Autodichte auf der Ortsdurchfahrt nimmt zu

Gedränge wie in der Großstadt

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Auf der Schillerstraße sind Rücksicht und Geduld gefragt. Auf der schmalen Fahrbahn sind Parkplätze eingezeichnet, um den Verkehr zu bremsen.

Weiskirchen - Mehr Autos auf der Ortsdurchfahrt Weiskirchen erwartet das Ingenieurbüro Habermehl und Follmann in den nächsten Jahren. Dennoch raten die Fachleute von einer Verkehrsberuhigung ab: Der Verkehr werde dadurch nur auf Nebenstraßen verlagert. Von Ekkehard Wolf 

Stattdessen empfiehlt das Büro einen Umbau der Einmündung Alfred-Delp-Straße. Seit dem Verkehrsgutachten zur Rodgau-Ringstraße (2013) ist die errechnete Belastung der Ortsdurchfahrt Weiskirchen um 550 bis 1 200 Fahrten pro Werktag gestiegen. Je nach Straßenabschnitt sind die Werte unterschiedlich hoch. Die Prognose für 2020 enthält sowohl die vier neuen Wohngebiete als auch vier zusätzliche Gewerbestandorte, die für die nächsten Jahre geplant sind. „Der wesentliche Teil des Verkehrsaufkommens ist sozusagen hausgemacht“, sagte Ingenieur Edwin Mayer am Dienstag im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtparlaments. Nur bei einem Fünftel der Fahrten auf der Hauptstraße handele es sich um Durchgangsverkehr.

Autos aus Weiskirchen müssen an der Einmündung Alfred-Delp-Straße regelmäßig warten. Eine andere Ampelschaltung oder ein Kreisverkehr könnten das ändern.

„Eine Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt können wir nicht empfehlen“, lautete Mayers Fazit. Die klassischen Maßnahmen wie wechselseitiges Parken, Fahrbahnschwellen oder Tempolimits bringen nach dem Ergebnis der Berechnungen keine Vorteile für Weiskirchen: Während die Hauptstraße entlastet wird (um 1 700 bis 4 250 Fahrten am Tag) steigt die Belastung der Hainhäuser Straße und anderer Straßen im Ort. „Es kommt zu Verdrängungseffekten innerhalb des Stadtteils“, so Mayer. Allerdings sei auch zu erwarten, dass sich 1 200 Fahrten auf die Bundesstraße 45 verlagern.

Verkehrsberuhigung bedeutet üblicherweise, den Widerstand für den fließenden Verkehr zu erhöhen. Wie sich das aus Autofahrersicht anfühlt, ist täglich auf der Schillerstraße zu erleben. Die eingezeichneten Parkplätze an der Apotheke und am Haus St. Peter führen dazu, dass Fahrer anhalten müssen, um den Gegenverkehr durchzulassen. „Abends um 17 Uhr ist es in Weiskirchen lebensgefährlich“, sagte Anette Schweikart-Paul (CDU) im Umwelt- und Verkehrsausschuss. Ob Bahnhof-, Haupt- oder Schillerstraße: Das Gedränge der Autos sei teilweise schlimmer als in Frankfurt.

Kuriose Unfälle in der Region

Von Rücksichtslosigkeit auf den Straßen berichtete Bürgermeister Jürgen Hoffmann. „Wenn man hinter einem parkenden Auto hält, um das entgegenkommende Auto durchzulassen, wird man angehupt.“ In allen Stadtteilen seien die Ortsdurchfahrten stark belastet, „weil der gemeine Rodgauer am liebsten durch Rodgau durchfährt“. Umgehungsstraßen wie B 45 und Rodgau-Ringstraße würden oft nicht genutzt.

Um Weiskirchen vom Verkehr zu entlasten, empfiehlt Ingenieur Edwin Mayer, den Verkehrsfluss an der Einmündung Alfred-Delp-Straße in der Nähe der Rußfabrik zu verbessern. Die Stadt könne das auf zwei Wegen erreichen: entweder mit einem Kreisverkehr (Kosten: 570.000 Euro) oder mit einer Optimierung der Ampelanlage (40.000 Euro).

Quelle: op-online.de

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