Per Fahrrad nach Saint-Tropez:

Benefiztour: „Ein unfassbares Gefühl“

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Fix und fertig: Sowohl Kranke als auch Gesunde kamen an ihre Grenzen.

Rodgau - Die Benefiz-Fahrradtour „von St. Tropez am Baggersee nach Saint-Tropez am Mittelmeer“ ist glücklich zu Ende. Die 72 Fahrradfahrer von „Besi & Friends“ sind am Wochenende nach Hause zurückgekehrt.

In zwölf Etappen hatten sie 1 709 Kilometer zurückgelegt und 27 700 Höhenmeter überwunden. „Viele Teilnehmer haben ihre persönlichen Grenzen überschritten und Unfassbares geleistet“, würdigt Andreas Beseler auf seiner Internetseite „Rad statt Rollstuhl“. Der Jügesheimer, der auf dem Rennrad gegen die multiple Sklerose (MS) kämpft, hatte die Tour gemeinsam mit einigen Freunden organisiert.

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Unter den 72 Teilnehmern waren auch chronisch kranke und behinderte Menschen. Einer von ihnen ist ein MS-kranker Theaterschauspieler, der wegen Gleichgewichtsstörungen nicht mehr auf der Bühne stehen kann. Ein anderer leidet seit 40 Jahren an Morbus Bechterew und hat ein stark eingeschränktes Lungenvolumen; auch er bewältigte mit etwas Hilfe den Anstieg auf den 1912 Meter hohen Mont Ventoux in der Provence. Bewegt schildert er im Tourtagebuch seine Emotionen: „Das ist für mich ein in Worten nicht fassbares Gefühl: Dabei zu sein und immer, immer der Sieger zu sein. Nämlich ein Sieger über die Erkrankung.“

„Es war eine schöne Erfahrung mit 70 Menschen auf einem Haufen Berge zu bezwingen“, schreibt eine Mitfahrerin, „und es war grandios zu sehen wie Besi seine Friends anführt und mit all seiner Kraft beschützt.“ Die Tourteilnehmer berichten von schönen Begegnungen mit winkenden Menschen an den Straßen, aber auch von Autofahrern, die wenig Rücksicht nahmen.

Bei der Einreise in die Schweiz wurde das Verpflegungsteam von Zollbeamten aufgehalten. Am nächsten Tag standen die Fahrradfahrer vor einer Straßensperre, weil eine Schlammlawine abgegangen war. Ein ortskundiger Belgier lotste alle Tourteilnehmer über eine Ausweichstrecke. Der Umweg bedeutete zwei Anstiege und 25 Kilometer mehr. Auch ohne Umwege war die Tour anstrengend genug. Die Fahrer legten zwischen 117 und 184 Kilometer pro Tag zurück. Die langsameren saßen an manchen Tagen elf Stunden im Sattel. Einige Stürze blieben nicht aus. Die Verletzungsbilanz: zwei leichte Gehirnerschütterungen, ein angeknackster Finger und Schürfwunden.

Benefiz-Radtour nach Saint-Tropez

Großes Glück hatten die Rennradfahrer bei der neunten Etappe in Frankreich: Ein entgegenkommender Lastwagen verlor Eisenrohre, die hinter der Gruppe auf der Straße landeten. Bereits bei der Abfahrt in La Chambre war ein Auto einem Teilnehmer ins Rad gefahren: Das Zweirad ist hinüber, der Fahrer blieb unverletzt.

Zu den Höhepunkten der Tour gehörten traumhafte Ausblicke bei der Fahrt über die Alpen und eine Polizeieskorte in Genf; dort hatte der deutsche Honorarkonsul Jean-Marie Probst die Gruppe zum Abendessen eingeladen. Auch diesmal sammelten Besi & Friends Spenden für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung, die MS-Kranke unterstützt. Den Erlös wollen sie bei der Abschlussparty am 1. Oktober an Nathalie Todenhöfer überreichen. (eh)

Bilder: Besi & Friends starten Benefiztour

Quelle: op-online.de

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