Fastnacht in Nieder-Roden

Bei TGN-Sitzungen singt und rät das Publikum mit

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Einen umjubelten Piratentanz brachte das legendäre Männerballett der TG Nieder-Roden auf die Bühne im ausverkauften Bürgerhaus.

Nieder-Roden - In ihrem 66. Jubiläumsjahr Jahr zündeten die Fastnachter der TG Nieder-Roden an zwei Abenden ein närrisches Feuerwerk. In der Narrhalla begeisterten vor allem die vielen Tanzgruppen. Von Bernhard Pelka

Sie zeichneten mit einer Mischung aus Anmut, Akrobatik und Sexappeal in herrlichen Kostümen (meist geschneidert von Maria Simon) zauberhafte Bilder auf die Bühne. Sitzungspräsident Peter Wade kann stolz auf seine Mannschaft sein. Beide Jubiläumssitzungen rissen das Publikum von den Stühlen. Wade erlebten die Gäste im ausverkauften Saal in gleich drei Rollen: als Chef der närrischen Gala, im Zwiegespräch mit Bernd Keller als Protokoller und als Grazie im „Fantastisch elastischen Männerballett“, einem Markenzeichen der TG.

Als Protokoller scheuten sich Wade und Keller nicht, das heikle Flüchtlingsthema aufzugreifen. Sie trafen einen guten Ton und rechneten sowohl mit rechten Rattenfängern, als auch mit Asylbewerbern ab, die Gastfreundschaft durch Exzesse wie in Köln missbrauchen. Wades und Kellers Rat an die große Politik: „Verteilt auf jedes Land, wär die Flüchtlingsschwemme doch zu stemme!“ Skandale rund um die Fifa, VW und die schlechte Ausstattung der Bundeswehr waren ihre weiteren Themen. Auch setzten sie lokale Spitzen. Zum Beispiel wegen des immer noch nicht gebauten Ärztehauses. „Des wird erst fertisch auch, wenn unsereiner kein Arzt mehr brauch.“

Das verhinderte Medicum fand sich denn auch in der Parodie als Hauptdarsteller wieder, die sich wie ein roter Faden in mehreren Kapiteln durch den Abend zog. Die „Muckelchen“ griffen die leidige Affäre auf, versetzten sie zurück in die Zeit des Römischen Imperiums und mixten das Ganze mit Lokalkolorit. So konnte sich zum Beispiel Bürgermeister Jürgen Hoffmann schmunzelnd in der Rolle des „Hoffmanius“ als Cäsar wiedererkennen. Eine feine Idee, gekrönt vom famosen Auftritt des legendären Männerballetts.

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Im Zentrum stand die Würdigung von 66 Jahren TGN-Fassenacht. Der „Alten Garde“ etwa gelang dies mit einem getanzten und gesungenen Medley aus älteren und jüngeren Beiträgen hervorragend. Einen Extraapplaus war das Tempo wert, in dem sich die Hauptdarstellerinnen umzogen, um in immer neuen Kostümen zu überraschen. Eine tänzerische Zeitreise von Flower Power bis Michael Jackson machte auch die Rot-Weiß-Garde, unterstützt von ehemaligen Tänzerinnen, zur Choreografie von Andrea Vay. Der fernsehreife Auftritt hatte großen Erinnerungswert und riss zu wahren Jubelstürmen hin. Einfach goldisch war hingegen die Kindergarde. Die Kleinen feierten eine hinreißende Premiere. Eine feste Größe und eine Augenweide sind die „Habaneros“. In fantastischen Kostümen tanzten sie sich mit ihrer Hüttengaudi in die Herzen der Zuschauer. Ein Hingucker auch der Stuhltanz der Kunstturngruppe des TV Langen.

Ein Markenzeichen der TG-Sitzungen ist die gelungene Mischung aus komödiantischem Spiel und Schlagern. Deshalb hat das Publikum den ganzen Abend über Gelegenheit zum Mitsingen und Mitklatschen. Da kommt garantiert keine Langeweile auf. So war’s etwa während der witzig-spritzigen Nummer der „Golden Merwes“. Teils sich selbst auf die Schippe nehmend, hatten sie mit ihrer TG-Hitparade die Lacher (und Gröler) auf ihrer Seite. Da können Helene Fischer, Wolfgang Petry & Co. glatt einpacken! Selbstironie gelang auch dem Dreizentnermann Jürgen Eisenbach bei seinem Vortrag über von reichlich Alkohol getrübte Stranderlebnisse im Stringtanga. „Der Whiskey schießt in meine Blutbahn, ich bin besoffe wie en Truthahn“: das kann ja nicht gut gehen.

Bilder: Sitzung der TG Nieder-Roden

Eine Büttenrede ganz anderen Charakters lieferte Andreas Kraus aus dem schönen Offenbacher Stadtteil Bieber ab. Als entnervter Familienvater, dem im Urlaub die Kosten davonrennen, schilderte der Büttenprofi in der ihm eigenen Art sein Leid während einer anstrengenden Shopping- und Besichtigungstour in London mit dem eigenen Auto: „Fünf Kreisel, hast du die geschafft, hast du Linksverkehr gerafft.“ Eine pfiffige Nummer hatten sich die „Youngsters“ ausgedacht. Mit Kunststoffröhren trommelten sie Lieder, die das Publikum erraten und mitsingen konnte. Da war sie dann wieder, die alte Stärke der TGN-Fassenacht: Hier sind die Gäste nicht nur dabei, sondern mittendrin.

Quelle: op-online.de

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