Gewerbegebiet „Lichte Haide“

Neubewertung kann zu Einbußen führen

Weiskirchen - Der Grundstückspoker um das Gewerbegebiet „Lichte Haide“ (W 18) neben dem Selgros-Großmarkt geht weiter. Die Stadtverordneten sollen am Montag beschließen, die Baulandumlegung einzuleiten. So will es der Magistrat. Von Ekkehard Wolf 

Der Beschluss soll den Weg dafür frei machen, dass die Stadt eine größere zusammenhängende Fläche in die Hand bekommt. Die damit verbundene Neubewertung könnte für manche Eigentümer ein böses Erwachen bedeuten. Seit zweieinhalb Jahren versucht die Hessische Landgesellschaft (HLG) im Auftrag der Stadt die Grundstücke zwischen Selgros und Autobahnmeisterei aufzukaufen. Dabei stößt sie jedoch an Grenzen. Östlich des Häuser Wegs sind ungefähr 30.000 Quadratmeter durch Optionsverträge blockiert. Insgesamt ist das Gebiet W 18 gut 70 .000 Quadratmeter groß – und nicht 41.000, wie vor zwei Wochen irrtümlich berichtet. Ein Viertel davon (18.175 Quadratmeter) hat die HLG bereits gekauft. Nun will sie ein bundeseigenes Grundstück erwerben, das fast ebenso groß ist. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) fordert jedoch eine amtliche Wertermittlung.

Der Bodenrichtwert für Gewerbeland liegt in Rodgau bei 150 Euro pro Quadratmeter. Die HLG hat aber nur 55 Euro bezahlt. Diesen Betrag hatte das Stadtparlament 2012 festgelegt. Da sich der Gutachterausschuss an den tatsächlich gezahlten Kaufpreisen orientiert, dürfte der Bodenrichtwert sinken. „150 Euro sind nicht zu erzielen“, weiß Ortsgerichtsvorsteher Helmut Trageser, zu dessen Aufgaben es gehört, Grundstückswerte zu schätzen. Manche Eigentümer hätten sich mehr als 55 Euro erhofft – vor allem jene, die ein Grundstück geerbt haben. Sie mussten Erbschaftsteuer auf der Basis eines Richtwerts von 150 Euro pro Quadratmeter bezahlen. „Das ist richtig heftig“, sagt Helmut Fecher, der einige Betroffene kennt.

„Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, dass die HLG das Gelände aufkauft“, sagt Fecher. Es sei am besten, das Gewerbegebiet in einem Stück zu vermarkten. Das sieht auch ein anderer Eigentümer so, der nicht namentlich genannt werden will. Er rät der Stadt, bis zum Ablauf der Optionsverträge im Februar zu warten. Zudem sei eine Baulandumlegung witzlos: Der Bebauungsplan sei ohnehin nicht so realisierbar, wie er 1998 beschlossen worden sei.

Baustelle im Gewerbegebiet

Es gebe einen ernsthaften Interessenten, hatte Bürgermeister Jürgen Hoffmann im November gesagt. Auf der anderen Seite gibt es die Kaufoption auf etliche Grundstücke zugunsten von Joram Wolf und seiner Firma Comet in Frankfurt. Im Sommer 2014 sprach Wolf von einem „Megastore“ für Gebrauchtwagen mit 90.000 Quadratmetern Nutzfläche in Sichtweite der A3. Seither ist es um dieses Projekt ruhig geworden. Vor drei Monaten meldete die „Automobilwoche“ jedoch, der Investor wolle „den deutschen Gebrauchtwagenmarkt umkrempeln“. Und wo? „In Rodgau bei Frankfurt.“

Quelle: op-online.de

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