Deutsche Meisterschaft im Einrad-Freestyle

Das Publikum fiebert mit

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Beeindruckende Kunststücke und tolle Kostüme: In der Sporthalle der Claus-von Stauffenberg-Schule herrschte ausgelassene Stimmung. 

Dudenhofen - In der Sporthalle der Claus-von-Stauffenberg Schule war es ein einziges Stimmungskonzert. Von Freitag bis Sonntag richtete der TSV Dudenhofen dort die siebte Deutsche Meisterschaft im Einrad-Freestyle aus.

Sportler aus jeder Ecke Deutschlands verzauberten mit einzigartigen Küren das Publikum. Auch die Fahrerinnen und Fahrer des TSV Dudenhofen wussten vor heimischer Kulisse zu überzeugen. Nachdem am Freitag die Meisterschaftskämpfe im Standard-Skill und Samstag die Meisterschaftsvorkämpfe in Einzel- und Paarküren ausgetragen worden waren, kam die Deutsche Meisterschaft zu ihrem Höhepunkt: den Meisterschaftswettkämpfen Expert in den Einzel-, Paar- und Gruppenküren. Dass jeder Beitrag Teil eines großen Finales war, merkte man allerdings weniger den vielen souveränen und talentierten Einradsportlern als den Zuschauern an. Diese fieberten oft geradezu nervös mit und wurden im Grunde von jedem Beitrag aufs Neue mitgerissen.

Die Sportler verzauberten das Publikum.

Die Fahrer steigen auf ihr Rad und das Publikum auf der voll besetzten Tribüne starrt gebannt, die Radkünstler geben ihr Bestes bei ihrem Auftritt und das Publikum untermalt die Begleitmusik und kommt aus dem Klatschen kaum noch heraus. Nach dem Abschluss jedes Teilabschnitts drängen sich die Zuschauer an der Tafel, wo die aktuellen Ergebnisse der Jury ausgehängt werden. Größer hätte die Begeisterung kaum sein können. Die Anteilnahme des Publikums war den Fahrern in jedem Fall gewiss, natürlich auch gemessen an dem jeweiligen Thema der Kür. Bei den Einzelküren der Damen stachen vor allem die späteren Erst- und Zweitplatzierten der Kategorie 15+, Katalin Reich (15) und Janna Wolfarth (22), hervor. Reich vom TSV Gilching-Argelsried versetzte das Publikum förmlich in ein Orchesterkonzert, indem sie auf ihrem Einrad zu klassischer Musik den Dirigenten markierte.

Allerdings dirigierte sie kein Orchester, sondern das Publikum. Wenn sie ihren Dirigentenstab schwang oder Tricks zeigte, antwortete das Publikum sogleich mit Beifallstürmen. Ähnlich war es auch bei Janna Wolfarth vom ERC Dorsten. Ihre einzigartige Kür machte aus den Zuschauern anscheinend begeisterte Pop-Rock-Fans, denn keiner konnte stillhalten, wenn sie sich auf dem Einrad zur Musik bewegte. Bei den Herren sorgte Felix Dietze (27) vom TSV Dudenhofen für Aufsehen, allerdings in negativer Hinsicht: Die Musik beginnt und das Publikum schwingt zu dem Rockklassiker „Where Is My Mind“ die Arme in die Höhe, blickt dabei erwartungsvoll auf die Showbühne. Doch statt mit einer Kür und Tricks, für die Felix Dietze beim TSV längst einen Stein im Brett hatte, glänzt er bei seinem Vortrag ausschließlich mit einem Sitzstreik und steigt wider aller Erwartungen nicht einmal auf sein Rad.

Die Verwunderung steht allen ins Gesicht geschrieben und er wird letztlich disqualifiziert. Dietze begründet dies damit, dass die wenigsten wüssten, wie es sei, über den Tellerrand hinaus zu blicken und er dem Publikum dafür vier Minuten Zeit habe geben wollen. „In 22 Jahren ist das das erste Mal, dass ich so etwas im Einradsport erlebt habe. Mir tut es einfach nur leid für alle, die sich auf seine Tricks gefreut haben“, meint TSV-Abteilungsleiterin Elke Dubberstein enttäuscht.

Doch die Paar- und Gruppenküren lassen sowohl Zuschauer als auch Beteiligte das Drama schnell vergessen. Gruppenküren, die die Themen wie „Sieben Zwerge“, „Akrobatik“, „Kreuzritter“ auf dem Einrad künstlerisch darbieten, beeindrucken einfach jeden. „Das Schönste sind immer die Gruppenküren. Wenn ein Trick von vielleicht gar 20 Fahrern gleichzeitig gemacht wird, ist das noch eindrucksvoller als bei einer Einzelkür. Allerdings kann jeder Fehler eines Fahrers zugleich für die gesamte Gruppe entscheidend sein“, berichtet die Abteilungsleiterin. Die TSV-Aufführung „Sister Act“ erreichte den ersten Platz unter den Kleingruppen, „Bollywood“ wurde zweiter bei den Großgruppen 15+ und die „Sternzeichen“ erreichten den dritten Platz bei den Großgruppen U 15. Außerdem schafften es Vanessa Stolle (14) mit einer Einzelkür bei den Junioren sowie Inga Kern (20) und Katharina Lach (20) mit einer Paarkür aufs Siegertreppchen.  

sjs

Quelle: op-online.de

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