Vogelsberg-Meute hetzt künstlichen Spur hinterher

Jagd über Stock und Stein

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Ross, Reiter und Hundemeute waren bei der Schleppjagd in Hainhausen voll in ihrem Element.

Hainhausen - Ganz traditionell, nämlich unblutig, verlief die jüngste Jagd in der Hainhäuser Gemarkung. Bei der Schleppjagd ab dem Seehof spürte die Meute einer künstlichen Duftspur, der Schleppe, nach. Von Sven Johann Stripling

Der sportliche Aspekt und der gemeinsame Ausritt standen klar im Vordergrund. Die erste Schleppjagd am Bauernhof „Seehof“ der Familie Keller lieferte schöne Bilder. Stolze Pferde, stattliche Reiter, freudig erregte Hunde. Um die 40 Reiterinnen und Reiter hatten sich zur ersten „Seehofjagd“ angemeldet. Gemäß der Tradition im Jagdreiten begann die nachgestellte Jagd zunächst mit einem „Stelldichein“. Besucher hatten ab 12 Uhr die Möglichkeit, sich in geselliger Runde zusammenzufinden und Reiter konnten sich für die Teilnahme anmelden, indem sie ein Jagdgeld entrichteten. Ferner durften sich die angemeldeten Reiter in ein Jagdbuch eintragen.

Gegen 13 Uhr meldete sich das Jagdkollegium, bestehend aus den Hauptveranstaltern Katharina Keller, Monika Stepper und Arnold Subtil, zu Wort. Sie dankten den Teilnehmern und Zuschauern fürs Kommen. Danach stellten sie sowohl die „Vogelsberg-Meute“ vor, die an diesem Tag mit 37 Hunden und einer vierköpfigen Equipage unter der Leitung von Hans Nimrichter an der Schleppjagd teilnahm, als auch die „Rallye Rheingau“, die die Jagd mit Signalen begleitete. Auch Bürgermeister Jürgen Hoffmann wünschte als Schirmherr vorab noch eine unterhaltsame und unfallfreie Veranstaltung.

Mit einem dreifachen „Horrido“ wurde der Aufbruch zur Jagd schließlich eingeleitet, die Musik ertönte und mit dem Start begann für die Reiter ein Ritt über 19 Kilometer Strecke und 16 verschiedene Hindernisse. In zwei Feldern verfolgten die Reiter Monika Stepper und Karin Mack, die drei bis fünf Minuten voraus ritten und die künstliche Duftspur legten. Die Reiter des ersten Feldes mussten Hindernisse überspringen, die Reiter des zweiten Feldes durften um diese herum galoppieren. Die Hundemeute vor dem ersten Feld gab das Tempo vor. Zu den wenigen Punkten der Jagdordnung gehörte dort an erster Stelle, dass diese auch nicht „überritten“ werden durften. Außerdem war den Anordnungen der Chargen, den Anführern der jeweiligen Einheiten, Folge zu leisten. Es wurde auf „Strich“ oder „Lücke“ geritten und ein jeder musste seine Position während der Schleppjagd einhalten. Freilich wurden die 19 Kilometer nicht am Stück absolviert, sondern in 14 Etappen, einzelnen Schleppen, mit kleinen Verschnaufpausen zwischendurch. Sinn und Zweck der Schleppjagd sei ja auch keineswegs der Wettkampf, sondern das Miteinander. „In schöner Umgebung gepflegt reiten, darum geht es“, so brachte es Monika Stepper auf den Punkt.

Für den Jagdfotograf Martin Diehl aus Modautal stellt genau das den besonderen Reiz solcher Veranstaltungen dar: „Es ist nicht so wie bei Reitturnieren, es gibt keine Bewertungen, keine Sieger und keine Verlierer. Alle reiten zusammen und jeder kann mitmachen. Es geht um den Spaß dabei, das ist das Schöne daran.“ Während die Jagd in vollem Gange war, konnten allerdings, wie bei vielen anderen Schleppjagden, die Zuschauer dem Geschehen nicht von interessanten Aussichtspunkten aus folgen. Für diese war stattdessen ein separates Unterhaltungsprogramm ausgearbeitet worden, das unter anderem eine Führung über den Seehof, einen Vortrag über das Jagdreiten und eine Vorführung von Holzrückarbeiten beinhaltete. Das Ende der Jagd wurde mit einem Lagerfeuer zelebriert, und die Hunde wurden für ihre Anstrengungen der Jagdtradition gemäß mit einem „Curée“ (Rinderpansen) belohnt.

Quelle: op-online.de

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