Ordnungspolizisten appellieren an die Vernunft

Fahrradkontrollen zeigen: Viele Schüler radeln ohne Licht

Die Helligkeit dieses Bildes täuscht: In der Morgendämmerung prüften Gerhard Brendel und seine Kollegen von der Ordnungspolizei gestern die Fahrräder der Schüler. - Foto: Wolf

Rodgau - Auch das schönste Fahrrad braucht funktionierende Bremsen und eine Beleuchtung. Darauf weist die Ordnungspolizei der Stadt Rodgau hin. Bei den jüngsten Kontrollen an den Schulen zeigten sich teils erhebliche Mängel. Von Ekkehard Wolf 

Gestern um 7.20 Uhr an der Heinrich-Böll-Schule. Zwei Ordnungspolizisten halten einen Jungen an, der gerade von der Wiesbadener Straße zum Schulgelände abgebogen ist. Die Kontrolle ist schnell erledigt: Scheinwerfer und Rücklicht leuchten, die Klingel tönt, die Bremsen wirken zupackend. Von der Seite reflektiert das Fahrrad wie in Festbeleuchtung. Kein Wunder: Es ist nagelneu.

Nicht alle Schülerfahrräder sind so perfekt ausgestattet. Aber Bremsen, Licht und Klingel müssen funktionieren - egal, wie alt das Rad ist. Zu viert sind die Ordnungspolizisten vor dem Schultor postiert. Freundlich kontrollieren sie einen Drahtesel nach dem anderen. Die meisten Schüler warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Einzige Ausnahme: Ein Mädchen mit einem blassgrünen Fahrrad kehrt am Straßenrand um und fährt lieber zum Lehrerparkplatz.

Trotz Morgendämmerung hat nur etwa jeder zweite Schüler das Licht eingeschaltet. Selbst bei Rädern mit Nabendynamo oder mit Batterielicht bleiben Scheinwerfer und Rücklicht oft aus. „Es ist für deine Sicherheit“, mahnen die städtischen Mitarbeiter, die in ihren Warnwesten weithin sichtbar sind. Wer den Sicherheitscheck am Schultor besteht, bekommt ein reflektierendes Klackband geschenkt. Die anderen Radler bekommen einen Elternbrief mit, in dem die Mängel angekreuzt sind.

Ein Schüler weiß bei der Kontrolle zunächst nicht einmal, wo der Dynamo ist. Er sucht erst am Vorder-, dann am Hinterrad. Bei einer Mitschülerin hängt das Anschlusskabel des Scheinwerfers lose herab - kein Wunder, dass das Licht nicht brennt. An einem anderen Rad könnte die Beleuchtung wenig ausrichten, auch wenn sie eingeschaltet wäre: Die Befestigung hat sich gelockert, so dass Scheinwerfer und Rücklicht nach unten zeigen.

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Bis zum Schulbeginn kontrollieren die Ordnungspolizisten 27 Fahrräder. Mehr als die Hälfte (15) weist Mängel auf. Sprachlos sind die Prüfer aber bei dem Fahrrad eines Mädchens, an dem außer Sattel und Lenker nicht viel funktioniert: Die Bremsen sind ausgeleiert, Licht und Klingel fehlen. Das gefährliche Gefährt hat nicht mal kleine Reflektoren (Katzenaugen) an den Pedalen. „Nach Hause musst du schieben“, redet Ordnungspolizist Gerhard Brendel der Schülerin ins Gewissen, „sonst müssen wir dein Fahrrad einziehen.“

Bei den morgendlichen Kontrollen an den Schulen will die Stadt aber nicht mit schlechten Zensuren drohen. „Wir appellieren an die Vernunft“, erklärt Marcus Ringwald von der Ordnungspolizei. Es gehe darum, bei den Schülern das Bewusstsein für die eigene Sicherheit zu wecken und dadurch auch die Eltern zu erreichen. Die Schule kommt ebenfalls mit ins Boot: Gleich nach der Kontrolle suchen die Mitarbeiter der Ordnungsbehörde das Gespräch mit der Schulleitung.

„Hier gehen wir auf jeden Fall noch mal hin“, sagt Marcus Ringwald - schon, um zu sehen, ob der Appell an die Vernunft gefruchtet hat. Auch im Schulzentrum Hainhausen dürfte es eine zweite Kontrolle geben. 25 von 59 Rädern wiesen dort vorigen Donnerstag Mängel auf. Heute will die Ordnungspolizei in Jügesheim am Nordring kontrollieren.

Quelle: op-online.de

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