Enttäuscht über Fällaktion

Imker wollen wieder Linden

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Der gelbe Bereich zeigt, wie weit sich der Pilz ausgebreitet hatte. Das morsche Stammholz ließ sich mit bloßer Hand herausholen.

Dudenhofen - Als Verlust für die Natur bewertet der Imkerverein Maingau die Fällung zweier Linden vor dem ehemaligen Polizeiposten Dudenhofen. Vorsitzender Günter Keim äußert den Verdacht, „dass die Linden zugunsten einer bequemen Planung weichen mussten“.

Fotos zeigen: Die Bäume waren von einem Pilz befallen, der ihre Stämme aushöhlte. „Mit großer Enttäuschung“ reagieren die Imker auf die Fällaktion. In einem offenen Brief an den Magistrat zeigen sie sich verwundert darüber, dass die beiden Linden laut Baumgutachten nur noch zehn Jahre zu leben hatten. Imker-Vorsitzender Keim: „Linden können bis zu 1000 Jahre alt werden und sie besitzen außerordentliche Selbstheilungskräfte. Wenn sie verletzt oder krank werden, bilden sie von den Ästen her Innenwurzeln im hohlen Stamm, die sich nach unten schieben und sich im Boden verankern. Mit Hilfe dieser Wurzeln können sich Linden mit den notwendigen Nährstoffen versorgen und so oft ein beträchtliches Alter erreichen.“

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Ein Sachverständiger hatte die Bäume im Auftrag der Stadt begutachtet. Er stellte starke Wunden durch frühere Schnittmaßnahmen fest, die von Holz zerstörenden Pilzen befallen waren. Am Fuß des Stamms sei die zur Bruchsicherheit benötigte Restwandstärke teilweise unterschritten gewesen. Allgemein würden Bäume im städtischen Raum durch schlechte Luft-, Wasser- und Nährstoffversorgung sowie häufigen Rückschnitt geschwächt. Dadurch hätten sie nur ein kurzes Leben. Die beiden Linden in Dudenhofen waren 1954 gepflanzt worden, wie aus dem Baumbuch der Stadt Rodgau hervorgeht. Fotos der gefällten Bäume zeigen nun das Ausmaß der Schäden. „Der Pilz zieht sich durch den ganzen Baum“, berichtet Stadt-Pressesprecherin Sabine Fischer: „An einer Stelle konnte man den Baum mit der bloßen Hand aushöhlen.“ Der Imkerverein kannte diesen Befund nicht, als er seinen offenen Brief schrieb.

Nach Ansicht der Imker reichen zwei kleine Ahornbäume als Ersatz nicht aus: „Wie lange wird es dauern bis die beiden Ersatzbäume wieder so viel Sauerstoff produzieren wie die gefällten?“ Der Imkerverein bittet die Stadt deshalb, mehr als zwei Ersatzbäume zu pflanzen, und zwar möglichst wieder Linden. Lindenblüten seien außerordentlich nektarreich und mit ihrem süßen Duft ein Paradies für alle Insekten“, betont Vorsitzender Günter Keim.

Ohne Bäume bietet der ehemalige Polizeiposten einen ungewohnten Anblick. Pilzbefall hatte die beiden Linden ausgehöhlt.

Der Imkerverein fordert ein Umdenken im Umgang mit Pflanzen, Büschen und Bäumen, „sonst bleiben alle Bekenntnisse zum Klimaschutz und zur Artenvielfalt Lippenbekenntnisse“. Dies müsse gerade auch für die Stadt Rodgau gelten, die Mitglied diverser Klimabündnisse sei. Weiter heißt es in dem offenen Brief: „Die einfachsten und kostengünstigsten ,Klima-Verbesserer’ sind Bäume. Sie tragen ganz erheblich dazu bei, Kohlendioxid zu reduzieren. Sie absorbieren Luftschadstoffe, spenden Schatten und bieten Lebensraum für unzählige Insekten und Singvögel. Der Imkerverein Maingau ist betroffen und irritiert vom unsensible Vorgehen der Stadt nicht nur an dieser Stelle. Wie viele große, ökologisch wertvolle Bäume wurden eigentlich im Stadtgebiet in den letzten Jahren entfernt, ohne dass dafür überhaupt irgendein Ersatz gepflanzt wurde?“ Die Imker erinnern in diesem Zusammenhang an die große Ulme am Dudenhöfer Bahnhof, die im September 2008 gefällt wurde.

Der Verein appelliert an die Stadt: „Pflanzen Sie mehr Bäume und schneiden Sie weniger ab. Die Rodungen von Gebüschstreifen und Hecken rauben Insekten und Singvögeln ihren Lebensraum. Für uns Imker ist es jedes Jahr auf Neue erschütternd zu erleben, wenn die ersten Pollenträger wie Hasel- und Weidenbüsche auf breiter Fläche für vorgebliche „Grünflächenpflege“ abgeholzt werden.

eh

Quelle: op-online.de

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