Künstlerleben im Zeitraffer

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Die Ausstellung mit ganz verschiedenen Exponaten zeigte die Vielseitigkeit von Britta Neander. Die Schaukästen und gerahmten Fotos fanden großes Interesse.

Nieder-Roden - Bilder, Texte, Videos und Musik zur Erinnerung: Das Heimatmuseum Nieder-Roden gestattete am Wochenende mit einer Ausstellung tiefe Einblicke in das Leben und Schaffen der Künstlerin Britta Neander.

Am 14. Dezember diesen Jahres jährt sich ihr Todestag zum zehnten Mal. Britta Neander wurde nur 48 Jahre alt. Die ambivalente Künstlerin hatte einen Teil ihrer Jugend in Rodgau verbracht und war in Nieder-Roden in die Schule gegangen. Mit 16 zog sie nach Berlin und schloss sich der alternativen Musikszene an. Dort war sie unter anderem mit Rio Reiser in dessen Band „Ton, Steine, Scherben“ als Schlagzeugerin aktiv. In der Musikszene hat sie sich auch anderen Bands hervorgetan.

Ehe die Ausstellung eröffnet wurde, gab es viel zu erzählen. So erinnerte Rodgaus Kulturdezernent Werner Kremeier an Rodgau und insbesondere Nieder-Roden in den 60er Jahren. Britta Neander sei in einer Zeit hier aufgewachsen, als auf dem Schulhof ein weißer Strich noch Jungs und Mädchen trennte und der Besitz eines Autos Rodgau noch eine Rarität darstellte. Vielleicht ein Grund, warum es Britta Neander so schnell nach Berlin zog: Rodgau sei damals für die Jugend nicht besonders attraktiv gewesen, vermutete Kremeier.

Gerade sie habe keine Zeit zu verschenken gehabt, bestätigte später Brittas Mutter Ingeborg Neander. Schon im Jugendalter habe sie die erschütternde Diagnose Krebs ertragen müssen. Das sei wahrscheinlich der Grund dafür gewesen, dass sie immer ein sehr „schnelles“, rasantes Leben“ geführt habe, gerade in Berlin. Es habe von Anfang an seitens der Ärzte für Britta geheißen, dass man ihr Leben nicht verlängern, nur bereichern könne und man ihr ihre Wünsche erfüllen solle, erinnerte sich Ingeborg Neander. 2004 starb ihre Tochter im Alter von 48 Jahren. Ihren Wünschen und Träumen sei Britta umso leidenschaftlicher nachgegangen, ob als Musikerin, Malerin oder Kinderbuchillustratorin.

Dass es sie stark zur Kunst, vor allem zur Musik hinzog, mag in der Familie liegen. War sie doch die Schwester von Albrecht (Ali) Neander, dem Gitarristen der „Rodgau Monotones“. Nach einigen Ansprachen über die Ausstellung und die Künstlerin sowie einigen Live-Darbietungen von Liedern der Bands „Lassie Singers“ und „Britta“, in denen Britta Neander musizierte, wurde die vielseitige Ausstellung im Heimatmuseum Nieder-Roden eröffnet. Für die musikalische Komponente war an diesem Abend auch der Rodgauer Laienchor „Hard-Chor“ unter der Leitung von Kerstin Pfau, Sängerin der Rodgau Monotones, zuständig. Während Bilder und Texte Auszüge aus dem Leben der Künstlerin im großen Ausstellungsraum zur Schau stellten, waren im kleinen Ausstellungsraum auf einem Bildschirm einige Videoclips zu sehen, allen voran Interviews mit Britta Neander.

Inmitten des großen Ausstellungsraums stand zudem ein Schlagzeugbecken von Britta Neander neben einem Foto, das sie als Schlagzeugerin in Aktion zeigt. Schließlich versuchte die vielseitige Schau, Brittas künstlerischer Vielfalt gerecht zu werden, indem sie ihr Leben und Schaffen auf nahezu allen Medien darbot. Auch wenn die vorgetragenen Lieder, die Videoclips und Fotos wohl nur einen Bruchteil ihrer Persönlichkeit darstellen konnten, so schaffte es die Veranstaltung doch, ihr angemessen zu gedenken. Die Schau über die unkonventionelle Kunstschaffende ist auch im kommenden Monat noch einmal für Besucher geöffnet: am 6. und 7. Dezember von 11 bis 14 Uhr im Heimatmuseum Nieder-Roden an der Turmstraße.

(sjs)

Quelle: op-online.de

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