Bürgerhaus Dudenhofen als Streiklokal

Die Eltern mit ins Boot holen

Rodgau - Die Erzieherinnen sind sich inhaltlich weitestgehend einig: Ihr Beruf muss aufgewertet, endlich mehr wertgeschätzt und besser bezahlt werden. Von Simone Weil 

Kerstin Zok ist für eine Aufwertung des Berufs, den sie Fälle wieder ergreifen würde: Sie hält es für ein Ding der Unmöglichkeit, das bei der langen Ausbildungszeit vier Lehrjahre nicht bezahlt werden.

Uneins sind die Frauen, welche Konsequenz sie aus der ihrer Auffassung nach schlechten Entlohnung und den gestiegenen Anforderungen ziehen. Manche würden deswegen den Beruf nicht wieder wählen, andere dagegen immer wieder. Heute sind 382 in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisierte Erzieherinnen, einige wenige männliche Kollegen und Sozialarbeiter aus dem Kreis Offenbach im Bürgerhaus Dudenhofen zusammengekommen, um festzulegen, wie der Streik weitergeht und Aktionen zu planen. Außerdem ist auch einiges an organisatorischen Notwendigkeiten zu erledigen: Die Mitarbeiter der verschiedenen Stadtverwaltungen müssen sich in die Streiklisten eintragen und brauchen außerdem noch allerlei Informationen.

Gordana Vorkapic kritisiert, dass die Arbeit umfangreicher geworden ist: „Wir müssen alles dokumentieren.“ Als ungerecht empfindet sie es, dass beispielsweise Chemikanten schon als Berufeinsteiger mehr verdienen.

„Wir wollen außerdem auch noch Ideen sammeln, die wir für Aktionen verwenden können“, berichtet Gerhard Jost-Perizonius, Verdi-Vertrauensleute-Sprecher der Stadt Rodgau: Geplant ist beispielsweise, Pendler an den S-Bahn-Stationen mit Flugblättern über den Streik zu informieren. Für den heutigen Tag sind auch Elternbeiräte ins Bürgerhaus eingeladen, um bei ihnen um Verständnis für die Arbeitsniederlegung zu werben: Ein Flugblatt spricht Eltern direkt an und beantwortet Fragen wie „Darf ich bei der Arbeit fehlen?“ oder „Wo das Kind kurzfristig unterbringen?“. Darüber hinaus sind Mütter und Väter auch aufgerufen, die Initiative der Fachkräfte im Sozial- und Erziehungsdienst zu unterstützen und Protestpostkarten an den jeweiligen Bürgermeister zu schicken.

Anja Kratz bezweifelt, dass sie den Beruf noch mal ergreifen würde, weil die Bezahlung einfach nicht stimmt. „Die Anforderungen an frühkindliche Bildung ist außerdem deutlich gestiegen“, findet die Erzieherin.

Eine Erziehergruppe trifft sich außerdem gerade, um T-Shirts zu gestalten. Selbst gemalte Plakate und originelle Transparente aus Bettlaken sollen in der Ideenwerkstatt im Bürgerhaus entstehen. Mit Buttons, Pappschildchen, roten Luftballons und Verdi-Kappen mit dem Motto „Aufwerten jetzt!“ statten sich die Gewerkschafter übrigens aus, um zum Beispiel am morgigen Mittwoch bei einer Demonstration in Frankfurt noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu erreichen.

Ines Hentschel ärgert sich über falsche Bilder in der Öffentlichkeit: „Wir sind keine Kaffeetrinker, die ein bisschen auf Kinder aufpassen“, sagt sie. Ein Blick ins Ausland lohne: „In Japan verdienen Erzieher fast so viel wie ein Professor.“

Für Freitag, 15. Mai, ist geplant, sich auf dem Wochenmarkt in Nieder-Roden zu zeigen und dort die Einkäufer über das Anliegen zu informieren. Wie es in der kommenden Woche mit dem Ausstand weitergeht, steht noch nicht fest. „Es gibt bislang auch noch kein Angebot der Arbeitgeber, deswegen kann es noch bis Pfingsten weitergehen“, sagt Gerhard Jost-Perizonius.

Unbefristeter Kita-Streik hat begonnen

Quelle: op-online.de

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