Projekt „Hospizarbeit macht Schule"

Gartenstadtschüler nähern sich Thema Tod

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Beim Projekt „Hospiz macht Schule“ haben die Drittklässler an der Gartenstadtschule auch einen „Lastentanz“ gelernt. Zuerst bedrückt und schwer beladen, finden alle wieder zurück zu Lebensfreude. Mit von der Partie waren auch Hospizhelfer und Gäste aus der K&S-Seniorenresidenz.

Nieder-Roden - Ohne den Tod ist das Leben nicht denkbar. Für 20 Grundschüler aus Nieder-Roden ist diese abstrakte Wahrheit ein Stück greifbarer geworden.

Sieben ehrenamtliche Helfer von der Hospizgruppe der Johanniter hatten fünf Schultage lang ihr Bestes getan, dem Angstthema Sterben den Schrecken zu nehmen. Drittklässler der Gartenstadtschule haben ihre Erfahrungen im Umgang mit Tod und Trauer in einer Projektwoche verarbeitet. Die Ergebnisse stellten sie mit ihrer Klassenlehrerin Kerstin Schuckmann und den Sterbebegleitern der Johanniter Unfallhilfe jetzt vor.

Selbst gemalte Bilder, die in der benachbarten K&S-Seniorenresidenz in einer Ausstellung präsentiert werden, ein Tanz, bei dem alle zuerst wie unter schwerer Last gebeugt zu neuer Lebensfreude finden – wie bei anderen Schulprojekten gaben solche Ausdrucksmittel auch bei der Präsentation der Klasse 3b in der Aula Einblick in die nach Worten Schuckmanns äußerst intensive Schulwoche. In kleinen Gruppen, begleitet jeweils von einem bis zwei Hospizhelfern, tasteten sich die Kinder über eigene Erfahrungen an das sensible Thema heran. Vom Onkel aus, der vor zwei Jahren starb ist. Über den Opa, der schwer krank geworden ist. Oder auch, ganz aktuell, den Anschlag in Afghanistan. Einer der Schüler stammt aus Masar-i-Scharif, wo eine Bombe vier Menschen getötet hat.

Beim Begreifen und Ergründen hilft Willi, der im Film „Willi will’s Wissen“ auf dem Friedhof an einem frischen Grab die Spur aufnimmt. Auch die Eltern, Geschwister und Großeltern verfolgten gespannt, wie Willi schaufelnden Arbeitern, trauernden Angehörigen, dem Pfarrer und dem Bestattungsunternehmer begegnet und mithilft. Alle treffen sich bei der Beerdigung. Ärzte, Pflegekräfte und alte Menschen sprechen über den Tod. Offen bleiben muss nur eine Frage: Wie geht es weiter, wenn der Weg in den Fluss übergeht? Der Geistliche macht Mut, hat aber keine Gewissheit zu bieten: „Zurück gekommen ist noch keiner.“

Schon zum vierten Mal fand die Projektwoche mit Drittklässlern an der Gartenstadtschule statt. „Wir sind sehr dankbar für das Vertrauen, das uns die Schulleitung entgegen bringt“, sagt Doris Siepmann, die mit Otto Fuchs, Maria Blank-Schmidt, Petra Buchholz, Ingetraud Kühlborn, Sieglinde Görlich und Michael Roth das Hospiz-Team bildete. Nach Worten von Winfried Schoßer, der beim Regionalverband der Johanniter Unfallhilfe die ambulante Hospiz- und Palliativarbeit koordiniert, hat das fünftägige Projekt eine lange Vorgeschichte.

Erstes Mehrgenerationen-Hospiz in Deutschland eröffnet

Zum ersten Mal kamen die Ehrenamtlichen bereits im Juni 2013. Neu erfinden mussten die Rodgauer das Konzept nicht: Laut Schoßer kam es unter dem Titel „Hospiz macht Schule“ aus Nordrhein-Westfalen, wurde 2008 bundesweit bekannt und wird inzwischen in allen Bundesländern angeboten. Ziel sei immer, die Themen Tod und Sterben altersgerecht und unabhängig von religiösen Erklärungsmustern zu deuten. Die Kleingruppen, die von den ehrenamtlichen begleitet und gesteuert werden und an jedem der fünf Tage einen anderen Themenkreis beleuchten, böten den Schülern nicht zuletzt einen „geschützten Raum“ für ihre eigenen Fragen. Voraus gehen Vortreffen und jeweils ein Elternabend. Kontakt und Gespräch mit den Familien sind laut Schoßer unverzichtbar: „Uns interessiert immer, was die Kinder zu Hause erzählen.“

In weiterführenden Schulen gehören auch Exkursionen zu Bestattern, auf Friedhöfe und in stationäre Hospize zum Programm. Kontakt finden Interessierte auf www.juh-offenbach.de, per E-Mail an hospiz.offenbach@johanniter.de oder Telefon 06106/871025. (rdk)

Quelle: op-online.de

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