Erste-Hilfe-Übungen für Motorradfahrer

Sicher auf der Harley

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Bei der Sonntags-Ausfahrt im Konvoi ist normalerweise kein Blaulichtfahrzeug der Johanniter dabei. Umso wichtiger ist es, dass Motorradfahrer nach einem Unfall Erste Hilfe leisten können.

Rodgau - Bei einer Ausfahrt in den Odenwald üben Motorradfahrer, wie sie Verletzten nach einem Unfall helfen können. Diese Kurse der Johanniter kommen bei den Bikern an. Manchmal bucht sogar ein kompletter Motorradclub einen Kurs für seine Mitglieder. Von Ekkehard Wolf 

13 Harley-Fahrer choppern gemütlich durch den vorderen Odenwald zum Naturparkplatz „Kleine Zinshecke“ irgendwo hinter Groß-Umstadt. Für die Harley Owners Group Odenwald-Spessart ist es keine normale Sonntagstour. Auf dem Parkplatz liegt ein junger Mann, der offensichtlich dringend Hilfe braucht. Er hat eine grässliche Brandwunde am Unterschenkel, auch der rechte Ellenbogen ist rot vor Blut. Die Verletzungen sind so eindrucksvoll geschminkt, dass man glaubt, ein echtes Unfallopfer vor sich zu haben. In Wirklichkeit ist der junge Mann putzmunter. Das erklärt auch, warum er nicht vor Schmerzen schreit. Jan Kröpelin ist ein ehrenamtlicher Helfer der Johanniter und lässt sich als Unfalldarsteller „verarzten“.

Unfallstelle absichern, Notruf, Sofortmaßnahmen: Rettungsassistent Lars von der Brelie geht mit seinen Kursteilnehmern die Grundregeln der Ersten Hilfe durch. Im Notfall muss auch mal die geliebte Harley zur Absicherung herhalten: „Herzensobjekt oder nicht: Stellt irgendwas als Rammbock zwischen euch und den Verkehr, was euch schützt.“ Und wie kann man unterwegs seinen Standort feststellen, damit der Notdienst den richtigen Weg findet? Sein Rat: entweder die GPS-Funktion des Smartphones nutzen oder die nächste Straßenmarkierung suchen.

„Helm ab“ heißt die erste Hilfsmaßnahme für verletzte Motorradfahrer: Ein Helfer zieht den Helm vorsichtig nach oben, ein zweiter hält seinen Kopf fest, bis der Rettungsdienst kommt. „Nach einem Motorradsturz muss man davon ausgehen, dass er etwas an der Wirbelsäule hat“, erklärt der Ausbilder. Viele Motorradfahrer haben schon Unfälle miterlebt. Die Mitglieder des Harley-Chapters sind da keine Ausnahme. „Einer muss das Heft in die Hand nehmen und den Leuten sagen, was sie tun sollen“, sagt Markus Nees, der Chef der Gruppe. „Den Kurs bei den Johannitern findet er wichtig: „Routine kriegt man nicht beim ersten Mal. Aber man fühlt sich nicht mehr so hilflos.“

„Sicher gemeinsam Spaß haben“: So beschreibt Thomas Köthe die Philosophie des Clubs. Als „Safety Officer“ hatte er den gemeinsamen Erste-Hilfe-Kurs angeregt. „In der Regel sind Harley-Fahrer nicht diejenigen, die rasen.“ Dennoch sei es gut, im Ernstfall helfen zu können. Auch die Disziplin bei den Ausfahrten dient der Sicherheit. Für das Kolonnenfahren gelten genaue Vorschriften. Zur Verständigung unterwegs gibt es spezielle Handzeichen. Eine Hand nach oben warnt vor Gefahr und ein ausgestreckter Arm zeigt an, dass man einem Fahrradfahrer ausweicht. „Wir haben auch ein Zeichen, um vor einem Blitzer zu warnen“, lacht eine Harley-Fahrerin.

Bilder: Harley-Treffen im Mittelrheintal

Seit eineinhalb Jahren fährt Norbert Schwarzkopf aus Nieder-Roden in der Gruppe mit. Erst mit 60 Jahren hat er den Motorradführerschein gemacht: „Meinen Kindern hab’ ich immer gesagt, Motorrad ist viel zu gefährlich.“ Obwohl sein jüngster Erste-Hilfe-Kurs nur zwei Jahre zurückliegt, ist er über die Auffrischung froh: „Nach einem halben Jahr hat man ja die Hälfte vergessen.“ Auch Johanniter-Profi Lars von der Brelie empfiehlt regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse, am besten einmal im Jahr. Dann festigen sich die Kenntnisse im Lauf der Zeit. Die empfohlenen Handgriffe können sich ändern: „Die stabile Seitenlage machen wir heute anders als vor 20 Jahren.“ Als Vorteil empfindet der Ausbilder, wenn ein Motorradclub gemeinsam den Erste-Hilfe-Kurs bucht: „Die Leute kennen sich, sie mögen sich, das macht die Sache für mich einfacher.“

Die Mitglieder des Harley-Chapters Odenwald-Spessart kommen aus einem Umkreis von Rheinhessen bis Würzburg. Der gemeinsame Erste-Hilfe-Kurs hat sie noch ein bisschen enger zusammengeschweißt. Das Harleyfahren bedeutet für viele „die große Freiheit“, wie Thomas Köthe sagt. Zudem schätzt er die weltweiten Verbindungen zwischen Gleichgesinnten: „Wir sind eine relativ eingeschworene Gemeinschaft.“

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Quelle: op-online.de

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