In der Emmausgemeinde entsteht eine selbst gebaute Stadt

Ferienspiele: Herr über 220.000 Legosteine

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Im Kirchensaal wird konzentriert gebaut. Am Ende der Woche ist dann eine ganze Lego-Stadt entstanden. 

Jügesheim - Die evangelische Emmausgemeinde in Jügesheim hat 34 Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zehn Jahren bei den Ferienspielen zu Gast. Diesmal wird im Kirchensaal mit Lego gebaut. Aus etwa 220.000 Teilen entsteht eine Stadt. Von Simone Weil 

„Ich brauche so einen Stein.“ Der Junge zeigt, was er meint. Frank Rütten reicht auf Anfrage Bauanleitungen und Ersatzsteine über die improvisierte Theke. Dort ist er der Herr über etwa 220.000 Legosteine. Der Pastor mit dem Schwerpunkt Kinder und Familie engagiert sich beim Hilfswerk „Das kunterbunte Kinderzelt“ in Schlüchtern. Für eine Woche ist er mit seinem Bauspaß mit Lego in der Jügesheimer Emmausgemeinde zu Gast.

Im Kirchensaal ist ganz schön was los. An den im ganzen Raum verteilten Tischen werkeln die Kinder, lediglich der Altar bleibt außen vor. Ansonsten ist alles mit Legosteinen und Bauprojekten in verschiedenen Stadien belegt. Insgesamt 34 Jungen und Mädchen nehmen an der einwöchigen Ferienspielaktion der Jügesheimer Gemeinde teil. Lego steht diesmal dort im Mittelpunkt. Häuser, Fußballstadion, Riesenrad oder Kran: Die Kinder suchen sich aus, was sie bauen wollen und bilden kleine Teams. Am Ende der Woche ist dann eine Stadt entstanden.

Auch das Mädchentrio hat seinen Spaß mit den bunten Bausteinen.

Hinter dem spielerischen Ansatz verbergen sich pädagogische Inhalte: Längst nicht alle der sechs- bis zehnjährigen Teilnehmer kennen sich. Durch die Gruppenarbeit aber entstehen neue Kontakte. Der Nachwuchs lernt jede Menge, muss Aufgaben verteilen und sein Vorgehen strukturieren. Elf ehrenamtliche Betreuer stehen den Jungen und Mädchen zur Seite. Die Helfer halten sich zurück, greifen nur ein, wenn wirklich Unterstützung gebraucht wird oder „eine Bauhürde überwunden werden muss“, wie Legoexperte Frank Rütten sagt.

Um mit der Materie warm zu werden, haben die freiwilligen Betreuer erst einmal die Towerbridge gebaut. Unter den Ehrenamtlern sind aber keineswegs nur Anfänger, sondern auch begeisterte Lego-Fans wie Edith Fixmann. Die Mitarbeiterin der Stadtwerke hat extra drei Tage Urlaub genommen, um das Projekt begleiten zu können. Sie kann bei der Freibauphase, in der am Ende der Woche eigene Ideen umgesetzt werden, nicht mehr dabei sein und ist ein bisschen neidisch auf die jungen Bauherren.

Auch andere Betreuer wie etwa die Grundschullehrerin Julia Wiegand opfern extra eine Ferienwoche, um die Freizeit für die Kinder zu ermöglichen. Die Pädagogin ist der Gemeinde verbunden und hat schon einige Ferienangebote begleitet: „Aber das Lego-Projekt ist schon außergewöhnlich“, findet sie.

Wer sind die Comic-Helden aus Lego-Steinen?

Auch den Gemeindepädagoge Ralph Stricker begeistert die Aktion. Schließlich ist der 29-Jährige „selbst ein Lego-Fanatiker“ wie er sagt. „Es spricht alle Sinne an und jeder kann damit etwas anfangen“, erzählt er. Das merke man vor allem daran, wie konzentriert gearbeitet werde. Auch die Mädchen beteiligen sich gerne. Sie greifen nicht nur nach den rosafarbenen Steinen und dem Pferdezubehör, hier bauen sie auch Raketenrampen und Feuerwehrhäuser.

Auch religiöse Aspekte fließen in der Woche ein: In einer Andacht reflektiert Rütten den Tag. Ganz ungewöhnlich geschieht das mit bunten Bildern auf der Leinwand etwa zum Thema Adam und Eva. Auch das sind Lego-Figuren.

Quelle: op-online.de

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