Karl-Heinz Kühnle hört als Moderator der „Narrisch Singstunn“ auf

Bewegter Abschied vom Mikrofon

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Karl-Heinz Kühnle gibt das Mikrofon weiter: Sein Abschied nach 20 Jahren als Moderator mit Schlappmaul und stets prachtvollen Kostümen setzte den emotionalen Schlusspunkt einer „Narrisch Singstunn“.

Dudenhofen - Aufhören, wenn es am schönsten ist. Wenn das gilt, hat Karl-Heinz Kühnle den optimalen Absprung erwischt. Sein Abschied nach 20 Jahren als Moderator mit Schlappmaul und stets prachtvollen Kostümen setzte den emotionalen Schlusspunkt einer „Narrisch Singstunn“, die in jetzt 32 Jahren Fastnachts-Kooperation zwischen Männerchor, Frauenchor und Musikverein Dudenhofen einen Höhepunkt markiert.

Mit gelegentlich überschäumender Begeisterung bedankte sich das Publikum im voll besetzten Bürgerhaus bei rund 100 Akteuren, die die Stimmung ohne merkliche Mühe über fünfeinhalb Stunden auf Höchstniveau hielten. Unter 18 Nummern spielten Sänger und Musiker ihre bewährten Trümpfe aus. Minutenlang gefeiert wurden die 29 Laternchensänger, harter Kern der Chorfastnacht und längst auch auf anderen, größeren Bühnen – etwa in Frankfurt – daheim. In geschliffenen Reimen und nach bekannten Melodien besangen sie Fifa-Absahner und Abgas-Trickser, die Kanzlerin im Flüchtlingsstrom und den Klimaschutz, der ohne die Rußbud’ einfach gelingen muss. In „Durrehouwe“ sah die Truppe, unter Leitung von Hans Kaspar Scharf auch sängerisch brillant, die städtischen Holzhackerbuam am Werk – wehe den Linden am Bürgerhaus. Mit einem wahren Pointen-Feuerwerk deckte Eigengewächs Ralf Köpp die Narrenschar ein. Ob beim Renovieren, im Urlaub, im Konzert oder beim Arzt – als „Verbabbeler“ wollte dem Mundart-Akrobaten, der als „Schorsch von Krotzeborsch“ auch launige Liedchen singen kann, noch jedes Wort mit mehr als zwei Silben daneben gehen. Schräger babbelt nur noch „de Bodo“. Bütten-Profi Charly Engert erhob den Kalauer zur Kunstform und löste damit noch Lachorkane aus.

Lutz Murmann als „Eppertshäuser Settche“.

Um die Weisheit vom zeitigen Aufhören scherten sich die „Durrehöwer“ gar nicht mehr. Eine runde Stunde länger als geplant dauerte die Show, so recht glauben mochte das beim Finale niemand. Kurzweil garantierten die Einlagen des bestens aufgelegten Musikvereins unter Dirigent Mathias Müller, neuen Schwung lieferten glänzend choreografierte Tanzeinlagen. Hexen von der Jügesheimer TGS wirbelten über die Bühne, zurück in die 90er steppte „Step Touch“ vom TSV Dudenhofen. Die Spitze hätten wohl die „Street Life Dancers“ von der TG Ober-Roden als rockenden Roboter gebildet – wären da nicht die Kampfsportler vom Männerschor-Ballett gewesen: Erst topfit und blitzschnell als Karatekämpfer, stapften die Herren final als aufgeblasene Sumo-Ringer über die närrischen Bretter.

Ein umjubeltes Debüt bei der Sängerfastnacht hatten zu Beginn die „Söhne Rodgaus“ abgeliefert. Als Hollywood-Filmteam blätterten Dennis Wehrle, Emil Rauch, Luke und Max Engelmohr, Marius Schleich und Till Eser vom Freundeskreis Turnen und Fastnacht (FTF) im Drehbuch, entlarvten Allüren mit lockeren Sprüchen und präzise austariertem A-cappella-Gesang. Ganz anders tickt das „Eppertshäuser Settche“: Umgestiegen vom Kreuzfahrt- auf das Narrenschiff, eroberte Altmeister Lutz Murmann den Saal im Sturm.

Bilder: „Narrische Singstunn“ in Dudenhofen

Als „Klageweiber“ bejammerte die Fassenachtsgruppe des Dudenhofener Frauenchors lokale Miniaturtragödien und bescherte den Narrhallesen manches Aha-Erlebnis. Erst bajuwarisch, dann tierisch mischten die Gaudi-Turner des TAV Eppertshausen den Saal auf. Von den Trainern Klaus Caps und Reiner Groh eingeübt, kam die Sportschau zirkusreif. Nicht so mit närrischen Leibesübungen hat es Rainer Machtans, als Rheinländer um Integration in Hessen bemüht. Und das alles soll jetzt ohne Karl-Heinz Kühnle gehen? Die Bestürzung unter den Narren fühlte sich echt an. Bewegt nahm der Mikrofon-Mann von Männerchor-Vorstand Rudolf Vogl eine Fotokollage aus 20 Bühnenjahren und den Ehrenorden an und lauschte dem Abschiedsständchen.

rdk

Quelle: op-online.de

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