Praktische Bienenkästen im Längsformat

Imkerarbeit leichter gemacht

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Fachsimpelei unter Hobby-Imkern (von links): Luigi Buscema, Rainer Brunner und Heribert Schwab diskutieren über die Neuentwicklung

Weiskirchen - Imkern ist ein schönes Hobby: Wer es ausübt, hat nicht nur den leckeren Honig fürs Frühstücksbrötchen zum Ziel, sondern auch den Schutz der Umwelt im Blick. Von Simone Weil

Eine reichhaltige und intakte Natur ist ohne Honigbienen, die Wild- und Kulturpflanzen bestäuben, nicht denkbar. Immerhin sind die Hälfte der heimischen Obst- und Gemüsorten auf Bestäubung angewiesen. Ohne die fleißigen Bienchen würde also kaum etwas wachsen und gedeihen. Auch deswegen gibt es immer mehr Menschen, die sich fürs Imkern entscheiden. Darüber freuen sich die Vereine, die neue Mitglieder aufnehmen können. Und Heribert E. Schwab. Der Rodgauer stellt Bausätze für Bienenkästen her. Inzwischen ist er Europas größter Baukastensystemhersteller für Imkerbedarf. Zwölf Typen von Bienenkästen (im Fachjargon Bienenbeute) sind bereits in seinem Sortiment – etwa 650 Einzelteile werden an der Röntgenstraße produziert.

30 Jahre lang verdiente der 59-jährige gelernte Farben- und Lackekaufmann sein Geld als Konstrukteur, Designer und Küchenplaner in der Möbelbranche. Vor vier Jahren nahm er aus Spaß am Projekt „Imkern auf Probe“ teil und hatte die neue Geschäftsidee. Nun tüftelt er an Neuerungen rund um die sogenannte Lagerbeute herum. Insbesondere Menschen mit Handicap hat er dabei im Auge. Das Besondere an seiner Entwicklung: Der Rodgauer Bienenstock ist nicht vertikal, sondern horizontal aufgebaut. Gearbeitet wird also auf einer Ebene.

Kommt auch bei Frauen gut an

Je nach den individuellen Erfordernissen wird die Höhe des Unterbaus konstruiert. So ist ein rückenschonendes Arbeiten auch im Sitzen möglich. Das Langformat, bei dem im Unterschied zum herkömmlichen Turm die einzelnen Kisten oder Zargen nicht gestapelt oder gestemmt werden müssen, kommt aber auch bei Frauen gut an, die nicht so schwer heben können. Schwabs Mitarbeiterin und Imkerkollegin Monika Bayer ist begeistert: Sie brauchte nämlich immer Hilfe, um die schweren Kisten zu stapeln. „Auf den Messen haben sich aber auch sehr viele Männer dafür interessiert“, verrät sie.

Ihre Geschlechtsgenossinnen stellen inzwischen ein Drittel der neuen Mitglieder im Imkerverein Maingau, wie Rainer Brunner erzählt. Der Hobby-Imker, der einige Jahre auf einen Rollstuhl angewiesen war, ist gerade mit Luigi Buscema zu Besuch beim Vereinskollegen Schwab, der sich in einer Großschreinerei in Weiskirchen eingemietet hat. Der Bausatzhersteller nutzt den Maschinenpark der Firma Herba von Herbert Amerschläger. Der Spezialanbieter für Heizkörperverkleidungen hat seinen Sitz seit 1968 an der Röntgenstraße 6.

Rollstuhlfahrer Buscema interessiert sich trotz seiner Behinderung fürs Imkern und will die Neuerung von Heribert Schwab auf seine ganz persönlichen Erfordernisse abklopfen. „Ich kann mir vorstellen, die Kisten im Hof auf einem Tisch aufzubauen“, sagt er. „Imkern macht viel Arbeit, aber auch sehr viel Spaß“, sind sich alle Beteiligten einig. Umso erfreulicher wäre es, wenn die Rodgauer Entwicklung dazu beiträgt, den Hobby-Imkern das Leben ein wenig leichter zu machen: Immerhin müssten sie bei der Pflege der Bienenvölker nicht mehr so schwer heben.

Weitere Informationen unter www.bienen-beute.de

Kürzlich stellte Schwab seine Erfindung einem Fachpublikum vor, um weitere Verbesserungen mit den Experten zu diskutieren. Denn diese haben jahrelange Erfahrung und wissen aus den alltäglichen Handgriffen, worauf es besonders ankommt. Vorläufer der Rodgauer „Lagerbeutemodern“, so nennt Schwab seine Konstruktion, ist die sogenannte Golzbeute. Diese Längslagerbeute stammt vom gleichnamigen Imkermeister und Entwickler Wolfgang Golz und entstand Ende der 1950er Jahre in seiner Urform.

Quelle: op-online.de

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