Hessischer Gesundheitspreis für Stadt Rodgau

Demenz ins Blickfeld gerückt

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Rodgau - Die Stadt Rodgau ist gestern mit dem hessischen Gesundheitspreis ausgezeichnet worden. Die Jury würdigt damit das Angebot einer regelmäßigen Demenz-Sprechstunde.

Betroffene und deren Angehörige können sich dort über unterschiedliche Aspekte des Lebens mit Demenz informieren. Die Sprechstunde findet seit 26. November 2014 alle zwei Wochen statt. Jedes Mal steht ein anderes Thema im Mittelpunkt. Die städtische Seniorenberatung arbeitet dabei mit mehreren Partnern zusammen: Alzheimer-Gesellschaft, Arbeiterwohlfahrt, Bürgerhilfe Rodgau, Rotes Kreuz, Johanniter und Sozialstation Rodgau. Die Stadt Rodgau ist eine von vier Preisträgern des hessischen Gesundheitspreises. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert. Die ausgezeichneten Projekte wurden unter 54 Vorschlägen ausgewählt. In der Kategorie „Gesund altern“ gab es 14 Bewerbungen.

Laut Sozialminister Stefan Grüttner leistet die Rodgauer Demenz-Sprechstunde einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Gesundheitsförderung im Alter. Der demographische Wandel erfordere ein Umdenken in der Gesundheitsversorgung. Mit der zunehmenden Zahl älterer Menschen steigt auch die Anzahl der Demenzkranken. Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums sind bis zu 1,5 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Demnach dürften in Rodgau rund 800 Bürger an Demenz leiden. Mit der Diagnose kommen auf die Betroffenen und deren Angehörige große Belastungen zu. Demenzkranke verhalten sich häufig eigenartig und werden vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Die städtische Seniorenberatung will das ändern.

Auch Rodgauer Senioren stufen das Thema Demenz als wichtig ein. 84 Prozent aller Befragten gaben bei der städtischen „Bedarfsanalyse 60 plus“ ein solches Votum ab. Die Demenz-Sprechstunde soll diese Krankheit ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken und die Menschen für die Bedürfnisse der Betroffenen sensibilisieren. Davon erhofft sich die Stadt eine höhere Wertschätzung gegenüber den pflegenden Angehörigen und bessere Möglichkeiten für Demenzkranke, am „normalen“ Leben teilzunehmen. Die Fachvorträge in der Alten Schule Jügesheim bieten nicht nur hilfreiche Hinweise zum Umgang mit den Betroffenen. Weitere Themen sind die gesetzliche Betreuung, Leistungen der Pflegeversicherung und Entlastungsangebote für Angehörige. Je nach Thema kommen acht bis 15 Besucher. Nach jedem Vortrag ist Gelegenheit zu individuellen Fragen. Die Stadt richtet den Fokus nicht nur auf die Betroffenen, „sondern auch auf die Angehörigen, die tagtäglich damit konfrontiert sind“, wie Erster Stadtrat Michael Schüßler betont. Im Gesprächskreis für pflegende Angehörige habe sich gezeigt, dass für das Thema Demenz eine eigene Veranstaltungsreihe notwendig sei.

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Die Rodgauer Demenz-Sprechstunde ist Teil des bundesweiten Modellprojekts „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. Sie wird für zwei Jahre mit 10.000 Euro vom Bund unterstützt. Sozialdezernent Schüßler bezeichnet das Demenz-Netzwerk als „lokale Verantwortungsgemeinschaft“. Die Stadt bringe lediglich die Akteure zusammen und koordiniere die Arbeit. Auf diese Weise könne die Gesellschaft viel leisten. Ein ähnliches Konzept habe sich bereits bei Projekten wie „Rodgau bildet Zukunft“ bewährt.

eh

Quelle: op-online.de

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