70 Jahre SG Nieder-Roden

Seltene Chance, Gründer zu ehren

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So sah Turnen vor 47 Jahren aus: Die Kindergymnastikgruppe mit Hanna Conzen im Jahr 1968.

Nieder-Roden - 70 Jahre SG Nieder-Roden: Der Verein plant diverse Feierlichkeiten zum Jubiläum und stellt die Weichen für die Zukunft. Selbst Wechsel des Standorts ist kein Tabu. Von Simone Weil 

Ein schönes Geschenk zum 70. Geburtstag hat sich die Sportgemeinschaft Nieder-Roden (SGN) selbst gemacht: Das Lokal im Vereinsheim an der Hainburgstraße 49 ist verpachtet und die Küche ist mit funkelnagelneuen Geräten auf den neuesten Stand gebracht. Am Sonntag, 18. Januar, 11 Uhr, steht der Neujahrsempfang des mehr als 1200 Mitglieder zählenden Vereins an. Im Lokal am Sportzentrum will eine prominent besetzte Runde über Vorhaben und Zukunft des Vereins diskutieren.

Richtig gefeiert wird das Jubiläum aber erst am Samstag, 28. März, 19 Uhr, im Bürgerhaus Nieder-Roden. Dann sollen auch verdiente Mitglieder geehrt werden, von denen ein Verein wie die SGN reichlich hat: 13 Ehrungen für 70-jährige Mitgliedschaft (quasi Gründungsmitglieder) und 22 Ehrungen für 60-jährige Vereinstreue stehen an. Präsident Karl-Heinz Kohls freut sich über diese einmalige Chance: „Es wird Zeit, diese Mitglieder auszuzeichnen. So viele kann man vermutlich so oft nicht mehr ehren.“

Ein zweites Mal wird im Sommer gefeiert mit einer Sportwerbewoche, einem Festwochenende am 18. und 19. Juli mit Party, Vereinsolympiade, der „Lieblingsband“ und Frühschoppen.

Kohls, der auch Offenbacher Kreisfußballwart ist, kam im Jahr 2000 über seinen Nachwuchs zur SGN: „Mein Sohn wollte Fußball spielen, ich wollte dort nie was werden“, gesteht der gebürtige Offenbacher. Und doch ist das Engagement für den Verein inzwischen zu einer wichtigen Aufgabe geworden. Warum er das Ehrenamt ausübt? „Wer nichts für andere tut, tut auch nichts für sich“, findet der Präsident. Kollege Manfred Krapp von der Fußball-Abteilung ist dem Verein seit Jahrzehnten verbunden und bei der Organisation von Veranstaltungen immer dabei.

1899 wurde in erster Linie Fußball gespielt

Die SGN wurde 1945 nach der Befreiung von den Nationalsozialisten gegründet: Lediglich ein Verein wurde in Nieder-Roden zugelassen. Ihre Wurzeln aber hat die SG im Sportverein 1911, dessen Ursprung wiederum im Turnverein Vorwärts von 1899 liegt. Damals wurde in erster Linie Fußball gespielt.

In die 60er Jahre fiel der Baubeginn für das Sportzentrum: Den geplanten Kosten von 825.000 Euro standen Eigenleistungen der Mitglieder in Höhe von 400.000 Mark gegenüber. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurden die Sparten Tennis, Gymnastik, Badminton und Tischtennis gegründet. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends verkaufte der Verein zwei Tennisplätze als Bauland. Vom Erlös konnten zwei neue Tennisplätze sowie ein Kunstrasenplatz geschaffen werden. „Das Gelände ist Gold wert“, ist Kohls sicher.

Stolz sind die SGN-Mitglieder auch auf vorausschauende Satzungsänderungen wie die Beteiligung von Jugendvertretern am Präsidium. Als Problem bezeichnen es die Vereinsvertreter, dass der Organisation, wie vielen anderen auch, der „Mittelbau“ fehle, die Aktiven im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Bei den Talenten sei die Fluktuation hoch: Erfolgreiche Kicker würden mit lockenden Ablösesummen abgeworben. „Im Unterschied zu früher hat die Identifikation mit dem Verein nachgelassen“, findet Manfred Krapp.

Sportlich lassen die Erfolge beim Fußball derzeit zu wünschen übrig. Krapp spricht von einer „Saure-Gurken-Zeit“ und würde sich wünschen, wieder eine zweite Mannschaft aufbauen zu können. Vielleicht wachsen in der G-Jugend ja bedeutende Talente heran, die der SGN-Präsident höchstpersönlich trainiert.

Fußballer der SG Nieder-Roden in Aktion

SG Nieder-Roden gegen SG Götzenhain/Buchschlag 

Nach Träumen und Wünschen befragt, spricht Kohls lieber von „Visionen“: Weil Vereine immer mehr zu Dienstleistern würden, sollte es seiner Meinung nach langfristig zur Fusion von SG und TG kommen. Eine gemeinsame Hallennutzung oder die Organisation des Tagesgeschäfts durch hauptamtliche Mitarbeiter sollte ehrenamtliche Helfer entlasten. „Man kann darüber nachdenken, ob der Standort auf die Dauer der Richtige ist“, findet Kohls. Im Hinblick auf eine Großsporthalle sei solch ein Vorhaben von einem Großverein eher zu stemmen.

Ach ja und nicht zu vergessen: Die SGN hat die sonst meist vom Gastwirt genutzte Wohnung im Vereinsheim an Asylbewerber aus Afghanistan vermietet. Der Verein ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst: Die Großfamilie hat sechs Kinder, die im Verein trainieren – beitragsfrei. So hat der Nachwuchs Spaß, sinnvolle Beschäftigung, Kontakte zu Gleichaltrigen und wird integriert.

Quelle: op-online.de

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