiskirchen und Dudenhofen geärgert. Die Bahn argumentiert wie berichtet beim 24-Stunden-Licht mit Sicherheitsgründen, da Ersatz für defekte Module nur schwer zu beschaffen sei.

Mit den Grünen, für die der 51-Jährige bis zur Wahl im März im Stadtparlament saß und sich als Ortsbeirat engagierte, hat er reichlich Vorstöße bei der Bahn unternommen: bislang vergebens. Das Licht wurde nicht abgestellt. Deswegen wurde das Thema für den gebürtigen Franken zum „Dauerbrenner“, wie er sagt. Immerhin wird für die Stromverschwendung Geld verpulvert. In einem Länderspiegel-Beitrag des ZDF über den Bahnhof Villingen-Schwenningen beziffert die Bahn selbst die Ausgaben für den Dauerbetrieb im Stadtteil Marbach von 14 Leuchten jährlich auf 420 Euro. „Wenn man das hochrechnet, weil es ja unzählige Bahnhöfe mit Leuchten im Dau- erbetrieb gibt, könnte man vielleicht ein ganzes Kraftwerk abschalten“, meint Scheller.

Ärger über Bahn und ÖPNV in der Region

Da er seit seinem sechsten Lebensjahr verschiedene Instrumente spielt, kam der politisch interessierte Bürger, der aus beruflichen Gründen nicht mehr fürs hiesige Stadtparlament kandidiert hat, auf die Idee, das leidige Thema musikalisch anzupacken. „Jetzt habe ich ja wieder die Zeit dafür“, sagt er. Zu seinem ironisch angehauchten Text hat er eine typische Bierzeltmusik gesellt, die das Ganze auf die Spitze treibt. „Ich stehe hier im Sommer, die Sonne scheint so schön, doch verflixt noch mal die Lampen leuchten immer noch, das kann ich nicht verstehn.“

Seit Pfingsten steht das Spottliedchen im Netz (siehe Video unten). Im Abspann mit selbst gemachten Fotos von den Rodgauer Lampen im Dauerbetrieb bittet der Hobby-Komponist die Zuschauer um Hinweise auf ähnlich überflüssige Beleuchtungen, die später in aktualisierte Fassungen seines Beitrags einfließen sollen.

Die größten Shitstorms

Seine Brötchen verdient der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann als Immobilienverwalter, doch sein Herz gehört der Musik. Als „Charly.ES“ war er früher häufig als Entertainer in Bierzelten unterwegs und hat die Besucher unterhalten. Nach dieser Art Stimmungsmusik besteht in Hessen aber keine allzu große Nachfrage – sehr zum Leidwesen von Scheller, der viel Freude daran hat. Und so spielt er seit einigen Jahren wenigstens als Alleinunterhalter bei der Seniorenweihnachtsfeier in Dudenhofen. An einem neuen Projekt feilt der Rodgauer Hobbymusiker noch: Gerade entsteht ein fröhliches Sommer-Sonne-Lied über den beliebten Badesee Nieder-Roden – ein ganz persönlicher musikalischer Beitrag zum Stadtmarketing.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare