Feuerwehrleute trainieren im ehemaligen Autohaus Reichardt

Ein Klick, der Leben retten kann

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Ein Klick, der Leben rettet: Eine Feuerwehrfrau stöpselt ihren Atemluftschlauch bei einem Kameraden ein.

Dudenhofen - Wenn es brennt, dann eilt die Feuerwehr herbei und rettet Menschen. Doch wer hilft den Einsatzkräften, wenn sie bei plötzlich selbst auf Hilfe angewiesen sind? 18 Feuerwehrleute trainierten jetzt im ehemaligen Autohaus Reichardt die Rettung im Atemschutznotfall. Von Peter Petrat

Das laute, schwere und tiefe Schnaufen von über einem Dutzend Einsatzkräften mit ihren Atemschutzgeräten im ansonsten stillen Gebäude erinnert an ein Science-Fiction-Epos aus dem Weltall. Unterbrochen nur von einem kurzen Zischen, wenn gerade der Luftschlauch unter den Kameraden umgesteckt wurde. Je nachdem, welches Teil der Atemluftversorgung defekt ist, muss entweder die Luft aus der Atemluftflasche über einen Verteiler gesplittet werden, das Mundstück oder gar die ganze Maske hin- und hergereicht werden. Bei diesen Formen der Wechselatmung steigt nicht nur die Schwierigkeit, sondern auch die Gefahr, dass man Schadstoffe einatmet. Erst ohne Handschuhe, dann mit den kräftigen Handschuhen, später mit verdunkeltem Visier und endlich unter Einsatzbedingungen in einem verrauchten Raum und in voller Einsatzmontur wurden die verschiedenen Möglichkeiten durchgespielt. „Es ist ganz wichtig, dass die Handgriffe sitzen“, erklärte Ausbilder Markus Beck.

Nur die Wärmebildkamera zeigt, wie sich die Feuerwehrleute im dichten Qualm bewegen.

Auch wenn Eigenschutz und Eigensicherung immer an vorderster Stelle stehen, so bleibt für die Männer und Frauen der Feuerwehr immer ein Restrisiko. Zu einem möglichen menschlichen Versagen kommen unvorhergesehene und nicht einschätzbare Gefahren hinzu. So kam es in den vergangenen Jahren in Deutschland zu mehreren tödlichen Unfällen von Feuerwehrleuten bei Atemschutzeinsätzen. Fällt ein Retter während eines Einsatzes aus, etwa durch einen technischen Defekt der Ausrüstung, einen gerissenen Luftschlauch oder weil er verschüttet oder im Gebäude gefangen ist und die Atemluft zu Neige geht, kommt zu dem ursprünglichen Einsatz noch die Rettung von Kameraden hinzu. Laut Dienstvorschrift muss für jeden Angriffsweg ein zwei Mann starker Sicherheitstrupp mit spezieller Ausrüstung bereitstehen, um bei solchen Notfällen eingreifen zu können. Dieser hat unter anderem eine zusätzliche Atemschutzausrüstung dabei.

Tag der Feuerwehr in Rodgau

Tag der Feuerwehr in Rodgau

Im Anschluss an eine theoretische Einweisung folgte am Nachmittag die praktische Übung für Situationen, in denen ein Atemschutzgeräteträger ein Problem bekommt. Jeder muss mit der Gerätschaft so vertraut sein, dass er sie auch bei Nullsicht und anderen Widrigkeiten fehlerfrei bedienen kann. Deshalb wurden an diesem Tag auch noch andere Dinge mit in den Lehrplan einbezogen, etwa der neue Digitalfunk, das Absuchen von Räumen, der Umgang mit einem Rauchvorhang, der Einsatz der Wärmebildkamera und die Kommunikation der Einsatzkräfte. Bereits seit 2008 bildet die Feuerwehr Rodgau ihre Einsatzkräfte speziell im Umgang mit diesen Atemschutznotfällen aus. Etwa die Hälfte aller Rodgauer Feuerwehrleute gehört zu den Atemschutzträgern. Am Ausbildungskonzept ist auch die Feuerwehr aus Dietzenbach interessiert, die mit gleichem Material arbeitet. Insgesamt sei eine stärkere Kooperation mit Dietzenbach und Rödermark angestrebt, erklärte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Gröschl.

Eine Vorreiterrolle hat Rodgau auch bei dem sogenannten Sondereinsatztrupp, der sich im Aufbau befindet. Dieser Trupp aus mindestens vier Feuerwehrleuten soll mit weiterer Ausrüstung und einer Schleifkorbtrage bereit stehen, um schnell große Strecken zurückzulegen und bestmöglich zu helfen.

Quelle: op-online.de

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