Opulentes Fastnachts-Finale

„Laternche“ des SKV Hainhausen strahlt vor Fusion mit TG besonders hell

+
Null Geiz, viel Gaudi: die „Pitschedapper“ als tanzende Schotten.

Hainhausen - Wenig Wehmut, mehr wohlige Nostalgie, vor allem aber Spaß und Stimmung - mit ihrer wohl letzten großen Fastnachtssitzung machten die „Laternche“ sich selbst und allen närrischen Haahäusern in der SKV-Halle ein Abschiedsgeschenk.

Zum finalen humoristischen Gala-Diner vor der Fusion mit der TGH durfte es denn auch etwas mehr sein: Ohne eine Spur von Stress hielten die gut 100 Akteure ihr Publikum mehr als fünf Stunden in Bewegung. Inmitten eines rasanten 22-Nummern-Programms gab es ein nicht minder bewegtes Innehalten: Mit dem Goldenen Vlies sahen sich gleich zwei Kappenbrüder aus dem Präsidenten-Trio dekoriert. Dass Mitgründer Will Eichhorn nach 51 „Laternche“-Sitzungen für die höchste Auszeichnung unter Fastnachtern fällig sei, verlautete schon vorab. Gleichsam kalt erwischte die hohe Ehre seinen sichtlich bewegten Kollegen Jochen Pommer, seit 18 Jahren Obernarr und als „König von Hainhausen“ auch diesmal mit einem huldvoll-majestätischen Auftritt. Silberne Flammen gab es für Rosi Martin und Lucia Klein.

Ein wahres Kostümfestival boten die „Starlight Dancers“ mit sechs Tänzen am Stück.

Nicht nur die Spitzenbesetzung - neben Pommer und Eichhorn durfte auch Alt-Präsident Harald Dietz noch einmal ran - wies diese Gala als eine besondere aus. Protokoller-Veteran Helmut Kratz, nach 25 Jahren Büttenpause noch immer Meister des Chronisten-Fachs, spießte dieses Vierteljahrhundert mit Wahrheiten auf. Die Sprache (Denglisch statt Hessisch) und die Esskultur (Pillen statt Grillen) stehen Kopf. Und nicht einmal die Kirche ist, was sie mal war: Die drei Könige finden nur noch per Navi zum Bethlehem-Stall und die „Generation Kopp unne“ daddelt mit der Beichtstuhl-App - sechs Sünden frei in der Gold-Edition. Tiefes „Laternche“-Wurzelwerk hält auch die „Starlight Dancers“ in Hainhäuser Fastnachtserde: Sechs Tänze aus 25 Jahren packte die Truppe in 20 Minuten. Ihre Meisterschaft in gehobenem Kokolores zeigten Will Eichhorn und Harald Dietz als Altpräsidenten. Als „Trio Schock Dumm“ waren Matthias Hallmann, Christian Ott und Michael Schnur mit einer ulkgeladenen Pantomime wieder da. Gern gehörte Gassenhauer aus fünf Dekaden riefen „DJ Halli“ und Eric März zu später Stunde in Erinnerung.

Mit pfiffigen Liedchen und saisongerechten Ohrwürmern traf das „Korz-Lang-Fett-Quartett“ aus Klein-Krotzenburg den Nerv und scheuchte das Auditorium tanzend auf die Stühle. Auf Betriebstemperatur hielt den Saal die Weiß-Blaue Garde, von Ina Pommer-Franz trainiert, mit einem schmissigen Tanz, bevor Silke Seums „Druffkapell“ mit rockigem Elan die Drehzahl zum Anschlag trieb. Die Guggemusik noch in den Ohren, beklatschten die Jecken einen temporeichen Showtanz der Kolibris. Clarissa Dörfler, neben Eileen Franz Trainerin der jüngsten SKV-Tanzformation, begeisterte nach der Pause als Gardetänzern im Duett mit Jessica Schön.

„Laternche“ aus Hainhausen mit letzter großer Sitzung: Fotos

Zuvor aber erlebten Torsten Rudolf, Günter Werner und Günter Feltes mit Flower-Power-Songs Botschafter des künftigen Partnervereins TGH, was die neuen Mitfastnachter besonders gut können: Show und Humor zu einer runden Nummer schmieden. Abteilungschef Thomas Engel hatte als geplagter Tanzschüler die ideale Partnerin im Altersheim entdeckt: Mit Lucia Klein übte er den Ententanz ein.

Seit Jahren Stammgast in der Bütt des SKV, war Charly Engert auch vor dem letzten Vorhang für Zwerchfell-Gymnastik gut. Ebenso wenig wie er sich an väterliche Ratschläge hielt, hielten sich die „Pitschedapper“ ans Klischee vom schottische Geizknochen. Kariert berockt und mit Sackpfeife schickte das Männerballett nach Simone Müllers Choreographie den Saal in ein opulentes Finale der 51. SKV-Fastnacht.

rdk

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare