Mit heißem Wasser gegen unerwünschtes Grün

„Glyphosat braucht man nicht mehr“

Rodgau - Ganz ohne Gift macht sie unerwünschten Gräsern und Moosen den Garaus: Erika Tiedemann aus Altenstadt bei Friedberg bekämpft Unkraut mit heißem Wasser. In Rodgau arbeitet sie seit Jahren mit Erfolg. Von Ekkehard Wolf 

Erika Tiedemann bei der Arbeit vor dem Rathaus Jügesheim: Nicht der Schaum, sondern die Hitze tötet Moos & Co.

„Vorsicht mit den Füßen“, warnt die Frau mit der Heißwasserlanze, als sie gestern den Platz vor dem Rathaus bearbeitet. Mit dem siedend heißen Wasser würde man sich sonst Brandblasen holen. Sie selbst trägt schwere Schuhe, um sich zu schützen. Geht das wirklich ganz ohne Gift? Die Frage liegt nahe, denn aus den Sprühdüsen kommt ein feiner, weißer Schaum. „Das ist ein biologisches Mittel“, sagt Erika Tiedemann: „Man kann dafür kein Spüli nehmen, es zerfällt bei der Hitze.“ Nicht der Schaum, sondern die Hitze mache den Pflanzen den Garaus. Der Schaum diene lediglich als Wärmedämmung. Die feinen Bläschen sollen das Wasser noch ein bisschen länger heiß halten, damit es in die Fugen eindringen kann - etwa einen Zentimeter tief. Dort sitzen die feinen Wurzeln und bei manchen Kräutern die Samen.

An Gräsern und Blättern sieht man den Effekt sofort: Sie lassen die Blätter hängen und verfärben sich. „Das Eiweiß platzt. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen“, erklärt Erika Tiedemann. Auch das Moos in den Pflasterfugen vor dem Rathaus ist kaputt: „In einer Woche können Sie es einfach wegkehren. Es hat dann keinen Halt mehr.“ Erika Tiedemann und ihre Mitarbeiterin bearbeiten Fuge für Fuge. Im Tank ihres Fahrzeugs haben sie 2 000 Liter Wasser mitgebracht: „Damit können wir drei Stunden nonstop hantieren.“ Je nach Untergrund arbeitet das Team mit einer anderen Technik: Dampf, Infrarot, heiße Luft und das klassische Abflämmen zählen dazu.

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Vor sechs Jahren war Erika Tiedemann eine Vorreiterin in ihrer Branche. Spätestens seit der Glyphosat-Diskussion ist „giftfrei“ ein Riesenthema. Für die Altenstädterin steht fest: „Glyphosat braucht man nicht mehr. Es ist nicht billiger, wenn man ehrlich ist.“ Die Gerätschaften sind teuer - bis zu 200.000 Euro für ein spezielles Fahrzeug. Das lohnt sich nur, wenn man es täglich einsetzt. Erika Tiedemann und ihre Mitarbeiter sind in ganz Hessen unterwegs. In Kassel bezwangen sie sogar den Herkules: Mit einer besonderen Konstruktion schafften sie es, siedend heißes Wasser über 180 Meter Höhenunterschied zu befördern. Sie säuberten die langen Treppen und die steinernen Kaskaden, die sich über 250 Meter erstrecken.

Mit ihrer Arbeit bringt Elke Tiedemann viele schöne Orte in Hessen wieder zum Strahlen. Nach Rodgau kommt sie besonders gern: „Die Stadt Rodgau ist mit mein ältester Kunde. Da würde ich nie einen Auftrag ablehnen.“

Quelle: op-online.de

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