Gärtnerei Fischer

Gewächshaus als Konzertsaal

+
Noch sind die Stuhlreihen im Gewächshaus leer. Am nächsten Wochenende wird sich das aber schlagartig ändern. Dann kommen pro Konzertabend 500 Gäste: ausverkauft! - Fotos: Pelka

Rodgau - Die Kamelienkonzerte in der Gärtnerei Fischer in Dudenhofen gehören zu den herausragenden Ereignissen in der Region. Bevor jedoch zwischen Tausenden Blüten fulminanter Bläserklang des Musikvereins Dudenhofen ertönt, ist es ein harter Weg der Vorbereitung. Von Bernhard Pelka

Vier Wochen klotzen Ralf und Bernd Fischer, deren ganze Familie, alle Mitarbeiter der Traditionsgärtnerei und der Musikverein ran, um es den jeweils 500 Gästen an zwei Abenden so schön wie möglich zu machen. Parallel läuft der Gärtnereibetrieb weiter: ein enormer Aufwand und eine große Leistung!

Gut 500 Kamelienpflanzen müssen in die Hand genommen, umgestellt und immer wieder gepflegt werden, bis die einmalige Konzertatmosphäre entsteht. Manche Pflanzen aus der erlesenen Sammlung der Fischers sind bereits 85 Jahre alt, gut fünf Meter hoch und inklusive Ballen 800 Kilogramm schwer. Da muss schon ein Gabelstapler her, bis die imposanten Gewächse die extra fürs Konzert im Gewächshaus aufgebaute Bühne eindrucksvoll flankieren. Die kleineren Kamelien säumen den Weg der Gäste durch die Produktionsgewächshäuser bis zum Konzertsaal. Dort erwartet die Zuhörer ein Meer aus Blüten, Formen und Farben. Die Vielfalt der rund 50 Sorten ist enorm. Wenn das keine Frühlingsgefühle weckt.

Ralf und Bernd Fischer (rechts) verhüllen die Eintopfmaschine mit einer großen Stoffbahn. Beim Konzert wird von den gärtnerischen Produktionsanlagen nichts mehr zu sehen sein.

Eigentlich dient der Veranstaltungsort als Überwinterungsquartier für Pflanzen. Auch steht dort die Maschine, mit der die Gärtner ihre farbenfrohe Handelsware eintopfen. Davon ist beim Konzert freilich nichts zu sehen. Mächtige Stoffbahnen verdecken die Eintopfmaschine. Und die teils terrassiert angeordneten Kamelien bilden einen stilvollen Sichtschutz. Auf den Punkt genau sollen sie blühen. Das zu erreichen, ist eine Wissenschaft für sich. Die Brüder Fischer beherrschen sie aus dem Effeff. Sie spielen mit der Luftzufuhr und der Temperatur in den Gewächshäusern. Sie räumen die Pflanzen beim ersten schönen Wetter ins Freie, damit sie Licht bekommen. Und wenn’s Frost gibt, wieder herein.

Sofern es in den Wochen vorm Konzert zu früh zu warm wird, ist das ein echtes Problem. Dann öffnen sich die Blüten womöglich zu schnell. Und der Zauber ist fast schon vorbei, wenn die Gäste kommen. „Bis jetzt hat’s aber immer geklappt“, freut sich Bernd Fischer.

So wirkt Musik auf unsere Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Die Kamelienkonzerte gibt es seit 14 Jahren. Entstanden waren sie aus der musikalischen Beteiligung des Musikvereins Dudenhofen am alljährlichen Frühlingsfest der Fischers. Dann kam die Idee auf, diese Zusammenarbeit auszuweiten. Daraus wurde im Lauf der Jahre immer mehr. Anfangs reichte ein einziger Termin, heute sind es dank großer Nachfrage zwei.

Hinzu kommt seit fünf Jahren eine zweite Kunstform im Gewächshaus: Theater. Regisseurin Tanja Garlt aus Jügesheim und ihr „Theater total“ und der Impuls Kulturverein machen vor der herrlichen Kulisse immer im März ein ausgezeichnetes Programm. Auch da spielen die Kamelien – zumindest bei der Dekoration – eine tragende Rolle.

Die Familie Fischer freut’s, dass sich der große Aufwand dank zweier Konzerte und drei Theaterabenden pro Jahr „inzwischen richtig lohnt“. Ihr Kerngeschäft haben die Gartenexperten darüber natürlich nicht vergessen. „Ein bisschen Gärtnern tun wir auch noch“, sagt Ralf Fischer mit vornehmer Untertreibung.

Quelle: op-online.de

Kommentare