Training in der Feuerhölle

Heißer als im Backofen: Freiwillige Feuerwehr übt in Brandcontainern

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Nach dem Training in den Flammen haben die Feuerwehrleute nur einen Wunsch: Wasser!

Weiskirchen - Es brennt im Haus, die Fenster splittern, plötzlich dringt Luft ein und stachelt die Flammen erst richtig an. Was dann passiert, nennen Feuerwehrleute einen „Flash-over“: Die Flammen zünden durch und breiten sich schlagartig aus.

Hinter der geöffneten Tür brennt es lichterloh: Im Brandraum herrschen Temperaturen um 800 Grad.

Eine solche Feuerwalze erlebten 17 Feuerwehrleute aus Rodgau bei einer ungewöhnlichen Fortbildung. Beim Praxistraining in speziellen Metallcontainern löschten sie brennende Holzpaletten - bei einer Hitze, die stärker als im Backofen ist. Das „International Fire & Rescue Training“ in Külsheim (Baden-Württemberg) klingt recht harmlos. Doch auf die Männer aus Rodgau wartete harte Arbeit bis an die Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit. 15 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Rodgau-Nord und zwei Kollegen aus Rodgau-Mitte übten den so genannten Innenangriff. Die Weiskircher haben wenig Gelegenheit, bei Einsätzen praktische Erfahrungen zu sammeln. Seit Anfang des Jahres mussten sie 25 Mal ausrücken, davon zu drei kleineren Bränden. Bei Löscharbeiten in Gebäuden kann es zu schweren Unfällen kommen, wie Wehrführer Dieter Horch berichtet. Um das Risiko zu senken, hat sich die Feuerwehr Nord zusätzlich zur normalen Ausbildung für diese Art der Fortbildung entschieden. Nach dem Tag waren sich alle einig: Alle Einsatzkräfte, die unter Atemschutz arbeiten, sollten ein solches Training absolvieren. Allerdings kostet das eine Stange Geld: Der Feuerwehrverein Weiskirchen bezahlte dafür rund 4500 Euro.

Nach einer theoretischen Einweisung mussten sich die Teilnehmer erst an die Wärme gewöhnen. In einem Raum mit brennenden Holzpaletten setzen sie sich auf den Boden, um den Brandverlauf zu beobachten und die Temperaturverteilung zu erkennen. Als der Brandraum aufgeheizt war, wurde die Tür geöffnet und Rauch breitete sich bis zur Kopfhöhe aus. Dann demonstrierten die Ausbilder einen „Flash-over“: Sie verschlossen den Brandraum, um dem Feuer Sauerstoff zu entziehen, und öffneten die Tür dann wieder. „Plötzlich zischte eine Feuerwalze über unsere Köpfe“, schildert Dieter Horch. Die Einsatzkräfte duckten sich, bis sie am Boden kauerten. Im vorderen Teil der Anlage herrschten Temperaturen um die 300 Grad, die ohne Schutzkleidung nicht auszuhalten sind. Im Brandraum war es noch viel heißer: etwa 800 Grad. Wegen der starken Hitze wechselten sich die Feuerwehrmänner von vorne nach hinten ab.

Beim Umgang mit dem Strahlrohr kommt es auf die richtige Technik an, damit man effizient löschen kann, ohne sich allzu sehr in Gefahr zu bringen. Das erlebten die Rodgauer in der nächsten Übung. Zwei Männer und ein Ausbilder krochen in einen Brandraum, in dem ein offenes Feuer aus Holz lichterloh brannte. Allein schon die Hitze war grenzwertig. Dann musste das Feuer mit dem Strahlrohr niedergeschlagen werden. Die meisten waren beeindruckt, wie man mit wenig Wasser und der richtigen Technik ein Feuer dieser Größe unter Kontrolle bringen kann. Dabei stelltem die Teilnehmer auch fest, dass der Grundsatz „Viel hilft viel“ nicht immer gut ist: Zu viel Wasser bildet große Mengen an heißem Dampf. Die Folgen sind schmerzhaft.

Bilder: Übung der Feuerwehr in Brandcontainern

„Wer gedacht hatte, das Schlimmste hätten wir hinter uns, der wurde eines Besseren belehrt“, berichtet Dieter Horch. „Als die Brandräume mit Brennholz wieder ordentlich aufgeheizt waren und der Rauch aus allen Löchern der Türen herauskam, mussten zunächst zwei Männer das Feuer bekämpfen, Türen öffnen, bei denen man nicht wusste, was dahinter ist. Keine Sicht und die Hitze machten die Sache nicht einfach, aber alle stellten sich der Herausforderung mit Bravour.“ Ihre Belastungsgrenze erreichten die Rodgauer im letzten Durchgang, bei dem sie in Dreiergruppen erst eine Treppe hinaufklettern und nach einigen Räumen zum Brandherd hinabsteigen mussten - das alles mit 30 Meter Schlauch und bei grenzwertiger Hitze. Dennoch schafften es alle, das Feuer erfolgreich zu bekämpfen. Danach waren sie buchstäblich am Ende: körperlich erschöpft, schweißüberströmt und in rußgeschwärzter Kleidung. Der erste Wunsch: Wasser! Und dann ging’s unter die Dusche.

Nächstes Jahr will die Feuerwehr Rodgau-Nord dieses Praxistraining nochmals anbieten. Dann kommen alle Einsatzkräfte an die Reihe, die diesmal nicht mitfahren konnten.

eh

Quelle: op-online.de

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