Dank des Sports neue Freunde gefunden

Ali Haddadi Sahri aus dem Iran: „Er ist einer von uns“

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Die Fußballer der SG Nieder-Roden haben Ali Haddadi Sahri (Mitte, mit Ball) fest in ihre Mannschaft integriert. Neben ihm steht Ernesto Azari, sein Freund und Übersetzer.

Nieder-Roden - Der 25-jährige Ali Haddadi Sahri hat eine eineinhalb Monate dauernde gefährliche Flucht aus dem Iran hinter sich und lebt in einem Wohnheim in Nieder-Roden. Bei den Fußballern der SGN hat er inzwischen neue Freunde gefunden. Von Peter Petrat 

In seinem Heimatland Iran wurde der 25-jährige Ali Haddadi Sahri aufgrund seines christlichen Glaubens verfolgt. Aus Angst um sein Leben traf er die schwerste Entscheidung seines Lebens: Er ließ schweren Herzens Mutter, Schwester und Bruder zurück und machte sich auf einen eineinhalb Monate langen und gefährlichen Weg. Dabei wäre er fast ums Leben gekommen, bekam Polizeigewalt zu spüren und irrte tagelang alleine umher. Inzwischen ist Ali angekommen, in Deutschland, in einem Flüchtlingswohnheim in Nieder-Roden, in einem Fußballverein und auch in der Gesellschaft – trotz zunächst begrenzter Aufenthaltserlaubnis von nur sechs Monaten.

Dank der Unterstützung von Ernesto Azari, der selbst vor 25 Jahren nach Deutschland kam, konnte sich Ali schnell verständigen und fand Anschluss. Dabei hatte er Unvorstellbares erlebt. Im Iran galt er wegen seiner Abkehr vom Islam als vogelfrei; wenn er nicht von Polizei oder Militär getötete worden wäre, hätte ihn auch jeder andere straffrei umbringen dürfen. Also musste er fliehen.

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Er hoffte auf Deutschland, weil ein älterer Bruder bereits in Hamburg lebt. Der Kontakt verlief immer anonym, aus Angst abgehört zu werden. Es gibt zwei Möglichkeiten um zu fliehen, erklärt Ali, entweder über den Luftweg oder am Boden entlang. Er selbst kam zu Fuß, per Boot, mit dem Zug und war unter schwierigen Bedingungen eineinhalb Monate unterwegs. Einige Male wäre er dabei fast ums Leben gekommen. Er floh alleine, begegnete unterwegs anderen Gruppen. Das Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland war mit 60 Personen überfüllt. „Das war eine schreckliche Erfahrung, es war windig, es gab große Wellen und wir dachten alle, wir müssten sterben“, erinnert er sich. Auf einem späteren Abschnitt hatten Schmuggler ein Auto organisiert, das jedoch einen Unfall hatte. Alle waren vor der Polizei weggelaufen und hatten sich in alle Himmelsrichtungen verteilt. Während andere von der Polizei verhaftet worden waren, konnte sich Ali im Wald verstecken. Dort irrte er drei Tage umher. Zwei Stunden schlafen, zehn Stunden laufen, so war der Tagesablauf. Dabei hat er 23 Kilo Körpergewicht verloren.

Begriffe wie „Pass“, „Ecke“ und andere Wörter der Fußballsprache hat sich Ali aufgeschrieben und lernt fleißig Deutsch, um seinen Teamkollegen bei der SG Nieder-Roden zu zeigen, wie ernst es ihm ist. Dank Mans Vissers vom Flüchtlingsnetzwerk hatte Ali schnell die Chance bekommen, wieder Fußball zu spielen. Neben einem fast abgeschlossenen Studium in Bauingenieurwesen war das Kicken immer schon seine Leidenschaft. In seiner Heimat verdiente er sogar in der dritten Liga etwas Geld damit. Jeder aus der Mannschaft hat etwas beigetragen, nun hat Ali eine komplette Sportausrüstung und inzwischen sogar einen Spielerpass. „Das war für ihn so wie Weihnachten“, erinnert sich Ernesto.

Völlig neu für ihn ist, dass Trainer und Spieler nebeneinander stehen, offen und direkt miteinander sprechen können und sogar das Du verwenden. Vieles ist für ihn so komplett anders. Aber besser, freut er sich über die vielen Freiheiten in Deutschland. „So viel Frieden, so viel Ruhe, so viel Respekt für die Menschlichkeit“, staunt Ali.

Um seinen Beitrag zu leisten und um der Gesellschaft etwas zurückzugeben, engagiert er sich in einer Kirchengemeinde in Dietzenbach und im Tante-Emma-Laden in Jügesheim. Dort ist er schon als „Mister Tuesday“ bekannt, weil er dienstags hilft. Von seiner Hilfsbereitschaft sind auch die Vereinskollegen beeindruckt. Menschlich habe er sofort überzeugt. Die Sportler machen Scherze, sie lachen zusammen, sie trainieren aber auch hart, freuen sich oder ärgern sich über vergebene Torchancen. Es ist klar: „Er ist einer von uns.“ Alis großer Wunsch ist es, weiter in Deutschland bleiben zu dürfen, Fußball spielen zu können und die Chance zu bekommen, sein Studium zu beenden und arbeiten zu gehen.

Quelle: op-online.de

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