Ganz besonderes Möbelstück

Sarg zum Selbstbauen für Ikea-Generation

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Für Heribert Schwab ist ein Sarg „auch nur ein Möbelstück“. Sein Bausatz wendet sich an die Ikea-Generation. Mit dem Akkuschrauber ist die Kiste in einer halben Stunde zusammengeschraubt.

Rodgau - Eine skurrile Geschäftsidee hat Heribert Schwab aus Dudenhofen entwickelt. Mit Särgen zum Selbstbauen will er eine billige Alternative zu den Produkten der Bestatter liefern. Von Ekkehard Wolf 

Ein Stapel Bretter, ein Tütchen mit Schrauben: Das Möbelstück für den letzten Weg kommt als handlicher Bausatz ins Haus. Eine halbe Stunde Arbeit mit dem Akkuschrauber - fertig. „Jeder kann einen Ikea-Schrank zusammenbauen, das ist ist im Prinzip nichts anderes“, sagt Heribert Schwab. Die Form seines Sarges ist an Schlichtheit kaum zu übertreffen. Das fertige Stück sieht aus wie eine große Kiste. Schwab weiß, dass er damit keinen Schönheitspreis gewinnen kann. Dafür sei der Preis unschlagbar: „Für 199 Euro macht das kein Sargtischler der Welt.“ Mit seinen Bausätzen will der umtriebige Ein-Mann-Unternehmer in eine Marktlücke vorstoßen: „Es gibt immer mehr Leute, die immer weniger Geld haben.“ Eine Bestattung sei schon teuer genug. Mit dem Selbstbau-Sarg könne man wenigstens an einer Stelle sparen. Schließlich sei ein Sarg nur wenige Tage in Gebrauch, bevor er im Feuer oder in der Erde lande. Einen möglichen Absatzmarkt sieht Schwab auch bei Städten und Gemeinden, die für die Bestattung mittelloser Menschen sorgen müssen.

Heimwerker reagierten zurückhaltend, als Heribert Schwab seine Bausätze neulich in einem Dietzenbacher Baumarkt präsentierte. „Das ist kein Thema, mit dem man sich gern beschäftigt“, sagt der Rodgauer. Er versucht anderen Menschen die Scheu zu nehmen. Ein Sarg sei letzlich „auch nur ein Möbelstück“. Nicht umsonst würden Sargtischler in Österreich als Erdmöbelbauer bezeichnet.

Auch zu Lebzeiten nutzbar

Die einfache Kastenform sei auch zu Lebzeiten mehrfach nutzbar, etwa als Wäschetruhe oder als Schrank, erklärt er mit burschikosem Pragmatismus, der fast an Pietätlosigkeit grenzt: „Und wenn es dann mal so weit ist: Wäsche raus, Oma rein.“ Schwab nennt sein Sargmodell „Johannes XXIII.“. Er erinnert damit an den gleichnamigen Papst, dessen Leichnam in einem schlichten Holzsarg beigesetzt wurde: „Wir haben den Namen nicht mit Rom abgestimmt, aber ich denke, das geht in Ordnung.“

Die Kreissäge kreischt in der Holzwerkstatt von Möbel Manus im Gewerbegebiet Nieder-Roden-Süd. Heribert Schwab und Karl-Heinz Dubowski sägen Fichtenleimholz in passgenaue Einzelteile. Jedes Brettchen und jede Leiste haken sie auf der Stückliste ab. Eine halbe Stunde später liegt der Bausatz bereit. Zierleisten, Griffe oder Füße sind auf Wunsch erhältlich. Außerdem stehen 200 Farbtöne zur Auswahl, sogar mit Metalleffekt. Nur damit es keine Missverständnisse gibt: „Malen müssen die Kunden schon selber. Wir liefern nur die Farbe mit.“

Mit Holzbausätzen hat Heribert Schwab Erfahrung. Seit ein paar Jahren fabriziert er Bausätze für Bienenkästen. Inzwischen ist er nach eigenen Worten Europas größter Baukastensystemhersteller für Imkerbedarf. Zwölf Typen sind im Sortiment, der billigste kostet knapp 50 Euro.

Der gelernte Farben- und Lackekaufmann arbeitete 30 Jahre lang als Konstrukteur, Designer und Küchenplaner in der Möbelbranche. Danach hatte er zeitweise eine Werbeagentur, erstellte eine Imagebroschüre für die städtische Wirtschaftsförderung und betrieb ein lokales Gewerbeportal im Internet. Über den Imkerverein Maingau fand er schließlich nicht nur ein neues Hobby, sondern auch ein Geschäftsfeld, bei dem er seine Erfahrung im Möbelbau nutzen kann. Nur dass er jetzt eben keine Küchen mehr plant, sondern Holzhäuser für Bienen - und Möbel für den letzten Weg.

Quelle: op-online.de

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