Aufnahmestopp für Patienten, Kassenärztliche Vereinigung entscheidet

Petition: Hunderte Eltern fordern mehr Kinderärzte

Rodgau - Mehrere hundert Eltern fordern mehr Kinder- und Jugendärzte in Rodgau. Sie unterstützen den Antrag, die Praxis Dr. Hinkel personell aufzustocken. Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) entscheidet darüber am 13. Dezember. Von Ekkehard Wolf

Die Unterschriftenlisten stapeln sich in der Praxis am Puiseauxplatz. Rund 400 Namen stehen darauf. Außerdem haben 282 Personen eine Online-Petition auf dem Portal Change.org unterzeichnet. Darin fordern sie die KV Hessen auf, den Bedarf eines zusätzlichen Kinder- und Jugendarztes für die Region anzuerkennen. Bei vielen Kinderärzten gilt ein Aufnahmestopp. Besonders krass ist die Lage in Rodgau. „Wir können nicht einmal Neugeborene aufnehmen“, sagt Dr. Andreas Hinkel in Nieder-Roden. Für die Not der Eltern zeigt die Kassenärztliche Vereinigung kein Verständnis. Sie schickt Rodgauer Eltern unter anderem nach Urberach, Dietzenbach und Klein-Krotzenburg, obwohl dort auch ein Aufnahmestopp besteht. Eine Fahrt von 14 Kilometern sei auch mit dem Bus zumutbar, teilte die KV Hessen auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Eine sogenannte Sonderbedarfszulassung könnte das Problem in Rodgau lösen. Dr. Nadine Gerhold-Stieb, die seit fünf Jahren in einem Jobsharing-Modell mit Dr. Hinkel zusammenarbeitet, möchte ihre Arbeitszeit von 13,5 auf 31 Stunden pro Woche erhöhen. Auf ausdrückliche Empfehlung der Bezirksstelle der KV in Darmstadt haben die beiden Mediziner diese Aufstockung beantragt. Mehrere Kollegen aus der Umgebung unterstützten den Antrag. Das „Team Bedarfsprüfung“ der KV Hessen kam jedoch Anfang Oktober zu dem Schluss, es gebe keinen erhöhten Bedarf an Kinderärzten im Kreis Offenbach.

„Das ist eine Verdrehung der Tatsachen“, ärgert sich Dr. Andreas Hinkel. „Sieben Kollegen der Umgebung haben gesagt, sie können keine Patienten mehr aufnehmen.“ Allein gestern habe er drei Babys als neue Patienten ablehnen müssen, berichtet Hinkel. Das tue ihm in der Seele weh: „Das sind Kinder, die vor zwei oder drei Tagen geboren wurden. Sie brauchen einen Kinderarzt. Aber wir können es einfach nicht mehr leisten.“ Die Vorsorgeuntersuchung eines Neugeborenen dauere eine halbe Stunde oder länger. Diese Zeit könne man sich nur außerhalb des Sprechstundenbetriebs nehmen. Bei fast 1 600 Patienten im Quartal sei seine Belastungsgrenze längst erreicht: „Ich kann nicht rund um die Uhr arbeiten.“

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Wo finden Eltern einen Arzt für ihr Kind? „Ich habe einen guten Zuspruch in meiner Praxis und kann deswegen den Überhang aus Rodgau nicht auffangen“, sagt etwa Astrid Hollmann, die im Hainburger Ortsteil Klein-Krotzenburg praktiziert: „Es ist auch unrealistisch, zu erwarten, dass die Eltern mit öffentlichen Verkehrsmitteln hierherkommen.“ Für die Patienten in Rodgau sei es wichtig, dass es vor Ort genügend Kinderärzte gebe: „Ich befürchte, dass die fachliche Versorgung der Kinder auf lange Sicht leiden wird, wenn der Sonderbedarf nicht genehmigt wird.“

Quelle: op-online.de

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