Heizung der Zukunft in Jügesheim

Wärme ohne Schadstoffe

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In dem unscheinbaren Blechkasten steckt eine ultramoderne Heizung. Günter Friedrich kann sie per Computer steuern.

Rodgau -  Energie aus der Brennstoffzelle bringen Laien gewöhnlich mit der Autoindustrie in Verbindung. Der Jügesheimer Günter Friedrich aber nutzt eine Brennstoffzelle als Heizung für sein Haus an der Lessingstraße. In Südhessen ist das die erste Anlage dieser Art. Von Bernhard Pelka 

Der Diplomingenieur ist Innovationen gegenüber schon von Berufs wegen grundsätzlich aufgeschlossen. Da war’s für ihn kein großes Abenteuer, sich auf das Brennstofzellen-Heizgerät der Firma Viessmann einzulassen. Auch wenn schon ein bisschen Pioniergeist dazu gehört.

Moderne Brennstoffzellentechnologie kommt unscheinbar und einfach daherkommt. Und ist trotzdem so raffiniert und effizient. Wasserstoff und Sauerstoff. Mehr braucht’s nicht, um Strom und Wärme zu erzeugen. Basis dafür ist die kontrollierte chemische Reaktion dieser beiden Stoffe. Sie läuft zwischen zwei Elektroden ab. An der Anode wird Wasserstoff zugeführt, den ein Reaktionsbeschleuniger in positive Ionen und negativ geladene Elektronen spaltet. Die Elektronen wandern zur Kathode – und es fließt Strom. Gleichzeitig gelangen die positiv geladenen Wasserstoffionen zur Kathode. Dort verbinden sie sich mit Sauerstoff zu Wasser – und Wärme wird freigesetzt. Sie dient der Frischwassererwärmung und dem Heizen der Räume. Günter Friedrichs Brennstoffzellenheizung produziert also im Wege der Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme zugleich. Und das ohne jeglichen Schadstoffausstoß. Integriert ist die Brennstoffzelle in ein Heizsystem mit Gas-Brennwertgerät.

Diese Kombination ist in Deutschland noch Neuland. In Japan hingegen (dort produziert Panasonic das Brennstoffzellenmodul der Heizung) wärmt diese umweltfreundliche Innovation bereits 34.000 Haushalte. „Mich haben mein Heizungsbauer, das Einsparpotenzial, die faszinierende Technik und die Fördermöglichkeiten überzeugt“, schildert Günter Friedrich seine Motive. Eine herkömmliche Heizung hätte für sein Haus etwa 12.000 Euro gekostet. Das Brennstoffzellengerät schlug hingegen mit 40 000 Euro zu Buche. Das hessische Wirtschaftsministerium aber fördert die Anlage mit bis zu 50 Prozent der Gerätekosten. „Eine Zusage liegt vor, nur gezahlt haben sie noch nicht“, wundert sich Friedrich. Schließlich heizt das Gerät bei ihm schon seit Ende Oktober alle Zimmer. Und das bisher ohne Störung.

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Attraktiv macht die Sache auch die Hilfe des Gaslieferanten Maingau Energie. Das Unternehmen bezuschusst unter anderem zehn Jahre lang die Wartungskosten. „Das ist die erste Anlage dieser Art, die wir fördern. Wir wollen da innerhalb unseres Netzgebietes aber künftig aktiv werden“, kündigt Marketing-Chefin Petra Scondo an. Interessant ist die Anlage auch wegen der Stromgewinnung. Pro Kilowattstunde erhält Günter Friedrich 5,4 Cent Vergütung. Auch der Gaspreis wird bezuschusst. Und sogar das Finanzamt spielt mit. Die Heizung kann zehn Jahre lang abgeschrieben werden.

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Quelle: op-online.de

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