Forstamt holt Holzernte nach

Alle 60 Sekunden fällt ein Baum

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Volle Konzentration braucht Peter Hohmann im Führerstand des Harvesters. Die 15 Tonnen schwere Maschine fällt und verarbeitet Bäume im Minutentakt. Mit zwei Joysticks und unzähligen Knöpfen steuert Hohmann alle Funktionen.

Nieder-Roden - Die großen Bäume fallen im Minutentakt. Im Stadtwald am Rassegeflügelzuchtverein Nieder-Roden wird die Holzernte nachgeholt, die im Winter und Frühjahr wegen des nassen Bodens ausgefallen war. Von Ekkehard Wolf

Spaziergänger und Radfahrer zwischen Nieder-Roden und Ober-Roden müssen Umwege in Kauf nehmen. Aber nur für kurze Zeit: Mit speziellen Maschinen dauert es nur zwei Wochen, um 18 Hektar Wald zu durchforsten. Vater und Sohn erledigen zu zweit, wofür man früher eine ganze Kolonne an Holzfällern brauchte. Peter und Thomas Hohmann aus Jossgrund im Spessart fällen die Bäume und stapeln die Stämme am Rand der Waldwege. Die Bäume knicken wie Blumen, die man auf der Wiese pflückt. Die Holzerntemaschine (Harvester) sägt den Baum ab, entfernt die Äste und schneidet den Stamm auf die gewünschte Länge - und das alles in 60 Sekunden.

Drei Meter über dem Boden sitzt Peter Hohmann im Führerstand. Er steuert den Harvester mit zwei Joysticks und unzähligen Knöpfen. Dazu braucht er Fingerspitzengefühl und Reaktionsschnelligkeit wie ein versierter Computerspieler. Manche Entscheidungen muss er blitzschnell treffen. Ein Beispiel: Während der Maschinenkopf die Äste abfräst, misst er alle zehn Zentimeter die Dicke und die Krümmung des Stamms. Daraus errechnet ein Computer, an welchen Stellen der Stamm geschnitten werden soll. Peter Hohmann muss entscheiden, ob er diesem Vorschlag folgt - denn auch der Computer kann sich irren.

Dank der extrem beweglichen Maschine kann Peter Hohmann auch steuern, in welche Richtung ein Baum fallen soll - nämlich dorthin, wo gerade eine Lücke ist. So könne man Bäume in chirurgischer Präzision entfernen, sagt Forstamtsleiter Christian Münch. Jeden einzelnen Baum zur Ernte hat Revierförster Peter Bangert zuvor ausgesucht. Die rot markierten Kiefern und Buchen sollen fallen, damit sich die Bäume mit der schwarzen Banderole besser entfalten können.

Baumhausunterkünfte in Deutschland

Thomas Hohmann, der Sohn, holt die Baumstämme aus dem Wald, sortiert sie je nach Verwendungszweck und stapelt sie am Wegrand. Auch sein Arbeitsgerät, der Rückezug, ist voll von Technik und sehr beweglich. Beide Maschinen verfügen über überdimensionale Breitreifen, die den Druck auf den Waldboden verteilen. Die Zeiten, in denen Forstmaschinen eine Mondlandschaft hinterließen, sind offenbar vorbei. Der Boden werde sich rasch wieder erholen, sagt Forstamtsleiter Münch.

Rücksicht auf den Boden ist auch der Grund, warum die Durchforstung erst jetzt im Hochsommer erfolgt. Das Waldgebiet nahe der Geflügelzuchtanlage sei „die nasseste Ecke, die es im Stadtwald Rodgau gibt“, so Münch: „Im Winter konnten wir die Fläche nicht bearbeiten.“ Wie in einer Badewanne habe sich die Nässe gestaut. Jetzt hingegen sei der Waldboden trocken und fest - die beste Voraussetzung, um Schäden zu vermeiden. Mitte August beginnt die Holzabfuhr: 1 000 Festmeter, etwa 40 Lastwagen voll. Danach will das Forstamt den derzeit gesperrten Birkenweg mit einer neuen Oberfläche herrichten: als „ideales Biotop für Radfahrer, Jogger und sonstige Waldnutzer“, wie Christian Münch sagt.

Quelle: op-online.de

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