Stresstest unter Atemschutzmasken

Feuerwehr trainiert die Rettung verunglückter Einsatzkräfte

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Stress im Abbruchhaus: Kritisch beobachtet von Ausbilder Jürgen Kern muss der Atemschutz-Notfalltrupp einen verletzten Feuerwehrmann retten. Bei 80 Kilo „Opfer“ und 25 Kilo Ausrüstung ist das sogar bei einer Übung Belastung pur.

Nieder-Roden - Was passiert eigentlich, wenn ein Feuerwehrmann, der Verletzte aus einem brennenden Haus holt, bei der Hitze zusammenbricht oder von Trümmern getroffen wird? Dann muss ein Atemschutz-Notfalltrupp ran.

Diese riskante Aufgabe teilen sich in Rodgau bisher alle Einsatzkräfte, die am Unglücksort unter Atemschutz arbeiten. Nächstes Jahr stellt die Feuerwehr Rodgau ein speziell geschultes Team auf, das bei Großbränden zum Schutz der eigenen Leute in Reserve steht. Die bislang einzige Atemschutz-Notfallstaffel im Kreis Offenbach gehört zur Feuerwehr Langen; der Rodgauer Trupp soll sie ab 2016 kreisweit unterstützen. Hier ist gottlob noch nichts Schlimmes passiert. Der stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Gröschl schilderte die Dramatik an einem tödlichen Unglück in Tübingen: Dort hatten sich zwei Mann unter Atemschutz in einem brennenden Haus verirrt, niemand wusste genau, wo sie waren, die Flammen schnitten ihnen den Rückweg ab. Der Luftvorrat, der für 30 und bei hoher Belastung nur für 20 Minuten reicht, ging zu Ende. Als die Männer gefunden wurden, waren sie tot.

Bis der Spezialtrupp steht, trainieren alle Rodgauer Atemschutzträger die Rettung verunglückter Kameraden. Mittlerweile kommen - wie am Samstag - auch Feuerwehrmänner und -frauen aus Dietzenbach dazu. Im verwinkelten Keller eines Abbruchhauses, so das Szenario, erlitt ein Feuerwehrmann einen Kollaps. Wegen des undurchdringlichen Qualms bemerkte sein Nebenmann das nicht. Erst nach 30 Sekunden Bewegungslosigkeit löste die Ausrüstung des Verunglückten Alarm aus. Ein Vierertrupp unter der Leitung von Michelle Grün und Sebastian Murmann folgte dem durchdringenden Heulton die enge Treppe hinab.

Bilder: Übung der Feuerwehr in Brandcontainern

Selbst die Übung war Stress pur. Ausbilder Jürgen Kern hörte über Funk mit, wie die Helfer mehrere Rettungsmöglichkeiten probierten und wieder verwarfen. Die Enge machte den Einsatz von Tragen und Tragetüchern unmöglich. Selbst die rustikale Methode - Axtstiel unter die Gurte der 17 Kilogramm schweren Luftflasche stecken - brachte nichts. Am Ende zerrten die Helfer den Verunglückten mit viel Hauruck in Sicherheit.

13 Minuten und 30 Sekunden seien für die so genannte Crash-Rettung akzeptabel, bescheinigte Kern seinen Leuten, kritisierte aber auch: „Es kann nicht sein, dass Ihr da unten einen Diskussionskreis bildet! Was der Truppführer sagt, müsst Ihr alle konsequent umsetzen!“ Dass das nicht geschah, zeigt, wie immens hoch die Belastung der Retter schon bei einer Übung ist.

Quelle: op-online.de

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