Großes Kino der Piraten

FTF-Fastnachter setzen die Segel

+
Da waren’s nur noch drei: Den Tanz der Blues Brothers bekam „Six Pack“ bei der FTF-Sitzung in Hainhausen aber trotzdem gut auf die Reihe.

Hainhausen - Kein Elferrat, kein Prinzenpaar - die wären vielleicht seekrank geworden auf dem Piratenschiff, das die Freibeuter vom Freundeskreis Turnen und Fastnacht (FTF) am Samstagabend durch Lach-Orkane und Begeisterungsstürme steuerten.

In der ausverkauften SKV-Halle hielt die bewährte Crew ihre Segel über fünf Stunden straff und nahm rund 220 Passagiere im Saal auf eine turbulente Kaperfahrt mit. Wer braucht noch einen Präsidenten, wenn Piratenkapitän Rudi Ott das Ruder legt? Bis nach Hollywood, mit der Saal-Deko als Ziel ausgewiesen, behielt er seine über 100 Akteure starke Mannschaft sicher im Griff. Nach dem ersten Tanzsturm der vereinseigenen Piratengarde, von Andorin Schäfer und Vanessa Witt trainiert, stieg Ott als Protokoller in den Ausguck. Wie sicher ist der Heimathafen, wenn die Bürgermeisterwahl alle Boote am Anleger schaukeln lässt, auf dem Friedhof gebadet wird oder die Bierflasche kreist?

Da tut es gut, dass es im Strudel politischer Possenspielchen und im Sog einer fusionswütigen Vereinswelt solche Brandungsfelsen wie die Kokolores-Kompanie gibt und sich zwei wie Ankea Metzker und Max Quell nach bewährtem Muster im Zwiegespräch beharken. Und dass die FTF-Fassenacht auch Freunde nebenan hat: Aus Hainstadt kam die Formation „Tanzrausch“, die mit einer rasanten Dschungel-Show begeisterte. Bauen kann der 2011 gegründete Freundeskreis freilich vor allem auf den eigenen Nachwuchs - auch wenn vom „Six Pack“ mit Leon Brehler, Max Eser und Lars Mathes nur noch drei junge Spötter übrig sind. Sie hatten sich für den Kalauer-Trialog in Schale geworfen und machten im feinen Zwirn vom Partystress bis zum Blues-Brothers-Tanz eine gute Figur.

Alles zur Fastnacht lesen Sie auf der Themenseite

Was anziehen zur Oscarverleihung? Die acht A-cappella-Könner von der Disharmonie gingen ihr Hollywood-Problem mit einem Einkaufskonzept an, landeten im Bayern-Stau nach Wertheim Village und mussten lernen, dass Männer und Frauen unter „Schoppen“ Verschiedenes verstehen. Die Kunst des Nichtstuns lehrte Max Eser. Hauptfach: Kunstvolles Faulenzen nach dem Abitur. Traumberufe sind mehr etwas für echte Männer wie die vom Tanzteam „Taktlos“ (Leitung: Judith Mark und Jutta Podroschko) - Kerle gehen zur Polizei oder zur Feuerwehr.

Wenn nach der stürmisch geforderten Zugabe die Glocken erklingen und die Internationale ertönt, passt das so gut zusammen wie Don Camillo und Peppone. Die Republik im Narrenblick, stichelten Marcel Rupp und Harald Werner auf schwarze Krähen, rote Socken und braune Säcke ein, die das letzte Elbhochwasser wohl im Osten zurückgelassen hat, sahen die Verteidigungsministerin den Schminkspiegel im Panzer montieren und die Kanzlerin am Abgrund hinter ihren Ministern stehen. De Maiziere gehört als Hugenott ins sichere Drittland Frankreich zurückgeschickt, Seehofer wird Zaunkönig und wenn Schäuble vorbeirollt, geht’s abwärts im Land.

Bilder: Piratensitzung des FTF Rodgau

Guggemusik weckt nach der Pause müde Narren auf, erst recht nach Machart der „Druffkapell“ mit Silke Seum und Michael Weimer an der Front. „Giesem“ und „Duddehofe“ - dass auch Mönche und Nonnen nicht immer über weltlichem Hader stehen, bewiesen Frank Hochhaus und die Fastnachtsturner. Ganz andere Sorgen plagten „Dampfwalze“ Selina Beavers, die sogar sich selbst zum Fressen fand und den Ulk mit einem munter-naiven Schlussliedchen fast zum Gipfel trieb. Völlig ausgepowert kam dort Frank Eser an: Als alternder Fitness-Apostel wusste er, wie man beim Joggen das Bier transportiert, dass der innere Schweinhund bissig ist und stilgerechtes Outfit dem Bankkonto beim Abnehmen hilft. Zwischendurch zeigte Philine Täubner bei ihrem gefeierten Debüt als Solo-Tanzmariechen echten Leistungssport (Coach: Josefine Richter).

Hollywood kam spätestens in Sicht, als die „Flotte Tanzflotte“ mit den Trainerinnen Stephanie Bauer und Silke Deckert auf der Brücke die Segel setzte und mit einem sehenswerten Medley aus Varieté und Musical Kurs auf die Traumfabrik nahm. Anker werfen konnte das auf Stimmungswogen ins Finale schaukelnde Piratenschiff freilich erst, nachdem Crew, Passagiere und Christian Massoths Rodgau-Kur-Orchester beim Polonaise-Marathon noch einmal alles gegeben hatten. rdk

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare