Wir basteln eine Sonne

Ferienakademie der Heinrich-Böll-Schule

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Ein doofes Gefummel für junge Forscher: Klitzekleine Perlen müssen aufgefädelt werden, um zu demonstrieren, dass 109 Erden in die Sonne passen.

Nieder-Roden - In der ersten Ferienwoche genießen Schüler, dass sie ausschlafen können undl nichts tun müssen. Aber es gibt auch Jungen und Mädchen, die freiwillig in die Schule gehen. Die Ferienakademie der Heinrich-Böll-Schule macht es möglich. Von Simone Weil

Dort dreht sich alles um die Sonne. Während viele hitzegeplagte Bürger froh sind über die kleine Verschnaufspause, die das Wetter ihnen in dieser Woche einräumt, hält Petra Carbon die Luft an. Sie braucht die Sonne unbedingt. Denn die Ferienakademie der Heinrich-Böll-Schule (HBS) konzentriert sich die ganze Woche auf die Kraft des großen Himmelskörpers. Im internationalen Jahr des Lichts will die Lehrerin den Stern, den Lichtkörper, den Lebensspender und Energielieferanten näher beleuchten. Damit das möglichst unterhaltsam geschieht, lässt sie sich einiges einfallen. Denn vor allem anschaulich soll es zugehen, wenn die 29 Schüler der Klassen 4 bis 7 aus verschiedenen Schulen ihre erste Ferienwoche der Naturwissenschaft widmen. Auch wenn nicht alle ganz freiwillig, sondern auf Anregung der Eltern da sind. Aber Spaß macht es ihnen allemal. Das ganze Jahr über sammelt Petra Carbon Ideen für die praktische Umsetzung der Themen und kauft frühzeitig die nötigen Accessoires dafür ein. Diesmal spielt zum Beispiel ein hölzerner Hubschrauber eine wichtige Rolle: Den Bausatz hat Carbon als Ein-Euro-Schnäppchen erstanden und sich dann erst überlegt, wie sie die Solar-Batterie im Bauch des Flugobjekts unterbringen kann. Stolz zeigt sie das Material, das sie von Ministerien und Firmen geschickt bekommt, manchmal „palettenweise“. Das Plakat des Sonnensystems etwa ist spitze. Oder die Broschüren für die Eltern rund um Sonnenschutz.

Dann geht es los: Wie alt ist unsere Sonne? Die Schätzungen der Schüler liegen weit auseinander. „Wenn es so laut ist, gehe ich davon aus, dass wir weitermachen können“, sagt Petra Carbon. Der Himmelskörper ist 4,5 Milliarden Jahre alt, 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und 109-mal so groß wie die Erde. Das wird später noch wichtig. Denn die nächste Stunde ist mit dem Thema überschrieben „Wir basteln uns eine Sonne“. Total simpel geht es los: Die beiden Hälften einer Styroporkugel werden zunächst innen wie außen gelb angemalt. Wo sind die Pinsel? „Das ist das Ferienakademie-Syndrom“, erzählt die Lehrerin: „Ich baue morgens alles auf und wenn ich es dann brauche, ist es weg.“

Bilder zum Abschlussball der Heinrich-Böll-Schule

Was einfach anfängt, wird noch zur Herausforderung. Denn nach dem Anmalen ist Perlenauffädeln angesagt: 109 Stück müssen auf den Nylonfaden. Das ist ein ganz schönes Gefummel. Vor allem die Jungs sind nicht gerade begeistert von dem Mädchenkram. Doch was tut man nicht alles für die Wissenschaft? Immerhin sollen damit die Größenverhältnisse demonstriert werden. Petra Carbon, die Beauftragte für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), arbeitet immer projektbezogen. Sie muss keinen Lehrplan im Auge behalten, wie das in einzelnen Fächern der Fall ist und lernt selbst auch jede Menge, wie sie sagt.

Vor allem ihre Begeisterung scheint anzustecken. Auch die Mädels, von denen auffällig viele im Kurs vertreten sind: Die können sich sonst oft nicht so sehr für Naturwissenschaften begeistern. Doch die praxisbezogenen Beispiele kommen gut an und sind richtig spannend. Außerdem muss bis Freitag auch noch ein funktionierendes Solarboot gebaut werden. Wer seinen Ordner mit allen Aufzeichnungen und Experimenten schön gestaltet hat, bekommt außer der obligatorischen Teilnehmerurkunde vielleicht auch noch einen der tollen Preise.

Pflanzaktion an der Heinrich-Böll-Schule

Quelle: op-online.de

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