Fluglärm-Messstelle Weiskirchen

Nachtruhe auch ohne Lärmpause

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Rodgau - Von den nächtlichen „Lärmpausen“ für Anlieger des Frankfurter Flughafens hat die Bevölkerung Rodgaus bisher nichts. Das hat eine Auswertung der Fluglärm-Messstation an der Schillerstraße ergeben.

Ruhiger wird es nicht. Der Grund: Die neue Idee zur Lärmverteilung wird ausschließlich in Betriebsrichtung West erprobt. Die Flugzeuge, die in Weiskirchen zu hören sind, starten jedoch in Richtung Osten. Das „Bündnis für Lärmpausen“ wurde im Februar zwischen dem Land Hessen und Vertretern der Luftfahrtbranche abgeschlossen. Es soll die Nachtruhe in besonders belasteten Gebieten um eine Stunde verlängern. Dazu werden in den Randstunden vor und nach dem Nachtflugverbot nur bestimmte Start- und Landebahnen genutzt. Das betrifft die Zeit von 22 bis 23 Uhr und von 5 bis 6 Uhr. Seit 25. April wird diese Methode für ein Jahr erprobt.

„Keine Auswirkungen in Rodgau“, berichtete Jutta Lusert vom Fachdienst Stadtplanung und Umwelt am Dienstag im städtischen Umweltausschuss: „Bei Westbetrieb werden in den Nachtrandstunden keine Überflüge über Rodgau gemessen.“ Ein einziger Ausreißer im Mai sei Schleifen geflogen, um Zeit zu schinden: „Er war schlicht und einfach zu früh.“ Die abwechselnde Freigabe der Landebahnen könne den Fluglärm ohnehin nicht mindern, sondern nur verteilen, merkte Jutta Lusert kritisch an: „Wenn der eine entlastet wird, muss der andere ein bisschen mehr ertragen.“

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Das „Bündnis für Lärmpausen“ ist ein Teil einer Reihe an wohlklingenden Vereinbarungen, um die Menschen in der Umgebung des Großflughafens vor allzu starkem Fluglärm zu schützen. Bereits vor dem Bau der Nordwestbahn gab es 2007 einen „Anti-Lärm-Pakt“, später dann ein „Maßnahmenpaket aktiver Schallschutz“ (2008 bis 2010) und eine „Allianz für Lärmschutz“ (2012).

Die bisher wichtigste Schallschutzmaßnahme geht allerdings nicht auf eine politische Entscheidung, sondern auf einen Richterspruch zurück: Das Bundesverwaltungsgericht sprach den Fluglärm-Betroffenen 2012 wenigstens sechs Stunden Nachtruhe zu. Zwischen 23 und 5 Uhr dürfen in Frankfurt keine Flugzeuge starten oder landen. Zumindest theoretisch. Ein Umweltausschussmitglied brummte vernehmlich: „Aber es gibt ja ständig Ausnahmen.“

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eh

Quelle: op-online.de

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