Wege zum guten Ei

Gutes Gewissen im Eierbecher

Jügesheim - Das gute Gewissen isst mit: Eier und Fleisch aus der bäuerlichen Landwirtschaft sind zunehmend gefragt - ein Gegenmodell zur Billigware aus der Massentierhaltung. In Jügesheim kann man sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass es den Tieren gut geht. Von Ekkehard Wolf 

„Wir haben wieder Bio-Eier“, verkündet eine Tafel vor dem Hofladen Grimm an der Hintergasse. Heike und Günter Grimm beziehen die Eier aus Klein-Zimmern von einem Betrieb, den sie persönlich kennen. Der Kollege aus Sickenhofen, der sie früher belieferte, hatte Ende letzten Jahres die Hühnerhaltung aufgegeben. Für die Grimms ging damals die Suche los: „Wo bekommen wir Eier aus einer vernünftigen Haltung her?“ Die Bio-Eier sind teurer als die Eier aus Sickenhofen. Doch auch für 39 Cent pro Stück verkaufen sie sich gut. „Plötzlich standen Kunden auf der Matte, die wir gar nicht kannten“, berichtet Heike Grimm. Im Hofladen verkauft sie aber auch Eier ihrer eigenen Hühner: „Die sind fast immer komplett vorbestellt.“ Auf dem Hof und im ehemaligen Kuhstall tummelt sich eine bunte Legetruppe aller möglichen Rassen. Im Eierkörbchen liegt ein Sammelsurium aus grünen, weißen, khakifarbenen und schokoladebraunen Eiern.

Auf den Geschmack wirkt sich die Farbe der Schale nicht aus. „Es kommt darauf an, was die Hühner zu fressen bekommen“, erklärt Heike Grimm: „Hühner in Massenhaltung bekommen nur Legemehl, deshalb schmecken die Eier alle gleich. Hühner, die man privat hält, bekommen Essensreste und auch einen Wurstzipfel. Das ist es, was dem Ei ein anderes Aroma gibt.“

600 friedliche Hennen

Zwei Kilometer entfernt tummeln sich 600 Hennen auf einer Wiese am Sandhof. Sie picken im Gras, wälzen sich in Sandkuhlen und gackern durcheinander. Ein friedliches Bild. Kahle Stellen im Gefieder und ähnliche Auswirkungen von Stress gibt es nicht. Die Hühner bekommen nicht nur Körnerfutter mit Mineralien zu fressen, sondern auch mal Gemüse oder einen Salatkopf aus eigenem Anbau.

Freilandhaltung bedeutet auf dem Sandhof, dass man die Hühner besuchen kann. Die Hühner leben im Freiland, können sich aber jederzeit unters Dach zurückziehen. Der Stall ist eine Spezialanfertigung, der größte mobile Hühnerstall weit und breit. Dan Fischer ließ ihn vor zwei Jahren nach eigenen Vorstellungen konstruieren: „Wir wollten einen Stall bauen, in dem sich das Huhn wohlfühlt.“ Zwischen den Hennen stolzieren auch vier Hähne herum. Dan Fischer ist überzeugt davon, dass sie für das Zusammenleben der Hennen wichtig sind: „Lasst doch den Hühnern ihren Spaß.“ Die Hähne sind auch ein wichtiges Frühwarnsystem: Wenn der Bussard kommt, scheuchen sie ihre Hennen in den Stall.

Mobiler Hühnerstall in Jügesheim

Nachhaltige Landwirtschaft bedeutet für Dan und Gesa Fischer, keinen Überschuss zu produzieren. Die Eier sind tagesfrisch. Das bedeutet auch, dass sie irgendwann ausverkauft sind. „Gute Sachen dürfen auch mal ausgehen“, meint Dan Fischer. An Ostern war die Nachfrage besonders groß: „Wir haben bis Ostersonntag durchgehalten, aber dann ging nichts mehr. Ich kann die Hühner schließlich nicht zwingen, mehr Eier zu legen.“

Diese Produkte setzen aus Natur

Diese Produkte setzen auf Natur statt Aromastoffe

Noch etwas macht der Sandhof anders als andere Betriebe: Er verkauft die Eier nicht nach Größe sortiert. So wird jeder Zehnerkarton zum Überraschungs-Ei, in dem große und mittelgroße Eier nebeneinander stehen. Auch das ist Natur. Dan Fischer: „Was für ein Quatsch, Eier zu sortieren!“ Viel wichtiger ist ihm, dass es den Hühnern gut geht.

Wer Hühnereier mit gutem Gewissen verspeisen will, kann sie nicht nur beim Bauern oder beim Händler des Vertrauens kaufen. Manche Menschen halten sich auch Hühner zur Selbstversorgung. Erst kürzlich hat ein Mann aus Rembrücken beim Geflügelzuchtverein Jügesheim einige Hennen erworben, um täglich frische Eier zu erhalten. „Es ist unheimlich schwer für Privatleute, an Rassehühner zu kommen“, weiß Vorstandsmitglied Heike Grimm. Die Züchter führten eine ganze Liste mit Reservierungen. „Ich kenne viele Leute im Odenwald, die darauf warten, dass ich mal zwei Hennen abgeben kann.“ Der einzige Weg führe oft über den Erwerb von Bruteiern, die dann maschinell ausgebrütet werden. Allein in diesem Jahr habe sie schon Bruteier nach Kroatien und Nordirland verschickt, berichtet Heike Grimm. Aber das ist eine andere Geschichte.

Quelle: op-online.de

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