Einkaufszentrum Jügesheim

Hoffnung auf den Stadtumbau

+
Fast 10 000 Quadratmeter stehen für Einzelhändler und Dienstleister zur Verfügung, wenn alle Eigentümer mitspielen. Beim Grunderwerb hofft die Stadt auf finanzielle Unterstützung aus dem Programm „Stadtumbau in Hessen“.

Jügesheim - Eine neue Einkaufsmeile in der Ortsmitte Jügesheim lässt sich wohl nur mit staatlichen Zuschüssen realisieren. Zu diesem Schluss kommt Projektentwickler Guido Berndt, der in städtischem Auftrag die Machbarkeit untersucht. Von Ekkehard Wolf 

Nach gut einjähriger Arbeit stellte er am Dienstag seinen Zwischenbericht vor. Der kurze Vortrag im Rathaus-Saal konnte die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. „Ich dachte, wir wären schon zwei Schritte weiter“, sagte Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul (CDU) enttäuscht. „Die Größe der Grundstücke kannten wir vor drei Jahren schon, die Eigentümer kannten wir auch schon. Ich hatte erwartet, dass Sie uns heute schon etwas vorstellen.“

Auch andere Mitglieder des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses zeigten sich irritiert. Erst auf Nachfrage wurde deutlich, was der Projektentwickler seit Februar letzten Jahres geleistet hat. Er habe das Grundbuch eingesehen, die Fragen von Wegerechten und Altlasten geklärt und eine grobe Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt, berichtete Berndt: „Wir haben auch sehr sensibel Gespräche mit den Eigentümern geführt, haben auch schon über die Größenordnung der Preise gesprochen.“

Das Problem: Der Bauherr eines Einkaufszentrums und die Grundstückseigentümer haben unterschiedliche Interessen. Die Eigentümer orientieren sich am Einheitswert und an ihren bisherigen Mieteinnahmen. Wenn sie verkaufen, wollen sie einen Ausgleich für entfallende Mieterlöse. Auf der anderen Seite will ein Investor möglichst günstig an die Grundstücke kommen. Er muss die Ladenmieten so kalkulieren, dass er damit nicht nur Grund- und Baukosten bezahlt, sondern auf längere Sicht auch Gewinn erzielt. Die Mieten dürfen aber nur so hoch sein, dass sich auch Mieter finden.

„Für den Investor wird die Kaufpreissumme nicht leistbar sein“, meint Guido Berndt, „deshalb haben wir nach Lösungen gesucht.“ Die Stadt hat im Februar beantragt, in das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ aufgenommen zu werden. Das Geld aus Wiesbaden könne die Stadt in die Lage versetzen, den Interessenkonflikt zwischen Käufer und Verkäufern auszugleichen, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Dienstag. Dazu soll die Ortsmitte als Sanierungsgebiet ausgewiesen werden.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Rodgau

Im dritten Quartal hofft die Stadt zu erfahren, ob sie in das Programm „Stadtumbau“ aufgenommen wird. Pro Jahr kommen nur 15 bis 20 Städte zum Zug. Die Anzahl der Bewerbungen ist viel höher, wie das hessische Umweltministerium auf Anfrage mitteilt. Grundstückskäufe seien „nur unter bestimmten und strengen Auflagen“ förderfähig.

Sorgfalt gehe vor Schnelligkeit, sagte Bürgermeister Hoffmann. Er bat alle Beteiligten, „wertschätzend, sensibel und respektvoll“ miteinander umzugehen. Dies gelte auch für das Verhältnis zwischen Politik und Eigentümern: „Es steht uns nicht zu, etwas zu überplanen, was uns noch nicht einmal gehört.“ Das Stadtparlament habe sich bewusst dafür entschieden, Schritt für Schritt gemeinsam zu gehen. Es dauere seine Zeit, sich um einen Konsens zu bemühen. Aber: „Je ordentlicher und wertschätzender man im Vorfeld arbeitet, umso schneller ist man dann, wenn man diese Hürden genommen hat.“

Auch der Projektentwickler plädierte für Behutsamkeit. Er wolle weder Unruhe in den Ort tragen noch einen Scherbenhaufen hinterlassen. Noch sei es zu früh, um über Verkehrsfragen zu sprechen oder die Anlieger einzubeziehen. Nach wie vor sehe er Chancen: „Ich würde mich nicht damit beschäftigen, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, dass das Ganze realisierbar ist.“ Ohne Zuschüsse und bei unveränderten Grundstückspreisen müsse man sich aber von einer großen Lösung verabschieden. Dann komme nur der Feuerwehrplatz in Frage: „Einen Vollsortimenter könnte ich Ihnen bringen. Das wäre eine schnelle Lösung. Aber damit würden Sie sich eine nachhaltige Entwicklung verbauen.“

Quelle: op-online.de

Kommentare