„Der Freischütz“ in Kurzfassung mit vier Gesangssolisten und Streichquartett

Erstmals Operngesang am Badesee

Nieder-Roden - Eine Oper im Taschenbuchformat ist am 25. August im Strandbad zu erleben. Vier Sänger und vier Streicher, alle Profis, führen eine gekürzte Fassung des „Freischütz“ auf. Damit wollen sie die Lust am Musiktheater wecken.

Auf der schwimmenden Insel im Badesee gaben Désirée Brodka und Roman Brnči´c gestern fürs Foto eine Kostprobe ihres Könnens. Am 25. August gastieren sie mit sechs weiteren Künstlern.

Sopranistin Désirée Brodka: „Es gibt viele Menschen, die Opern mögen würden, wenn sie sie einmal erleben könnten.“. Das Projekt „Musik auf Rädern“ bringt klassische Musik auf hohem Niveau an ungewöhnliche Orte. „Oft spielen wir in Fußgängerzonen“, berichtet Désirée Brodka. Auch eine Bahnunterführung steht im August als Spielort auf dem Plan. Auf die Idee mit dem Badesee kam ein findiger Kopf im Rathaus nach einer Opernaufführung auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz. „Einen ungewöhnlichen Ort haben wir auch“, befand Klaus Barthelmes, der in Rodgau den Fachdienst Finanzen leitet. In München stieß er auf offene Ohren. Dort sitzt die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation, die „Musik auf Rädern“ finanziert. Seit 2007 gab es mehr als 230 Vorstellungen mit klassischer Straßenmusik. Auf dem Spielplan standen unter anderem „Die Zauberflöte“, „Carmen“ und „La Traviata“. In diesem Sommer tourt ein achtköpfiges Ensemble mit dem „Freischütz“ durch Nordrhein-Westfalen und unternimmt auch einen Abstecher nach Rodgau.

„Es ist auch mal Zeit geworden, dass diese Oper hier aufgeführt wird“, meint der städtische Kulturdezernent Winno Sahm; immerhin gebe es in Jügesheim ein Restaurant namens „Wolfsschlucht“. Ob die Benennung des Lokals möglicherweise durch die Oper inspiriert wurde? Wer weiß. „Wir haben etwas Spannendes zu gewärtigen“, so Sahm, „wenngleich ich der Glorifizierung der Jägerei persönlich etwas distanziert gegenüber stehe.“ Fachdienstleiter Klaus Barthelmes freut sich so sehr auf die Aufführung, dass er dafür seinen Urlaub unterbricht.

„Wir möchten Menschen in ganz entspannter Atmosphäre die Gelegenheit geben, Oper kennen zu lernen“, betont Désirée Brodka. Zur Partie des Ännchens im „Freischütz“ hat die Sopranistin eine besondere Beziehung: „Mit dieser Rolle habe ich meinen Studienplatz bekommen.“ Die Oper im Taschenbuchformat verzichtet auf Bühnenbild und aufwendige Technik. „Wir spielen mit der Phantasie der Zuschauer“, kündigt die Sängerin an, die auch die Moderation übernimmt. „Es gibt viele schöne Aspekte in dieser Oper, über die man nachdenken kann, wenn man will - oder man genießt einfach die Musik.“

So wirkt Musik auf unseren Körper

Als Gesangssolisten gastieren auch Romana Noack (Sopran), Michael Siemon (Tenor) und Simon Rudoff (Bass). Das Streichquartett bilden Martin Schminke, Roman Brnči´c, Alexander Kiss und Eglantine Latil. Die Stiftung hinter dem Projekt „Musik auf Rädern“ besteht seit 1995. Der Münchner Unternehmer Erich Fischer stiftete einen großen Teil seines Vermögens, um den Menschen etwas zurückzugeben. Die Stiftung organisiert unter anderem mehrere hundert Altenheimkonzerte pro Jahr, ebenfalls mit professionellen Musikern.

eh

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Wolf

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