Fastnachtszug erstmals wegen Wetterwarnung abgesagt

Letztes Hellau bei Regen und Wind

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Der (Not)-Zug war klein, die Stimmung groß: Die TGS und das Rodgau-Prinzenpaar gingen gestern auf Gaststätten-Tour.

Jügesheim - Der Himmel weinte mit den Narren: Obwohl der Fastnachtszug am Dienstag dem schlechten Wetter zum Opfer fiel, versuchte das närrische Volk das Beste daraus zu machen. Die Gastronomie war fest in der Hand der Narren - und beide Prinzenpaare mit Hofstaat mitten dabei. Von Ekkehard Wolf 

Auch beim Freundeskreis in der Radsporthalle war die Stimmung gut: Dort drängten sich die Narren.

Die Aktiven der Vereine feierten in familiärem Atmosphäre. „Die Gewinner des abgesagten Fastnachtszuges: Tante Emma, alle Kindergärten, die Grundschulen und die Zahnärzte.“ So die erste Einschätzung von Lothar Mark, dem zweiten Vorsitzenden der TGS Jügesheim. Fünf Kubikmeter an Popcorn, Bonbons und anderem Wurfmaterial hatten die TGS-Karnevalisten gebunkert. Wohin mit so viel Süßigkeiten? Ein Kubikmeter fand in Heusenstamm dankbare Abnehmer, wo der Fastnachtszug trotz Sturmwarnung stattfand. Das restliche Naschwerk wird verteilt. Mark: „Wir haben auch viele Kinderartikel ohne Mindesthaltbarkeitsdatum.“ Der Freundeskreis für Turnen und Fastnacht (FTF) sitzt ebenfalls auf Bergen von Popcorn und Schokolade. „Das Schiff ist vollgestopft“, so Sitzungspräsident Rudi Ott.

Der Vorstand der Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) Jügesheim hatte am Montag nach Rücksprache mit der Versicherung entschieden, den Umzug abzusagen. „Es tut mir in der Seele weh“, sagt IGEMO-Rechnerin Barbara Ketterl. Aber: „Die Sicherheit geht vor. Wir tragen die Verantwortung, falls etwas passiert.“ Bisher hätten die Fastnachter noch allen Unbilden des Wetters standgehalten: „Wir sind schon bei Schnee und Eis gelaufen, da sind den Musikern die Instrumente an den Lippen festgefroren.“ Beifall für die frühe Absage erhielt die IGEMO unter anderem aus den Kindergärten, wie Barbara Ketterl berichtet. Die Entscheidung vom Montag habe auch unnötige Kosten vermieden (etwa für Toilettenhäuschen) und allen Beteiligten genug Zeit gegeben, Ersatzveranstaltungen auf die Beine zu stellen. So feierte der Musikverein Nieder-Roden bei Musik und Kreppeln im Haus der Musik, statt im Regen zu marschieren.

Beim Freundeskreis in der Radsporthalle konnten am Nachmittag alle 13 Gruppen noch einmal in ihren Kostümen glänzen. FTF-Präsident Ott: „Wir haben ja auch Fußgruppen, die nicht auf der Bühne waren. Die haben sich nur für den Fastnachtszug Kostüme genäht.“ Die TGS-Karnevalisten trafen sich zur gleichen Stunde in der Turnhalle Ostring. Zuvor waren beide Prinzenpaare mit Hofstaat durch die Gaststätten gezogen: Ammie, Journal und Bischoff. Im kleinen Kreis beerdigten sie auch die Fastnacht: um 18.11 Uhr mit dem Jugendprinzenpaar und drei Stunden später mit den Erwachsenen.

„Dräx Wedder“, Hauptperson des Ufftakts von TGMSV, sollte ungewollt Recht behalten: Das schlechte Wetter vermiest die Fassenacht.

Manfred Gonschorek vom RCC „Knallkepp“ hält die Entscheidung der Veranstalter angesichts der amtlichen Wetterwarnung für richtig: „Da ist ein Menschenleben wichtiger als jeder Fastnachtszug.“ Die Absage sei für alle Aktiven traurig, besonders auch „für die Leute in den Vereinen, die wochenlang an einem Motivwagen basteln“. Zum Motto „Safari“ wollte der RCC mit einem riesigen Savannentier durch die Straßen ziehen. Nun steht der kleine Verein vor einem großen Problem: Er kann das Tiermotiv zwar auch im nächstes Jahr verwenden, aber bis dahin fehlt ein Lagerplatz. Außerdem muss der RCC den geliehenen Autoanhänger zurückgeben. Gonschorek ist zuversichtlich: „Wir finden eine Lösung.“ Für TGS und FTF war die Arbeit an den aktuellen Mottowagen hingegen umsonst.

Verständnis für die Absage des Fastnachtszuges äußern auch Rudi Ott (FTF) und Götz Schwarz, der Vorstandssprecher der TGM SV Jügesheim. Kritik kommt von der TGS. „Das Krisenmanagement hat versagt“, rügt Lothar Mark. Der IGEMO-Vorstand habe den Umzug abgesagt, ohne die beteiligten Vereine zu fragen: „Das hinterlässt Enttäuschung pur bei allen Aktiven und einen schalen Beigeschmack.“ Besser wäre eine einvernehmliche Entscheidung gewesen.

Mit dem Sturmtief kam für Fassenachter ein Stimmungstief. Auf halbmast hing gestern diese Fastnachtsfahne in der Sommerfeldstraße.

Wird der ausgefallene Fastnachtszug nachgeholt? Das ist noch offen. Die IGEMO rät, gekaufte Plaketten vorsichtshalber aufzuheben. Gar nicht glücklich ist „Dräx Wedder“, ein Held des Ufftakts der TGM SV. Er betont, Sturm und Regen seien nicht seine Schuld. Aber Schwamm drüber: Am Freitag treffen sich die Fassenachter zum Heringsessen. Und am 27. Februar ist der Männerballett-Contest. Der abgesagte Fastnachtszug beschäftigt auch die Leser auf der Facebook-Fanseite der Offenbach-Post. Exil-Rodgauerin Beccy Schulz spottete aus Köln: „In Köln geht der Zoch und die Hessen machen schlapp.“

Quelle: op-online.de

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