Bei Lohnsteueranmeldung

Kurios! Finanzamt bucht nur einen Cent ab

Jügesheim - Die Behörde bucht bei der Lohnsteueranmeldung kuriose Minimalbeträge von einem einzigen Cent ab.

Die Kapriolen des Offenbacher Finanzamts lassen den Jügesheimer Apotheker Rudolf Kern verzweifeln. Das Amt zieht bei ihm fast jeden Monat per Lastschrift Beträge zwischen einem und vier Cent ein. Die Kosten, die Kern für jede Buchung entstehen, sind weitaus höher: jedes Mal 50 Cent.

Der Geschäftsmann kann darüber schon längst nicht mehr lachen, während sich die Bank über das Zusatzgeschäft freuen darf. Der Ärger fing mit der Umstellung des Zahlungsverkehrs auf SEPA an. Monatlich führt Kern für seine Mitarbeiter bei der so genannten Lohnsteueranmeldung diverse Beiträge wie Kirchensteuer, Lohnsteuer, den Soli ans Finanzamt ab. Das geschieht per Lastschrift. Vor der Umstellung auf SEPA reichte dafür eine einzige Abbuchung aus. Seit der Umstellung aber stückelt das Finanzamt diese Abbuchungen. Zustande kommen dabei kuriose Beträge. Im ersten Schritt bucht das Amt zum Beispiel 1 299,99 Euro ab. In einer zweiten Buchung dann einen einzigen Cent. „Mich betrifft das auch“, sagt Kerns Steuerberater Helmut Weyland aus Hanau. „Ich trage es mit Fatalismus.“

Dem Hessischen Finanzministerium ist dieses Ärgernis bekannt. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Pressestelle mit, die Aufteilung der Lastschrifteinzüge bei Steuerzahlungen sei auf die Umstellung auf das SEPA-Lastschriftverfahren zurückzuführen. Im neuen Zahlungsverfahren stünden lediglich 140 Zeichen gegenüber 378 Zeichen im alten Verfahren für den Verwendungszweck zur Verfügung. „Es ist schlicht ein Platzproblem“, sagt Pressesprecherin Nadine Gersdorf.

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Aktuell würden im Verwendungszweck die Steuernummer, die Mandatsreferenznummer und maximal vier Einzelbeträge aufgeführt. Entsprechend erfolge auch die Stückelung der Lastschrifteinzüge, „die somit grundsätzlich bei allen Steuerzahlungen erforderlich sein kann“. Lohnsteueranmeldungen seien besonders häufig betroffen, da mehrere Einzelbeträge aufgeführt werden können, also neben der Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag beispielsweise die pauschale Kirchensteuer. Gersdorf bedauerte, das Ministerium könne an dieser Situation nichts ändern. „Wir haben da keine Handhabe.“ Apotheker Kern sieht das ganz anders. „Das kann mir keiner erzählen. Die Politik muss doch Einflussmöglichkeiten haben.“

bp

Quelle: op-online.de

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