Billigtour kommt teuer

Hausmüll im Abfallkorb: Standorte und Formen werden überdacht

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Rodgau - Wenn Abfallkörbe und Mülleimer an Plätzen und Straßen überquellen, ist das nicht immer Folge unzureichender Leerungsintervalle. Manchmal hat es auch mit regelrechtem Abfalltourismus zu tun: ganze Hausmüllsäcke lassen das vermuten. Von Simone Weil 

Manche Bürger versuchen offensichtlich auf Kosten der Allgemeinheit, Müllgebühren zu sparen und ihren Abfall kostenlos in öffentlichen Behältern zu entsorgen. Sabine Kretschmer kann ein Lied davon singen, dass dieses unsoziale Verhalten Blüten treibt: Die Bereichsleiterin Abfallwirtschaft und Kommunale Dienste der Stadtwerke weiß von Fällen, in denen Angestellte ihren Müll sogar zum Arbeitsplatz mitnehmen, weil sie der Dreck dort billiger kommt. Wegen der Kostenlos-Entsorger, aber auch der veränderten Verbrauchergewohnheiten, weil Menschen mit immer mehr Mitnehm-Getränken und verpackten Imbissen unterwegs sind, machen sich auch die Entsorgungs-Fachleute grundsätzliche Gedanken über die Behälter. Sabine Kretschmer plant, gemeinsam mit den Kollegen vom städtischen Fachdienst Stadtplanung, Umwelt und Grünanlagen, die Form der Gefäße und die Standorte unter die Lupe zu nehmen. So verleite beispielsweise der bislang bekannte Drahtkorb mit einer großen Öffnung die illegalen Entsorger dazu, dort ganze Säcke reinzuwerfen.

Bei insgesamt 1200 Papierkörben (darunter an 120 Bushaltestellen) im gesamten Stadtgebiet durchaus ein Thema. Je nachdem, ob die Stelle mehr oder weniger frequentiert ist, wird ein- bis dreimal wöchentlich geleert. „Wir kommen auf mehr als 60.000 Leerungen im Jahr“, sagt die Fachfrau. Jeder Papierkorb enthält zwischen drei und dreieinhalb Kilogramm Müll. Das läppert sich: Wird im gesamten Stadtgebiet geleert, kommen zirka drei Tonnen Müll zusammen und jede einzelne kostet 239,50 Euro bei der Müllverbrennung.

Weil die Gebühren stabil bleiben sollen, erregen insbesondere die Stellen, an denen die Mülleimer häufig überquellen, das Interesse der Abfallexperten. Gleichwohl sei die Zahl weiterer illegaler Ablagerungen nicht erheblich gestiegen, weiß Kretschmer. Waren es im Jahr 2014 104 Fälle, habe sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 122 erhöht. Diese Rücksichtslosigkeit kostet den Steuerzahler 12.000 Euro. Deswegen setzt die Bereichsleiterin der Abfallwirtschaft darauf, früh für den vernünftigen Umgang mit Müll zu sensibilisieren etwa mit zielgerichteten Information für den Nachwuchs bereits im Kindergartenalter: „Außerdem versuchen wir, viel Abfallberatung zu leisten, damit der Müll am richtigen Platz landet.“

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Ein weiterer Aspekt, mit dem sich die städtischen Experten beschäftigen, ist die Gestaltung der Abfallbehälter: Dabei geht es um eine möglichst einheitliche Erscheinung im Straßenbild, aber auch um Zweckmäßigkeit beim Leeren. Darüber hinaus soll es den Billig-Entsorgern, die auf Kosten anderer Gebühren sparen wollen, schwer gemacht werden. Das bedeutet: Die Einwurfschlitze oder -schächte werden verkleinert.

Auch die Zusammensetzung des Mülls interessiert Sabine Kretschmer: Denn leider sei der Verpackungsabfall deutlich gestiegen – etwa durch den unvermeidlichen Kaffee to go. Deswegen ist die Müllvermeidung etwa durch Mehrweg-Systeme für die Stadtwerke-Mitarbeiterin ein wichtiges Thema. Dass bei den städtischen Seniorenfeiern gebeten wird, ein eigenes Gedeck mitzubringen, ist für sie dabei nur konsequent.

Quelle: op-online.de

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