„Firefit-Championship“

Alle Rekorde gebrochen

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Zielspritzen ist noch die leichteste Übung beim Firefit-Wettbewerb. Am schwersten ist die 80-Kilo-Puppe.

Nieder-Roden - Feuerwehr als Leistungssport: Bei der „Firefit-Championship“ am Donnerstag verausgabten sich 200 Teilnehmer bis zur Erschöpfung. Pralle Sonne machte die Aufgabe noch schwerer. Die Zuschauer fieberten im Sechs-Minuten-Takt mit. Von Ekkehard Wolf 

„Du schaffst es!“ Die zierliche junge Frau ist nach den ersten Metern zu Boden gegangen. Keuchend vor Anstrengung steht sie hinter der 80-Kilo-Übungspuppe, die sie 30 Meter weit ziehen soll. Einige Teamkollegen stehen vor ihr und feuern sie an. „Los, hoch mit dem Kerl!“ Das ist leichter gesagt als getan. Die Puppe wiegt so viel wie ein ausgewachsener Mann. Die Feuerwehrfrau bringt vielleicht 50 Kilo auf die Waage und hat noch 20 Kilo Schutzausrüstung auf dem Leib.

Die junge Frau geht in die Hocke, greift unter den Armen der Puppe hindurch und versucht aufzustehen. Das ist wohl der schwerste Part. Sobald sie steht und die ersten Schritte macht, dann läuft’s von alleine - so sieht es zumindest für die Zuschauer aus. „Los jetzt, zieh, zieh!“, schreien die Teamkollegen. Der Beifall schwillt an. Die Sportlerin sammelt alle Kräfte, verlegt den Schwerpunkt, geht ein paar Schritte rückwärts und knickt wieder ein. Sie versucht mehrmals, wieder auf die Beine zu kommen. Schließlich schüttelt sie den Kopf: Nichts geht mehr. Es ist vorbei. Die Zuschauer quittieren ihre Entscheidung mit herzlichem Applaus.

Nicht nur für Leichtgewichte ist die Anstrengung mörderisch. Viele Teilnehmer schleppen sich mit letzter Kraft über die Ziellinie und fallen erschöpft auf eine dicke, blaue Sprungmatte. Die 80-Kilo-Puppe abzuschleppen, ist kein sportlicher Selbstzweck: Um Menschen vor Feuer oder Explosionsgefahr zu retten, müssen Feuerwehrleute sie notfalls aus der Gefahrenzone ziehen.

Auch die anderen Stationen des Wettkampfparcours’ orientieren sich an häufigen Aufgaben im Brandeinsatz. Schnelligkeit, Kraft und Genauigkeit sind gefragt. Im Laufschritt geht’s mit einem 19-Kilo-Schlauchpaket die 60 Treppenstufen eines Zwölf-Meter-Turms hinauf. Ein weiterer Schlauch muss per Leine hochgezogen werden. Dann gilt es mit Hammerschlägen einen mehr als 70 Kilo schweren Metallblock eineinhalb Meter weit zu bewegen. Der Hammer wird dabei so beansprucht, dass er 20 Minuten ruhen muss - sonst wird der Kunststoffüberzug zu weich. Deshalb liegen vier Ersatzhämmer bereit. Weiter geht’s: ein Sprint im Slalomlauf, ein weiterer Sprint mit einem gefüllten Schlauch über der Schulter. Beim Zielspritzen treffen die meisten Teilnehmer so genau, dass die Zuschauer nur ein bisschen Sprühnebel abbekommen.

Fotos: 200 Teilnehmer bei „Firefit-Championship“ in Rodgau

Das Schlimmste kommt zum Schluss: Wenn sich die Sportler so richtig verausgabt haben, müssen sie noch die schwere Puppe wuchten und 30 Meter rückwärts ziehen. Moderator Tobias Schott spart nicht mit aufmunternden Bemerkungen: „Nur noch zehn Meter, dann hast du’s geschafft!“ Die Stoppuhr stoppt. Der abgekämpfte Sportler lässt sich auf die weiche Matte fallen. Diensteifrige Hände öffnen den Reißverschluss der dicken Nomexjacke, lösen den Anschluss der Pressluftflasche und nehmen die Atemmaske ab. Darunter kommt ein hochroter Kopf zum Vorschein. Der Schweiß strömt aus allen Poren. Geschafft! Etwa 200 Feuerwehrleute meistern den Parcours. Die beiden Schnellsten sind nach 1:34 Minuten fertig. Nach sechs Minuten stoppt die Uhr auch für den Langsamsten.

Hinter dem Wettkampf steht eine ausgefeilte Logistik. Ein ganzes Regal voller Pressluftflaschen steht bereit, damit jeder Teilnehmer des Einzelwettkampfs eine frisch gefüllte Flasche erhält. Die benutzten Atemmasken werden an Ort und Stelle desinfiziert. 30 Helfer sind „Für Sie im Einsatz“, wie die Aufschrift auf den orangefarbenen T-Shirts verrät. Weitere 90 Freiwillige helfen beim Feuerwehrfest, das die Firefit-Championship umrahmt. Gegen 21 Uhr ist das meiste wieder abgebaut. Sebastian Murmann, der den Wettbewerb organisierte, ist zufrieden: „Es gab keine Verletzten. Der Zeitplan hat gehalten.“ Die Staffel aus Rodgau-Süd „Pride of Southside“ freut sich über den 7. Platz unter 16 Mannschaften. Getränke, Crêpes, Steaks und Würste fanden reißenden Absatz. Murmann: „Das Fest hat alle Rekorde gebrochen.“

Quelle: op-online.de

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