„Linden waren nicht mehr zu retten“

Baumfällaktion stößt Ortsbeirat vor den Kopf

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Ohne Bäume: Freie Sicht auf die Fassade des Baudenkmals. -

Dudenhofen - Einen ungewohnten Anblick bietet der ehemalige Polizeiposten neben dem Bürgerhaus Dudenhofen: Die beiden hohen Linden vor dem Eingang sind weg. Von Ekkehard Wolf 

Die Bäume wurden am Donnerstagmorgen gefällt. Auf dem Vorplatz will die Stadt in den nächsten Monaten einen Spielplatz anlegen. Das Erdgeschoss des Baudenkmals aus dem Jahr 1910 dient seit September letzten Jahres als Kindertagesstätte. Bis Mai sind dort 24 Kleinkinder unter drei Jahren untergebracht. Danach sollen zwei Kindergartengruppen mit zusammen 50 Kindern einziehen. Sie brauchen auch ein Außenspielgelände zum Matschen und Bauen, zum Schaukeln und Hüpfen.

Die beiden Linden mussten weg. Sie waren 1954 gepflanzt worden. Nun bescheinigte ihnen ein Sachverständiger eine Restlebensdauer von nur noch zehn Jahren. Als Ersatz werden junge Ahornbäume gepflanzt. Dennoch wird das Fällen der Bäume in Dudenhofen als Politikum empfunden. Noch am Mittwoch hatte der Ortsbeirat engagiert über die Gestaltung des Vorplatzes diskutiert. Am nächsten Morgen wurden die Linden abgesägt. Die Beratungsvorlage war dem Ortsbeirat eine Woche vor der Sitzung zugegangen. „Wir hatten keine große Chance, uns zu beteiligen“, sagt Ortsvorsteher Gerald Klein (SPD): „Man bekommt eine fertige Vorlage und muss sie abnicken. Ich kann jeden verstehen, der sich da nicht so ernst genommen fühlt.“

Bedenken gegen geplantes Bodentrampolin

Die Dudenhöfer äußerten Bedenken gegen das geplante Bodentrampolin und regten ein zusätzliches Spielgerät auf dem schmalen Geländestreifen an der Georg-August-Zinn-Straße an. Mit sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen lehnte der Ortsbeirat den Gestaltungsplan ab. Am 16. März entscheidet das Stadtparlament. Die Beteiligung des Ortsbeirats liege dem Magistrat sehr am Herzen, betont Bürgermeister Jürgen Hoffmann gegenüber unserer Zeitung. „Wir werden uns inhaltlich mit den Argumenten auseinander setzen. Das darf aber nicht dazu führen, dass wir das grundsätzliche Ziel aus den Augen verlieren.“ In erster Linie gehe es darum, den Kindern ein gutes Spielgelände zur Verfügung zu stellen.

Die beiden alten Linden seien laut fachlicher Beurteilung nicht mehr zu retten gewesen, sagt Hoffmann. Ende Februar sei wegen des Naturschutzes die letzte Gelegenheit, um Bäume zu fällen. Nach der aktuellen Planung soll das Kita-Freigelände 392 Quadratmeter groß werden. Einem provisorischen Plan vom September letzten Jahres (355 m²) hatte der Ortsbeirat ohne große Diskussionen zugestimmt. Rund um das Spielgelände ist unter anderem ein Zaun aus Sandsteinpfeilern und Lärchenholz vorgesehen, der dem historischen Zustand nahekommt. Die unter Denkmalschutz stehende „Rodgauer Ruhe“ soll an den Straßenrand versetzt werden.

Quelle: op-online.de

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