Eine beschädigte Mutter Erde

Rodgauer Art besticht durch eine enorme Vielfalt

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Monika Jäger, Kunsthistorikerin und selbst bildende Künstlerin, führt durch die große Kunstschau im Bürgerhaus Nieder-Roden.

Nieder-Roden - Die eine Hälfte aus ganz Deutschland und aller Welt, die andere aus Rodgau: Bei der sechsten Rodgauer Art beteiligten sich insgesamt 73 Künstler, die zum einen von den unterschiedlichsten Punkten auf der Landkarte ihren Weg ins Bürgerhaus Nieder-Roden gefunden hatten und zum anderen auch die unterschiedlichsten Techniken verwenden. Von Sven Johann Stripling

Dementsprechend kamen auch die Besucher von überall, um sich Skulpturen, Gemälde, Fotografien, aber auch Kunst im musikalischen Sinne zu Gemüte zu führen. Egal ob zeitgenössische, moderne Malerei, die Umsetzung von Comicgeschichten auf Leinwand, am PC entstandene Grafiken oder Skulpturen, die Besucher der Rodgauer Art 2016 stolperten förmlich von einem Blickfänger zum nächsten. Direkt am Eingang des Bürgerhauses hatte beispielsweise der Rodgauer Lothar Steckenreiter schon seine Skulpturen aus Eiche aufgebaut, die bis zu zwei Meter groß und aus einem Stück gearbeitet waren. Sie wurden abgerundet durch verzierte Seidentücher und Fotografien, die sich um die Holzsäulen herum an der Wand befanden und den Dialog zwischen „dem Schweren und Leichten“, wie der Künstler es betitelte, komplettierten.

Auch am anderen Ende der Schau ließen sich Holzskulpturen in Augenschein nehmen. Patrick und Olaf Bontemps aus Karlsruhe hatten ihre Werke aus alten verwitterten Hölzern, überwiegend beim Spazieren gefunden, zur Schau gestellt. Im großen Saal, also genau zwischen den beiden erstgenannten Künstlern, hatte auch Jens Schmittner aus Aschaffenburg noch seine Holzarbeiten aufgestellt. Für ihn waren die Werke nach eigenen Aussagen aber eher untypisch, denn er komme aus der Kunstrichtung der Zeichnung. Das wiederum machten seine Skulpturen aber auch deutlich, denn im Grunde ließen sich dieselben als Linien im dreidimensionalen Raum bezeichnen. Bei dem größten dieser Werke gingen die Linien sozusagen sogar vom zwei- in den drei- und zurück in den zweidimensionalen Raum, da die mit Hölzern skizzierten Linien auf einem Tuch mit schwarzem Klebeband fortgesetzt worden waren.

Während sich Jens Schmittner an etwas Neues herangewagt hatte, war Uschi Ellison aus Glattbach ihrer Linie und damit der Malerei treu geblieben. Dennoch hatte auch sie verschiedene Techniken kombiniert und in ihre Gemälde Reliefs eingearbeitet, die einen kritischen Blick auf die Wegwerfgesellschaft gewähren sollten. Die weiblichen Gestalten auf den Gemälden seien als Manifestation von Mutter Erde und die Reliefs, die Büchsen, Reißverschlüsse, Messer zeigten, als Schädigung an derselben zu lesen, so die Künstlerin.

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Khaled Hussein, der von 2006 bis 2008 eine Kunstakademie in Aleppo (Syrien) besucht hatte und vor zirka neun Monaten als Flüchtling nach Rodgau gekommen war, bewies ebenfalls besondere Fähigkeiten im Umgang mit mehreren Techniken. Seine expressionistischen Gemälde, welche mit Acrylfarben, Öl, Aquarell, Pastell und Kohle entstanden waren, erinnerten Monika Jäger, Kunsthistorikerin aus Rodgau und selbst bildende Künstlerin, die am Samstag durch die Schau führte unter anderem an jene von Edvard Munch. Jürgen Wolffs Werke, welche sich durch Komplementärfarben und starke Kontraste auszeichneten, hingegen brachte die wortgewandte Expertin eher mit OP-Art in Verbindung, die sich durch optische Täuschungen auszeichnet.

Direkt neben dem Herrn aus Rödermark befanden sich die Werke von Jerzy Pasinski aus Aschaffenburg, in wessen Exponaten Jäger vor allem den Symbolismus und Humor betont sieht. Eine besonderes Attraktion stellten letztlich aber auch die Acryl- und Wachsgemälde von Markus Zeller aus Dietzenbach dar. Diesem war es gelungen, die Comichelden Batman und Captain America auf eine große Leinwand zu zeichnen und deren Geschichte in kleinen Comicfenstern neben den Heldenfiguren zu skizzieren. Frank Tischner aus Poppenhausen sorgte für Abwechslung, denn er widmete sich der Musik und projizierte nur passende Bilder, bzw. Gemälde auf eine Leinwand.

Quelle: op-online.de

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