70 Teilnehmer proben im Industriegebiet

Feuerwehr übt Ernstfall nach Explosion

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Ein Feuerwehrmann trägt ein kleines „Explosionsopfer“ zum Dekontaminationsplatz.

Weiskirchen - Eine heftige Explosion, mehrere Menschen vermisst, Schaden vorerst kaum zu überblicken. Noch frisch war die Erinnerung an Bilder aus Ludwigshafen, als rund 70 Feuerwehrleute am Donnerstagabend ins Weiskircher Industriegebiet ausrückten.

Was am Rhein einer Katastrophe nahe kam, diente in Rodgau lediglich als Praxistest: „Unfall mit gefährlichen Stoffen“ lautete das Stichwort bei der Abschlussübung der Freiwilligen Feuerwehr Rodgau Nord. Ausgeknobelt hatten die Führungskräfte um Wehrführer Dieter Horch das Szenario freilich lange vor dem schlagzeilenträchtigem Zwischenfall bei BASF. Mit chemischen Gefahren umzugehen, ist für die Brandschützer in Weiskirchen Routine: Die Arbeitsteilung unter den drei Rodgauer Feuerwehr-Standorten weist den aktuell rund 45 Aktiven diese Aufgabe zu. Die angenommene Lage entspricht laut Horch einem typischen Fall, mit dem seine Leute jeden Tag konfrontiert werden können: Bei Ladearbeiten in einer Speditionshalle explodiert eine zunächst unbekannte Substanz. Ein Feuer bricht aus, die Halle ist verqualmt und niemand weiß, was aus den Mitarbeitern geworden ist. Klar ist nur: Im Gebäude lagern noch weitere Chemiebehälter.

So muss Einsatzleiter Peter Riedel seine Leute zunächst zur Erkundung ausschicken. Schnell finden die Helfer, mit Atemschutzgeräten und Schutzanzügen bewehrt, die ersten Verletzten. Insgesamt vier Opfer, bei der Übung durch Puppen dargestellt, holen sie nach und nach aus dem Lagerhaus an der Daimlerstraße heraus – keine leichte Aufgabe, wenn die schwer bepackten Retter im dichten Disco-Nebel kaum die Hand vor den Augen sehen. Draußen wartet bereits das Dekontaminations-Team: Bevor der Rettungsdienst die Bewusstlosen – darunter auch zwei Kinder – übernehmen kann, müssen sie von eventuell gefährlichen Substanzen gereinigt werden.

Unterdessen widmen sich weitere Trupps zwei großen Behältern auf der Ladefläche eines Lkw, die laut Übungsszenario je 500 Liter Essigsäure enthalten. Einer ist umgekippt und teilweise ausgelaufen, muss also abgedichtet werden. Den anderen gilt es, vorsichtig aus der Gefahrenzone zu bugsieren. Auf solche Aufgaben ist die Mannschaft in Rodgau Nord laut Michael Gröschl, der als stellvertretender Stadtbrandinspektor alles kritisch beobachtet, sowohl durch ihre Ausbildung als auch technisch vorbereitet. Auf einem Löschgruppenfahrzeug mit Sonderbeladung für Gefahrgut liegt die Ausrüstung vom Schutzanzug über säurefeste Pumpen und Gefäße bis hin zum Schnelleinsatzzelt bereit, in dem bis zu 20 Verletzte versorgt werden können.

Bilder: Feuerwehr übt Umgang mit Chemikalien

Verstärkung bekommen die Weiskircher Wehrleute nach wenigen Minuten von einem technischen Zug der Wache Mitte. Die Kameraden bringen unter anderem den neuen, im Frühjahr in Dienst gestellten Logistik-Gerätewagen mit, außerdem ein kompaktes Fahrzeug mit Scheinwerfern und Generatoren. Mit Druckluft-Hebekissen stemmen sie einen schweren Container hoch, unter dem ein weiterer Verletzter eingeklemmt ist.

Nebenbei und gemeinsam leistet die Mannschaft nicht zuletzt auch klassische Feuerwehrarbeit: Mit einer Wasserwand aus mehreren Rohren wird ein benachbartes Gebäude abgeschirmt. Andere Teams schlagen mit Wasserstrahlen die Schwaden nieder, die aus Fensterritzen und unter dem Wellblechdach hervorquellen – diesmal nur künstlicher Qualm zu Übungszwecken, im Ernstfall eine Gefahr für die Bevölkerung. (rdk)

Quelle: op-online.de

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